Berlin

Lautstark für Israel

Rund 800 Menschen haben am Freitagnachmittag in Berlin gegen die »Al-Quds«-Demonstration protestiert. Unter dem Motto »Gegen Antisemitismus, Homophobie und islamistischen Terrorismus – Solidarität mit Israel und der iranischen Demokratiebewegung!« hatte ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und pro-israelischen Gruppen zu zwei Kundgebungen und einer Demonstration entlang der Strecke vom Adenauerplatz über den Kurfürstendamm bis zum Wittenbergplatz aufgerufen.

»Heute gilt es, ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzten und für Vielfalt und Toleranz einzutreten. Das Existenzrecht Israels ist nicht verhandelbar«, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) zum Auftakt der Gegendemonstration. Wenn Israel-Hasser zum Aufmarsch mobilisieren, sei es die Pflicht eines jedes Demokraten, dagegen seine Stimme zu erheben, betonte Geisel.

Verharmlosung Teilnehmer der Demonstration gegen den Al-Quds-Marsch schwenkten Israelfahnen und hielten Transparente mit Aufschriften wie »Kein Platz für Judenhass« und »Wer Zionisten den Tod wünscht, ist ein Volksverhetzer« in die Höhe. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin, der Zentralrat der Yeziden und die Gemeinde der Kurden unterstützten die Proteste. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck warnte in seiner Rede vor einer Verharmlosung von Antizionismus. »Antizionismus wendet sich gegen die Existenz des jüdisch-demokratischen Staates Israel. Das ist nichts anderes als Antisemitismus 2.0«, sagte Beck.

Auch das Bezirksamt von Charlottenburg-Wilmersdorf solidarisierte sich mit Israel: Vor dem Rathaus Charlottenburg wurde am Freitagmorgen die israelische Fahne gehisst. Damit stehe der Bezirk mit Nachdruck für das Existenzrecht des Staates Israel ein und unterstütze alle Bemühungen, für die Menschen in der Region zu Frieden zu kommen, erklärte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Carsten Engelmann.

Auflagen »Die Hisbollah gehört nicht auf die Straßen Berlins. Wir fordern die deutsche und europäische Politik auf, die Hisbollah als das zu verbieten, was sie nun mal ist: Eine vom Iran finanzierte Terrororganisation«, sagte Deidre Berger, Vorsitzende des American Jewish Committee (AJC). Berger wiederholte auch die Forderung des AJC, den Al-Quds-Marsch in Berlin zu verbieten. Die Demonstration war in diesem Jahr nur unter strengen Auflagen genehmigt worden.

Wie bereits im vergangenen Jahr hatte Innensenator Geisel das Zeigen von Hisbollah-Flaggen untersagt, ebenso das Rufen antiisraelischer und antisemitischer Hetzparolen wie »Tod Israel« oder »Tod den Juden«. Der Polizei wurden dafür arabischsprachige Dolmetscher zur Seite gestellt. Die mehreren Hundert Teilnehmer des Al-Quds-Marsches hielten sich offenbar an die Auflagen. Sie führten palästinensische Fahnen sowie Bilder Ayatollah Khomeinis mit sich. Auf Schildern war zu lesen: »Für die Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern«.

Der Al-Quds-Tag findet seit 1979 statt. Er wurde von dem iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini als Kampftag gegen Israel ins Leben gerufen. Neben einer staatlich organisierten Demonstration in Teheran für die »Befreiung« Palästinas und Jerusalems mit jährlich Hunderttausenden Teilnehmern finden auch in Deutschland und anderen europäischen Staaten Veranstaltungen statt. Seit 1996 marschieren jedes Jahr zum Ende des Fastenmonats Ramadan Anhänger der iranischen Theokratie in Berlin.

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird 80. Eine persönliche Würdigung von Reinhard Mohr

von Reinhard Mohr  19.08.2026

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

In der Chat-Konversation finden sich zudem Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Eine Organisation, die sich gegen Judenhass einsetzt, prüft rechtliche Schritte

 19.08.2026

Nahost

Iran droht bei neuem Krieg mit Angriffen auf US-Ziele in Europa

Das Mullah-Regime könnte Angriffe auf US-Militärstützpunkte und andere amerikanische Einrichtungen sowie die kritische Infrastruktur befehlen

 19.08.2026

Washington D.C.

USA sanktionieren Präsidentin des Strafgerichtshofs

Die US-Regierung erhöht mit Sanktionen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof - diesmal auch gegen die Präsidentin

 19.08.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon prüft nach Iran-Krieg kleinere US-Militärpräsenz am Golf

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte

 19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026