Staatsbedienstete

Mehr als 300 Verfassungsfeinde sollen in Behörden arbeiten

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang und Bundesinnenministerin Nancy Faeser Foto: picture alliance/dpa

Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern sehen bei 364 ihrer eigenen Beschäftigten Anhaltspunkte für rechtsextremistische oder andere verfassungsfeindliche Bestrebungen.

Das geht aus dem am Montag veröffentlichten dritten Lagebild des Bundesamts für Verfassungsschutz zu Rechtsextremisten in den Sicherheitsbehörden hervor, für den insgesamt 739 Fälle in Bund und Ländern untersucht wurden. In fast jedem zweiten registrierten Fall erhärtete oder bestätigte sich damit der Verdacht auf Verstöße gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.

In vier von fünf Fällen (79,4 Prozent) ging es dabei nach Angaben des Verfassungsschutzes um Bezüge zum Rechtsextremismus, in rund jedem zehnten Fall (10,7 Prozent) um Verbindungen zur Szene der »Reichsbürger« oder »Selbstverwalter«. Auf den Bereich »Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates« entfiel nur ein kleiner Teil der Fälle (4,9 Prozent).

Die Beschäftigten fielen den Angaben zufolge am häufigsten durch extremistische Äußerungen in Chats oder auf Social-Media-Plattformen, politisch motivierte Beleidigungen sowie Kontakte oder Mitgliedschaften in extremistischen Organisationen oder Parteien auf. In wenigen Fällen seien auch gewaltorientierte Handlungen festgestellt worden.

Die Zahl der Fälle, in denen Anhaltspunkte für extremistische Aktivitäten von Beschäftigten der Sicherheitsbehörden gesehen wurden, hat sich gegenüber dem vergangenen Lagebild von vor zwei Jahren erhöht. Damals wurden 860 Fälle untersucht, bei 327 Bediensteten wurden tatsächlich Anhaltspunkte gesehen. Für den aktuellen Bericht wurde der Zeitraum von Juli 2021 bis Ende 2022 betrachtet, wobei auch ältere Fälle durch die Dauer der Disziplinar- und arbeitsrechtlichen Verfahren berücksichtigt wurden. Untersucht wurden die Verfassungsschutzbehörden, Polizeien und Kriminalämter in Bund und Ländern sowie die Bundestagspolizei, der Zoll und die Bundeswehr.

Mit Blick auf die insgesamt rund 384.000 Beschäftigten allein bei den Sicherheitsbehörden des Bundes sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), es seien insgesamt betrachtet wenige Fälle. »Trotzdem schauen wir sehr genau hin und handeln«, betonte sie.

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang sprach von einer wachsenden Sensibilisierung für das Thema, die auch zu einer erhöhten Meldebereitschaft geführt habe. epd

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Meinung

Kein Geld mehr für die UNRWA

Die CDU hat auf ihrem Bundesparteitag einen Stopp deutscher Zahlungen an das Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser gefordert. Warum der Beschluss richtig ist

von Michael Thaidigsmann  27.02.2026

Meinung

Olympia: Mehr als ein Regelbruch

Das israelische Bobteam wurde disqualifiziert – doch dahinter steht eine Geschichte von Loyalität, Koexistenz und Mut

von Sabine Brandes  27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Anadolu Gençlik Derneği gibt sich in Deutschland betont moderat, doch die Mutterorganisation in der Türkei zeigt ihre Terrorverbindungen offen

 27.02.2026

Washington D.C.

Ex-Präsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus

Erst Ex-Außenministerin Hillary Clinton, nun ihr Mann, Bill Clinton: Erstmals seit mehr als 40 Jahren sagt heute ein Ex-Präsident vor dem US-Kongress aus

 27.02.2026

Ehrung

Bundesverdienstkreuz für Holocaust-Überlebende Renate Aris

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer überreicht am Dienstag mehrere Bundesverdienstkreuze. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste deutsche Anerkennung für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

 27.02.2026

Schmähplastik

Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärt die Eingabe eines jüdischen Rentners für unzulässig. Die Entscheidung ist endgültig

 27.02.2026

Montréal

Bericht über IDF-Soldaten als Gastredner an jüdischen Schulen löst Angst aus

Kritiker argumentieren, öffentlich geförderte Schulen dürften während eines Krieges keine Plattform für militärnahe Beiträge bieten. Eltern sorgen sich eher darum, dass die Schulen ihrer Kinder bloßgestellt worden seien

 27.02.2026