Berlin

Mann antisemitisch beleidigt und geschlagen

Foto: imago

Ein 76-Jähriger ist in Berlin-Pankow mit antisemitischen Sprüchen beleidigt und danach geschlagen worden. Dabei soll nach Angaben der Polizei vom Dienstag ein 16-jähriger Junge am Montagmorgen aus einer Gruppe heraus den Mann, der nach Polizeiangaben kein Jude ist, zunächst angepöbelt haben.

Beide sollen dabei in einen Streit geraten sein, wobei der Jugendliche dem Mann mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll. Durch die Wucht der Schläge verlor der 76-Jährige das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.

Alarmierte Polizisten stellten den mutmaßlichen Schläger und übergaben ihn nach Feststellung der Personalien seinem Vater. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

STATISTIK Berlin ist so stark mit antisemitischer Kriminalität belastet wie kein anderes Bundesland. Im Jahr 2018 hatte die Polizei deutlich mehr antisemitische Straftaten verzeichnet als in den Vorjahren. Die Zahl der Gewalttaten gegen Juden stieg um 60 Prozent. Bundesweit registrierte die Polizei 1646 Straftaten. Das sind knapp zehn Prozent mehr, als die Bundesregierung für 2017 gemeldet hatte, damals waren es 1504. Insgesamt stellte die Polizei im vergangenen Jahr 62 Gewaltdelikte fest, im Jahr zuvor waren es 37.

Berlin ist so stark mit antisemitischer Kriminalität belastet wie kein anderes Bundesland.

Jede fünfte in Deutschland gemeldete antisemitische Straftat geschieht in Berlin. Allein im ersten Halbjahr 2018 meldete die Polizei 80 Straftaten in der Hauptstadt. Dies ging Ende August des vergangenen Jahres aus Antworten der Bundesregierung auf quartalsweise Anfragen der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und der Linksfraktion hervor.

KONZEPT Anfang März dieses Jahres hatte Berlin bekannt gegeben, mit einem neuen Konzept das jüdische Leben in der Hauptstadt besser zu schützen. Der Berliner Senat beschloss dafür als bundesweit erste Landesregierung ein Konzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention.

Der Schutz der jüdischen Gemeinschaft in Berlin sei eine »historische Verantwortung«, sagte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) bei der Vorstellung des Konzeptes. Unter anderem werde es künftig einen Ansprechpartner des Landes zum Thema Antisemitismus geben, an den sich sowohl die Justiz als auch die jüdische Gemeinde wenden können.  dpa/ja

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