Cambridge

Literaturfestival streicht Auftritt mit Autorin, die den Terrorangriff vom 7. Oktober begrüßte

Das Cambridge Literary Festival 2026 Foto: picture alliance / Photoshot

Das Cambridge Literary Festival hat einen geplanten Auftritt der australisch-palästinensischen Schriftstellerin Randa Abdel-Fattah abgesagt. Die 47-Jährige sollte am 8. Oktober am Newnham College in Cambridge über ihren Roman »Discipline« sprechen. Die Veranstaltung wäre damit nur einen Tag nach dem dritten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 angesetzt gewesen. Die Publikationen »Jewish News« und »Jewish Chronicle« berichteten.

Auf der Internetseite des Festivals war der einstündige Termin zunächst als »kraftvoll und unverzichtbar« angekündigt worden. Die entsprechende Veranstaltungsseite ist inzwischen verschwunden. Nach Angaben des Festivals wurde die Absage mit »betrieblichen Gründen« begründet. Es habe sich um eine eigenständige Veranstaltung gehandelt, die nicht Teil des eigentlichen Festivalprogramms im November gewesen sei.

Abdel-Fattah steht seit Jahren wegen ihrer Äußerungen zu Israel und zum Hamas-Angriff vom 7. Oktober in der Kritik. In einem Beitrag für das US-Medium »Mondoweiss« schrieb sie im Oktober 2024, an jenem Tag habe es einen »Hoffnungsschimmer« gegeben, der »greifbar, real und berauschend« gewesen sei. Zugleich erklärte sie, die Ereignisse hätten auch eine Chance auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden eröffnet.

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Bereits wenige Tage nach dem Terrorangriff hatte Abdel-Fattah in einem Interview mit »Sky News Australia« erklärt, sie betrachte die Hamas nicht als »Terroristen«. Der Angriff sei unvermeidlich gewesen, nachdem »jede Möglichkeit des friedlichen Widerstands« ausgeschöpft worden sei. Bei dem Massaker wurden rund 1200 Menschen ermordet, viele vergewaltigt und 251 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppt.

Für zusätzliche Empörung sorgte ein Bild, das die Autorin am Tag nach dem Angriff als Profilfoto bei Facebook verwendete. Darauf war ein motorisierter Gleitschirm in den Farben der palästinensischen Flagge zu sehen. Mitglieder der Hamas hatten solche Gleitschirme am 7. Oktober unter anderem beim Angriff auf das Nova-Musikfestival eingesetzt, bei dem zahlreiche Zivilisten ermordet wurden.

Abdel-Fattah erklärte später, sie habe bei der Auswahl des Bildes nicht gewusst, dass Gleitschirme beim Terrorangriff eingesetzt worden waren. Das Motiv habe für sie »Freiheit und die Flucht aus der Gefangenschaft« symbolisiert. Eine Darstellung des Bildes als Verherrlichung der Gewalt gegen Zivilisten wies sie zurück. Im Januar 2026 schrieb sie dazu: »Ein Bild, das einen Moment der Freiheit dargestellt hat, ist nichts, wofür ich mich entschuldigen werde.«

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In einem weiteren Beitrag stellte Abdel-Fattah den 7. Oktober zudem als eine Art Ausbruch aus einem »Freiluftgefängnis« dar und warf Israel einen »palästinensischen Holocaust« vor. Gleichzeitig distanzierte sie sich in demselben Zusammenhang von Verbrechen an israelischen Zivilisten und forderte eine Untersuchung der Verstöße gegen das Völkerrecht durch die Hamas. »Die Verstöße gegen das Völkerrecht, die die Hamas am 7. Oktober gegen israelische Zivilisten begangen hat, sollten ordnungsgemäß untersucht werden, und jede Bestrafung oder Sanktion muss ausschließlich die Täter treffen«, schrieb sie.

Der Fall in Cambridge erinnert an einen ähnlichen Streit in Australien. Abdel-Fattah sollte dort Anfang des Jahres bei der Adelaide Writers’ Week auftreten. Nach einer Kontroverse über frühere Äußerungen wurde ihr Auftritt abgesagt. Mehr als 180 Teilnehmer zogen sich daraufhin aus Solidarität mit der Autorin von der Veranstaltung zurück. Schließlich wurde das gesamte Festival abgesagt.

Auch in Cambridge war der geplante Auftritt politisch besonders sensibel. Das Festival wollte Abdel-Fattahs ersten Roman für Erwachsene vorstellen, der sich laut Veranstaltern mit »Zensur, Komplizenschaft, Mut und Widerstandsfähigkeit« beschäftigt und vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges spielt.

Absage bestätigt

Das Cambridge Literary Festival bestätigte die Absage inzwischen ausdrücklich. »Die Veranstaltung wurde am Freitag wegen betrieblicher Probleme abgesagt und findet nicht mehr statt«, teilte das Festival mit. Zu den Hintergründen machte die Organisation keine weiteren Angaben.

Das Festival empfängt nach eigenen Angaben jedes Jahr mehr als 350 Autoren und Redner. Zu den bisherigen Gästen gehören unter anderem Ian McEwan, Zadie Smith, Nicola Sturgeon, John Cleese und Jonathan Freedland. im

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