Berlin

Mann antisemitisch beleidigt und geschlagen

Foto: imago

In Berlin-Karow ist nach Angaben der Polizei am Montagnachmittag ein Mann erst antisemitisch beleidigt und dann geschlagen worden. Der 70-Jährige sei kurz vor 15 Uhr auf der Busonistraße am Ballonplatz spazieren gewesen, als er von einem unbekannten Mann antisemitisch beleidigt wurde, teilte die Berliner Polizei am Dienstag mit. Als sich der Beleidigte verbal zur Wehr setzte, habe ihn der Mann geschlagen und an Kopf und Kinn verletzt.

Beim Versuch, sich gegen die Schläge zu wehren, habe der 70-Jährige das Gleichgewicht verloren und sei zu Boden gestürzt. Erst eine vorübereilende Passantin habe den Angreifer dazu veranlasst, von dem 70-Jährigen abzulassen und zu flüchten. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte den erneuten antisemitischen Angriff in der Bundeshauptstadt »auf das Schärfste«. Es dürfe nicht sein, dass am helllichten Tag ein Spaziergänger antisemitisch beleidigt und dann geschlagen werde, wenn er sich verbal zur Wehr setze, erklärte Müller am Dienstag. »Das sind Geschehnisse, die in unserer Stadt angesichts unserer Geschichte einfach nicht passieren dürfen und die niemals zur Normalität werden dürfen.«

ATTACKEN In Berlin kommt es immer wieder zu judenfeindlichen Zwischenfällen und Angriffen. Ende Juli war in Berlin der Berliner Gemeinderabbiner Yehuda Teichtal Opfer einer antisemitischen Attacke geworden. Zwei Männer beschimpften Teichtal auf Arabisch und bespuckten den Rabbiner, der in Begleitung eines seiner Kinder war und zuvor einen Gottesdienst im Bezirk Wilmersdorf geleitet hatte.

Im Jahr 2018 verzeichnete die Berliner Polizei deutlich mehr antisemitische Straftaten als in den Vorjahren.

Wenig später, Mitte August, wurde ein jüdischer Mann in Berlin-Charlottenburg von zwei Unbekannten attackiert. Die Polizei geht nach wie vor von einem antisemitischen Hintergrund aus. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz ermittelt wegen Hasskriminalität.

RIAS »Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass Personen, die öffentlich als Juden wahrnehmbar sind, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, angefeindet zu werden«, sagt Alexander Rasumny, Projektmitarbeiter des Bundesverbandes der Recherche‐ und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS). Dort können Betroffene und Zeugen antisemitisch motivierte Übergriffe melden – auch unterhalb der Schwelle von Straftaten. Die jüngste Reihe mit Vorfällen gegen die Rabbiner bestätige die genannte Entwicklung, betont Rasumny.

Allein in der Bundeshauptstadt seien bei RIAS‐Berlin in diesem Jahr bisher mehr als 300 antisemitische Vorfälle gemeldet worden, davon über zehn Angriffe. Die Dunkelziffer ist ungleich höher. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr wurden RIAS für Berlin 46 Angriffe und 1083 antisemitische Vorfälle gemeldet, wie Rasumny erläutert.

Im Jahr 2018 verzeichnete die Polizei in Berlin deutlich mehr antisemitische Straftaten als in den Vorjahren. Die Zahl der Gewalttaten gegen Juden stieg um 60 Prozent. Bundesweit registrierte die Polizei 1646 Straftaten. Das sind knapp zehn Prozent mehr, als die Bundesregierung für 2017 gemeldet hatte, damals waren es 1504. Insgesamt stellte die Polizei im vergangenen Jahr 62 Gewaltdelikte fest, im Jahr zuvor waren es 37. epd/dpa/ja

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026