Berlin

Kultursenator warnt vor »falscher Toleranz« gegenüber Antisemitismus

Kultur- und Finanzsenator Stefan Evers (CDU) Foto: picture alliance / SZ Photo

Berlins Kultur- und Finanzsenator Stefan Evers (CDU) hat eindringlich davor gewarnt, im Kampf gegen Judenhass Kompromisse einzugehen. Bei der Premiere des Dokumentarfilms »Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf« in den Hackeschen Höfen am Sonntagabend betonte der Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Wahl zum Abgeordnetenhaus, ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Lebensentwürfe entstehe nicht von selbst, sondern erfordere klare Regeln und Verbindlichkeit. Der »Tagesspiegel« berichtete.

Jüdinnen und Juden müssten in der Hauptstadt offen und angstfrei leben können, so Evers weiter. Niemand solle sich rechtfertigen müssen, weil er eine Kippa trage, einen Davidstern zeige oder eine Synagoge besuche. Wörtlich sagte der Senator: »Wer jüdisches Leben bedroht, greift unsere Stadt an.«

Der Staat stehe deshalb in der Pflicht, jüdisches Leben konsequent zu schützen. Falsch verstandene Rücksichtnahme auf mutmaßliche Täter dürfe es dabei ebenso wenig geben wie ein Wegsehen aus politischem Kalkül.

Links oder rechts

Bereits vor der Filmpremiere hatte Evers scharfe Kritik an der Linkspartei geübt. Innerhalb des Neuköllner Verbands der Partei gebe es ein Antisemitismusproblem, das nicht länger geleugnet werden könne. Er formulierte eine klare Warnung: »Deshalb dürfen wir niemals wieder zulassen, dass Antisemiten politische Macht bekommen. Nicht von rechts. Nicht von links.«

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Bezeichnend war zudem Evers’ Abwesenheit bei einer Diskussionsrunde in der Moschee der »Neuköllner Begegnungsstätte«, an der die übrigen eingeladenen Spitzenkandidaten teilnahmen. Dem Trägerverein der Einrichtung wird von Kritikern eine Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt, die eine Gesellschaft nach den Regeln der Scharia anstrebe.

Sicherheitsbehörden müssten personell, rechtlich und technisch in der Lage sein, antisemitische Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, forderte der Senator laut »Tagesspiegel«. Dabei dürfe keine Rolle spielen, aus welchem politischen oder religiösen Milieu die Täter stammten – ob von rechts, von links, aus islamistischen Kreisen oder aus der gesellschaftlichen Mitte.

Friedländer und Deutschkron

Der im Zentrum des Films stehende Albrecht Weinberg hatte den Holocaust überlebt und war nach seiner Flucht in die USA erst sechzig Jahre später nach Ostfriesland zurückgekehrt. In Leer verbrachte er, gemeinsam mit seiner Pflegerin, seine letzten Lebensjahre – das Paar wurde als »Deutschlands älteste Wohngemeinschaft« bekannt. Weinberg starb im Mai 2026 im Alter von 101 Jahren.

Evers erinnerte daran, dass mit dem Tod Weinbergs eine ganze Generation von Zeitzeugen verschwinde – nach Inge Deutschkron, Esther Bejarano und Margot Friedländer. Künftig werde niemand mehr aus eigenem Erleben in Klassenzimmern berichten können. Diese Aufgabe müssten dann Gedenkstätten, Schulen, Museen, Literatur und Filme übernehmen. Erinnerungskultur bedeute auch, sich der Frage zu stellen, wie ein gutes Zusammenleben heute aussehen könne. im

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