Meinung

Medaillenjagd mit »Schindlers Liste«

Martin Krauß Foto: Stephan Pramme

Einen Shitstorm hat sich Nicole Schott eingefangen, und das liegt nicht daran, dass die Eiskunstläuferin aus Essen bei den Olympischen Spielen nur 18. wurde. Es liegt an ihrer Musik: Sie lief zum Soundtrack von Schindlers Liste.

»Niemand sollte zu ›Schindlers Liste‹ laufen«, schrieb die »USA Today«-Kolumnistin Nancy Armour, und der »Rolling Stone« titelte: »Pietätlos und geschmacklos«.

lagerkluft Ist Sport zu profan, als dass er sich mit dem Thema Schoa beschäftigen dürfte? Ist es die Medaillenjagd, die so verstört? Jedenfalls ist die Verwendung von Schoa-Themen im Sport, gerade im Eiskunstlauf, so ungewöhnlich nicht. Der Erste, der sich die Schindlers-Liste-Musik aussuchte, war der Amerikaner Paul Wylie: Der hatte sich 1994 für seinen WM-Auftritt sogar einen grauen Anzug nähen lassen, der an Lagerkluft erinnerte.

Bei der gleichen WM lief Katarina Witt zu dieser Musik, sie trug ein rotes Kostüm, das an das tanzende Mädchen aus Spielbergs Film erinnerte. »Es gab ein leichtes Murren«, erinnerte sich die US-Expertin Jirina Ribbens, »aber letztlich wurde ihre Kür gut aufgenommen.«

funktionäre Was Wylie und Witt von so manchen Nachfolgern unterscheidet, ist, dass man ihnen den Willen zur ernsthaften künstlerischen Beschäftigung abnahm. Was an Nicole Schotts Kür am meisten verstört, ist ihre fehlende Begründung für die Musikauswahl und, noch mehr, ihre Reaktion auf Kritik. »Sie wollte damit keine Aussage treffen«, sagte ein Funktionär, »es ist etwas ganz Normales, diese emotionale Filmmusik zu wählen.«

Nein, es ist nicht irgendwie emotional. Was es in der Kultur ständig gibt – sowohl gelungene als auch kitschig-misslungene Auseinandersetzungen mit der Schoa –, gibt es auch in ästhetischen Sportarten. Und selbstverständlich darf und soll sich der Sport dem Thema stellen. Nur eine einzige Bedingung gibt es: Es sollte ernsthaft geschehen.

Analyse

Das Prinzip Trump

Der US-Präsident hat Israels sicherheitspolitische Lage gestärkt – zugleich spaltet er das eigene Land. Aber ein geschwächtes Amerika garantiert keinen stabilen Schutz

von Carsten Ovens  15.02.2026

Nahost

Italien nimmt als Beobachter an Trump-»Friedensrat« teil

Bislang sind in dem Gremium des US-Präsidenten nur zwei EU-Staaten dabei

 14.02.2026

Solidarität

Für Freiheit im Iran: 250.000 Demonstranten in München

Unter den Rednern war auch der Publizist Michel Friedman: »Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt«

 15.02.2026 Aktualisiert

USA/Iran

US-Präsident Trump: Machtwechsel im Iran wäre wohl das Beste

US-Präsident droht Teheran im Streit über das Atom- und Raketenprogramm mit einem Angriff. Er legt nach: Nur ein Deal könne dies verhindern

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026