Meinung

Macht uns den Brandt!

Das Ganze hatte etwas Absurdes: Ein vor den Nazis ins Exil geflohener Antifaschist kniet am Denkmal für die Aufständischen des Warschauer Ghettos nieder und erkennt damit deutsche Schuld an. Ein in rechten Kreisen als »Vaterlandsverräter« geschmähter Bundeskanzler trauert im Namen des Landes der Täter. Zu einer solchen Geste gehört Größe. Willy Brandt hatte sie, frei von Kalkül und taktischen Erwägungen. In seinen Memoiren versicherte der SPD-Politiker, den berühmten Kniefall am 7. Dezember 1970 nicht geplant zu haben. »Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt.« Und so ging ein Bild um die Welt, das zeigt, wie ein bedeutender Politiker etwas ganz Besonderes tut: Mut und Gefühl zeigen. Ein Foto, das mehr wert ist als Tausende wohlformulierter Reden. Ein Symbol, das Zeichen (Ostpolitik! Versöhnung!) setzt. Vor allem, weil es aufgrund seiner Spontaneität authentisch und glaubhaft wirkt. Zumindest glaubhafter, als etwa so mancher, der Staatsräson geschuldete Besuch der Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem. In der Politik sind solche Gesten rar geworden. Alles wird bis ins Detail geplant. Bloß keine Überraschung, um Gottes willen nichts falsch machen. Mehr Demokratie wagen? Sicherlich, aber gerne auch mal mehr Mut. Wie es geht – Willy Brandt hat es vorgemacht.

Debatte

Zentralrat der Juden positioniert sich zum Thema AfD-Verbot

 05.07.2026

Religionsfreiheit

Oberrabbiner sieht religiöse Praktiken europaweit unter Druck

Bei einem Symposium in Amberg diskutierten Politiker, Vertreter von Religionsgemeinschaften und Juristen über die Einschränkungen der Religionsfreiheit

von Christoph Renzikowski  05.07.2026

Terrorismus

In diesem Land gibt es keinen Platz für Islamisten. Sie sollten konsequent abgeschoben werden

Eine Klarstellung

von Jessie Katz  05.07.2026

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  04.07.2026

Parteien

AfD-Chefin Alice Weidel äußert sich zu möglichen Koalitionen mit der CDU

Wie hält es die rechtsextreme Partei ihrerseits mit einer Annäherung an die Union?

 04.07.2026

Parteitag

AfD bestätigt Führungsduo – Chrupalla verliert an Rückhalt

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. Chrupalla muss allerdings Federn lassen. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter

von Anne-Beatrice Clasmann  04.07.2026

Essay

Die Sprache der AfD

Gewalt, NS-Bezüge und Antisemitismus: Wie die rechtsextreme Partei auch rhetorisch die Grenzen verschiebt. Eine linguistische Analyse

von Deborah Kämper  04.07.2026

Thüringen

Mehr als 30.000 Menschen protestieren gegen AfD-Parteitag

Trotz Blockaden bleibt die Stimmung meist friedlich – doch es gibt auch Zwischenfälle mit Pyrotechnik und Flaschenwürfen

von Simone Rothe  04.07.2026

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026