Henriette Quade

Linken-Politikerin tritt wegen Antisemitismus-Streit aus der Partei aus

Henriette Quade ist Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die Linken-Politikerin Henriette Quade ist im Streit um die fehlende konsequente Verurteilung von Antisemitismus aus der Partei ausgetreten.

»Es zeichnet sich mit dem Bundesparteitag ab, dass ein kompromissloser Kampf gegen jeden Antisemitismus in und mit dieser Partei mir nicht möglich ist – so sehr er auch in Reden behauptet wurde«, schrieb Quade, die seit 2011 für die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzt, in einem Statement auf X.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Quade wirft der Partei vor, in Teilen mit Terror-Sympathisanten und Antisemiten gemeinsame Sache zu machen. »Teile der Partei werden weiter mit jenen Bündnisse eingehen (oder selbst solche Positionen vertreten), die aggressiv gegen Israel auf die Straße gehen und die Menschen in Gaza der Herrschaft der Hamas überlassen wollen und damit weiterem Leid.«

Linke wirft Israel »Hinrichtung« des Hamas-Chefs vor

Explizit nennt die Linken-Politikerin die Gruppe »Sozialismus von unten«, deren Positionen auf die »Forderung nach Vernichtung des jüdischen Staates« hinauslaufen würden. Oder etwa die Gruppe »Handala Leipzig«, die auf Instagram Teilnehmer von Protesten gegen Antisemitismus mit Hamas-Dreiecken markiert haben soll. Handala-Vertreter hätten Quade zufolge auf dem Parteitag sprechen sollen. Dies sei jedoch nicht mit einem klaren Verweis auf die Beschlusslage gegen Antisemitismus, sondern lediglich mit Brandschutzauflagen verhindert worden.

Doch vor allem stört sich Henriette Quade an dem Antrag »Deeskalation und Abrüstung in Nahost«, der auf dem Bundesparteitag in Halle (Sachsen-Anhalt) beschlossen wurde. »Zutreffend stellt der Antrag fest, dass der sogenannte Nahostkonflikt nicht mit dem 7. Oktober begonnen habe, nur um in den nächsten Sätzen die Ursache allein in Besatzung und Siedlungsbau zu erkennen. Aber mit keinem einzigen Satz in dem mörderischen Antisemitismus, der seit dem ersten Tag des Bestehens des Staates Israel auf dessen Vernichtung drängt«, so Quade.

Wortwörtlich heißt es in dem Antrag: »Der Konflikt zwischen Israel und Palästina beginnt nicht mit dem 7. Oktober 2023. Die Jahrzehnte der Besatzung in der Westbank, der fortgesetzte Siedlungsbau, die Blockade des Gazastreifens, die Entrechtung und die damit einhergehende Perspektivlosigkeit bilden den Nährboden für radikale und islamistische Gruppen.« Dies rechtfertige aber nicht die Massaker der Hamas, wird in dem Antrag betont.

Lesen Sie auch

Die Linke wirft Israel außerdem vor, »alle drei Hamas-Chefs« (gemeint sind wohl Mohammed Deif, Ismail Haniyeh und Yahya Sinwar) »außergerichtlich hingerichtet« und dabei »viele unbeteiligte Opfer« hingenommen zu haben. Dass alle drei militärisch legitime Ziele waren und zudem Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht haben, wird mit keinem Wort erwähnt.

Linke fordert Stopp von Waffenlieferungen an Israel

In dem Antrag werden darüber hinaus die Hamas und Israel immer wieder in direkter Weise verglichen. So heißt es: »Das Massaker vom 7. Oktober und die zunehmende Ausweitung des Krieges durch Israel stehen für die Art von Gewalt, mit der seit Jahrzehnten immer wieder der Friedensprozess in der Region zerstört wird. Eine militärische Lösung des komplexen Nahost-Konfliktes wird es nicht geben.«

Für eine friedliche Lösung sei es deshalb notwendig, »den Scharfmachern auf beiden Seiten konsequent entgegenzutreten. Denn weder die rechte israelische Regierung noch die Fundamentalisten von Hisbollah und Hamas haben ein Interesse an einem gerechten Frieden«.

Die Linke fordert deshalb, die »völkerrechtswidrige Kriegsführung in Gaza und Libanon« müsse sofort eingestellt werden. »Deutschland und die NATO dürfen das nicht mit Waffenlieferungen unterstützen.«

Für Henriette Quade liefe das auf die Zerstörung Israels hinaus. »Die Forderung, Israel keine Waffen zu liefern, würde Israel bei ihrer Umsetzung in letzter Konsequenz schutzlos stellen und den einzigen jüdischen Staat, Heimstatt auch Überlebender der Shoah, der Gefahr der Vernichtung preiszugeben.« Und weiter: »Diese Friedenspolitik läuft, wie die Positionen zur Ukraine, auf eine Politik des Sterbenlassens hinaus.«

»Letzte Verteidigungswelle«

Haftstrafen gegen junge Neonazis

Seit März standen in Hamburg mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe »Letzte Verteidigungswelle« vor Gericht. Weil sie so jung sind, ohne Öffentlichkeit. Nun sind die Urteile gefallen.

 05.08.2026

Jackson Irvine beim WM-Spiel Australien gegen Ägypten, 3. Juli 2026

Nach Antisemitismus-Vorwürfen

Umstrittener FC St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine wechselt nach Japan

Der Australier war wegen anti-israelischer Gesten heftig kritisiert worden und hatte vergangene Saison bei dem Bundesligaabsteiger für eine Krise unter Führung und Fans gesorgt

 05.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Wahl zum Abgeordnetenhaus

Umfrage: Linke in Berlin auf Platz eins

Am 20. September findet die Wahl zum Landesparlament statt. Würde schon am Sonntag gewählt, bekäme die Linke einer Umfrage zufolge die größte Zustimmung. Doch das Rennen ist knapp

 05.08.2026

Nach CSD-Anschlag

So viele islamistische Gefährder müssen nun in Berlin Fußfesseln tragen

Eine Übersicht

 05.08.2026

Berlin

Viele Fragezeichen zu CSD-Anschlag nach Sondersitzung

Gab es Kommunikationsprobleme zwischen Sicherheitsbehörden und Politik vor dem Anschlag am Rande des CSD? Abgeordnete sehen reichlich offene Fragen rund um die Tat

 05.08.2026

Berlin

Insolvenz: Masorti-Grundschule muss schließen

Die Hintergründe

von Mascha Malburg  05.08.2026

Arlington (Virginia)

USA haben Großteil ihrer Langstreckenraketen im Iran-Krieg verbraucht

Im Verlauf der Operation »Epic Fury« wurden bereits nahezu sämtliche verfügbaren Army Tactical Missile Systems (ATACMS) sowie Precision Strike Missiles (PrSM) eingesetzt

 05.08.2026

Großbritannien

Antisemitische Vorfälle in Großbritannien um 21 Prozent gestiegen

Der Community Security Trust registriert einen Fall von lebensbedrohlicher Gewalt sowie 135 körperliche Angriffe – so viele wie noch nie in einem ersten Halbjahr

 05.08.2026