Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar sieht in der Kampagne »Kufiyas in Buchenwald« linker Aktivisten einen Angriff auf die deutsche Erinnerungskultur. Linksradikale und israelfeindliche Gruppen haben im Internet zu einem öffentlichen Protest in Weimar während des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers im April aufgerufen. Auch Vorträge und eine Podiumsdiskussion soll es geben.
Die Gedenkstätte reagierte besorgt: »Das ist eine völlig unangemessene Instrumentalisierung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus für die eigene politische, menschenfeindliche Agenda«, sagte der Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung, Rikola-Gunnar Lüttgenau auf Nachfrage. »Gruppierungen, die den Terror der Hamas bejubeln, die Angriffe vom 7. Oktober als ›großartige Überraschung‹ glorifizieren und dem Staat Israel das Existenzrecht absprechen, haben bei uns keinen Platz.«
Hintergrund ist ein Streit um das Tragen von Palästinensertüchern (Kufiyas) auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Zur Gedenkfeier im April vergangenen Jahres wurde einer Frau der Zutritt zum Gelände verweigert, weil sie mit einem sogenannten Palästinensertuch gegen die Unterstützung der israelischen Politik protestieren wollte. Die Frau klagte daraufhin erfolglos vor Gericht.
Wenn Unterstützer menschenverachtender Positionen versuchten, durch das Tragen einer Kufiya bei offiziellen Gedenkfeiern den Ort für sich zu instrumentalisieren, werde dies weiterhin konsequent unterbunden, so Lüttgenau. Das widerspreche allem, wofür die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora einstünden. Nach seinen Worten liegt dem Ordnungsamt der Stadt bislang noch keine Anmeldung zu dem für den 12. April angekündigten Protest vor.
»Neuer Tiefpunkt«
Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, sprach in Zusammenhang mit der geplanten Aktion linksradikaler Israelfeinde von einem »neuen Tiefpunkt der leider so geläufigen Täter-Opfer-Umkehr«. »Bild« zitierte ihn entsprechend. Klein verurteilte diesen »frontalen Angriff auf die Würde des Erinnerns an die Opfer der Schoa auf das Schärfste«.
Ron Prosor, der israelische Botschafter in Deutschland, reagierte ebenfalls: »Wo Juden ermordet wurden, soll heute gegen den jüdischen Staat demonstriert werden. Geschichte verdrehen, Opfer relativieren, Antisemitismus als Aktivismus verpacken. Und dann wundert man sich ernsthaft, warum Antisemitismus wieder wächst.«
In das KZ Buchenwald bei Weimar und seine Außenlager hatten die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1945 etwa 280.000 Menschen verschleppt, darunter Zehntausende Jüdinnen und Juden. 56.000 Menschen wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten, durch Zwangsarbeit oder angebliche medizinische Experimente. dpa/ja