Berlin

Meldestelle: Antisemitisches »Grundrauschen« hält an

Benjamin Steinitz, Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Berlin Foto: dpa

Die Recherche und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hat in Berlin für das erste Halbjahr 2021 insgesamt 522 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Davon waren 12 Angriffe, 22 gezielte Sachbeschädigungen, 15 Bedrohungen, 447 Fälle verletzenden Verhaltens sowie 26 antisemitische Massenzuschriften, wie aus einem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Bericht hervorgeht. Im Schnitt wurden der Meldestelle demnach jeden Tag knapp drei antisemitische Vorfälle bekannt. Ein antisemitisches »Grundrauschen« begleite konstant den Alltag Berliner Jüdinnen und Juden.

MILIEUS Der Berliner Rias-Projektleiter Benjamin Steinitz erklärte: »In der Hauptstadt sind in unterschiedlichsten politisch-weltanschaulichen Milieus Aktionspotenziale vorhanden, die jederzeit zur Mobilisierung von antisemitischem Hass auf Versammlungen aktiviert werden können.« Anlass böten etwa Konfliktsituationen wie im Nahen Osten oder die Pandemie. »Dennoch gilt: Antisemitismus ist auch jenseits solcher Anlässe ein kontinuierliches Problem, welches sich in digitaler, verbaler, aber auch physischer Gewalt ausdrücken kann und so den Alltag von Juden und Jüdinnen prägt«, so Steinitz.

Der Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus, Samuel Salzborn, erklärte: »Wir müssen Gelegenheitsstrukturen für antisemitische Äußerungen und Taten auch im Vorfeld schon stärker im Blick haben, um antisemitische Hotspots gar nicht erst entstehen zu lassen.«

DETAILS Registriert wurden in den ersten sechs Monaten zwölf Angriffe, 22 gezielte Sachbeschädigungen, 15 Bedrohungen, 447 Fälle »verletzenden Verhaltens«, darunter 35 Versammlungen, sowie 26 antisemitische Massenzuschriften.

Die häufigste inhaltliche Erscheinungsform im ersten Halbjahr 2021 war den Angaben zufolge der israelbezogene Antisemitismus, dem mit 251 fast die Hälfte der 522 Vorfälle zugeordnet wurden.

In 98 Vorfällen waren Personen direkt betroffen, insgesamt 128. 87 Betroffene waren jüdisch oder israelisch »oder wurden als solche adressiert«, wie es in dem rund 50 Seiten umfassenden Bericht heißt. 252 der 292 betroffenen Institutionen seien ebenfalls jüdisch oder israelisch gewesen. epd/kna

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