Berlin

Linkes Bündnis will akademischen Boykott Israels

Protest gegen Israel in Berlin (September 2025) Foto: IMAGO/IPON

Ob der Schreibfehler Absicht war, ist nicht bekannt, doch auf der Webseite »academicboycott-confrence.com« lädt ein israelfeindliches linksradikales Bündnis zu einer dreitägigen Tagung an diesem Wochenende in Berlin ein – wo genau in der Hauptstadt, ist noch unklar.

Bei den Organisationen, die zu dem Treffen aufrufen, handelt es sich überwiegend um studentische Initiativen wie Students for Palestine, die an verschiedenen deutschen Hochschulen aktiv sind. Veranstalter der Tagung sind offiziell jedoch das Inter Bündnis Berlin, das Kufiya-Netzwerk und die vom früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis gegründete linke Bewegung DIEM25.

Nach wie vor gebe es keine »kollektive, bundesweit koordinierte sowie strategisch aufgebaute Palästina-Solidarität an deutschen Universitäten«, heißt es auf der Webseite, und die »Solidarität mit Palästina« drücke sich unter Studierenden und Akademikern »hauptsächlich durch moralische Schlagwörter oder performative Aktionen«. Mit der Konferenz wolle man dagegen »zu einem vertieften Verständnis der Rolle von Universitäten im Kapitalismus und Imperialismus« beitragen, so die Veranstalter.

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Konkret will das Bündnis nicht nur über die Funktion der israelischen Wissenschaft diskutieren, sondern Studierende und Lehrende an deutschen Hochschulen auch befähigen, ihre jeweiligen »Institutionen zur Rechenschaft zu ziehen«. Und man wolle, so die Organisatoren weiter, eine gemeinsame Strategie für eine »Boykottkampagne in Deutschland« gegen Israel, das als »Siedlerkolonie« bezeichnet wird und dessen akademische Einrichtungen Teil eines Unterdrückungsapparats seien.

Zu den im Konferenzprogramm vorgesehenen Rednern gehört auch Hanna Kienzler, Professorin für Global Health am King’s College in London, die im Mai 2025 die sogenannte Uppsala Declaration unterzeichnet hat. Darin wird israelischen Universitäten vorgeworfen, seit langem »Komplizen des israelischen Regimes der militärischen Besatzung, des Siedlerkolonialismus, der Apartheid und nun auch des Völkermords« zu sein.

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Im August 2025 bezeichnete Kienzler auf X Israels Vorgehen in Gaza als »Genozid«, dem durch Angriffe auf »militärische und wirtschaftliche Einrichtungen« in Israel begegnet werden müsse. Sie fügte hinzu: »Und ja, mir ist vollkommen bewusst, dass dabei Zivilisten sterben müssen.«

Unterstützung für die Konferenz kommt laut »Tagesspiegel« vereinzelt aus den Reihen der Berliner Linkspartei, insbesondere dem Bezirksverband Neukölln. Allerdings gibt es von Seiten der Berliner Linken auch Widerspruch. So sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Abgeordnetenhaus, Tobias Schulze, dem »Tagesspiegel«, man teile die Forderung nach einem akademischen Boykott Israels nicht.

»Boykotte widersprechen Grundprinzipien guter Wissenschaft«

Die Antisemitismusbeauftragten der Berliner Hochschulen äußerten in einer gemeinsamen Stellungnahme ebenfalls scharfe Kritik. »Israelbezogene akademische Boykotte tragen zur Stigmatisierung israelischer und jüdischer Wissenschaftler*innen bei«, heißt es dort. »Forschung und Lehre müssen frei von Ausschlüssen aufgrund kollektiver Zuschreibungen sein.« Man sorge sich zudem vor Eskalationen in dem Umfeld, die die Sicherheit einzelner Hochschulmitglieder gefährden könnten.

Die Antisemitismusbeauftragten mehrerer Berliner Hochschulen veröffentlichten am Mittwoch eine gemeinsame Stellungnahme. Darin verurteilen sie die Zielsetzung der Konferenz scharf: »Solche Boykotte widersprechen den Grundprinzipien guter Wissenschaft. Forschung und Lehre müssen frei von Ausschlüssen aufgrund kollektiver Zuschreibungen sein. Hochschulen haben den Auftrag, Wissenschaft und Kunst zu pflegen, Studierende auf ihre berufliche Tätigkeit vorzubereiten und Demokratiebildung zu fördern. Sie sind Orte des offenen Austauschs, kritischer Reflexion und internationaler Zusammenarbeit.«

Ein Boykott israelischer Wissenschaftseinrichtungen würde eine Gefähr für den internationalen wissenschaftlichen Austausch darstellen, heißt es in der Erklärung weiter. Jene, die zu akademischen Boykotten aufriefen, vernachlässigten zudem die negativen Konsequenzen für jüdische und israelische Hochschulangehörige in Deutschland. mth

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