Die Zahl judenfeindlicher Attacken in Berlin ist laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) zurückgegangen. Für 2025 registrierte die Meldestelle insgesamt 2.197 antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten Jahresbericht hervorgeht. Das sind im Schnitt rund sechs Vorfälle pro Tag. 2024 waren es 2.521.
Trotz des Rückgangs liege die Fallzahl im Vergleich zu den Jahren vor dem Terror-Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 weiter auf hohem Niveau. Von 2018 bis 2022 wurden den Angaben zufolge nur knapp 980 Vorfälle pro Jahr dokumentiert. In der Entwicklung seit Oktober 2023 sieht die Meldestelle daher eine anhaltende Niveauverschiebung.
Extreme Gewalt
In einem der gemeldeten Fälle sei es gar zu extremer Gewalt gekommen: Ein Tourist habe einen Mordversuch auf dem Stelenfeld des Denkmals für die ermordeten Juden Europas nur knapp überlebt. In 39 weiteren Fällen seien Betroffene geschlagen oder bespuckt worden, auch seien ihnen Kleidung oder Schmuck vom Körper gerissen worden. Neben Bedrohungen (41), Massenzuschriften (49) und Sachbeschädigungen (63) ordnet die Meldestelle die meisten Fälle - 2.004 - der Kategorie »verletzendes Verhalten« zu, darunter etwa Beleidigungen und Schmierereien.
Wie in den Vorjahren trat laut der Meldestelle als Motiv häufig ein israelbezogener Antisemitismus auf - mehr als 70 Prozent der Vorfälle gingen demnach darauf zurück. Besonders verbreitet seien Gleichsetzungen von Juden, des Zionismus oder Israels mit dem Nationalsozialismus gewesen.
Viele Fälle im Netz
Die meisten Fälle wurden laut Rias im Internet registriert (962), gefolgt von Anfeindungen oder Gewalttaten auf der Straße (714). Es folgten Vorfälle in Bildungseinrichtungen (89), in Bus und Bahn (87) sowie in Parkanlagen (71). Weitere Orte, an denen Antisemitismus gemeldet worden sei, seien etwa Gedenkstätten, Sportplätze und Synagogen.