NS-Raubkunst

Foto von 1933 klärt Raubkunst-Verdacht in Nationalmuseum

Das Bayerische Nationalmuseum in München Foto: picture alliance / Visually

Zwei Reliefs aus dem späten 15. Jahrhundert werden vom Bayerischen Nationalmuseum als NS-Raubkunst an die Erben des prominenten jüdischen Berliner Bankiers Jakob Goldschmidt zurückgegeben. Sie erzählten nicht nur von der Meisterschaft spätmittelalterlicher Kunst, sondern auch vom Schicksal Goldschmidts und seiner bedeutenden Sammlung, sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). Einen wichtigen Hinweis brachte ein privates Foto von 1933, wie das Museum der Deutschen Presse-Agentur in München mitteilte.

Die Reliefs entstanden nach Museumsangaben in den Jahren um 1480 und 1490 und zeigen eine Stifterfamilie aus Nürnberg. 2023 seien sie als Teil der Sammlung Bollert aus dem Nachlass des Berliner Justizrats Gerhart Bollert ins Nationalmuseum gelangt.

Kunst in nobler Stadtvilla

Recherchen zur Provenienz ergaben, dass die Werke einst Jakob Goldschmidt (1882–1955) gehörten, laut Museum einer der bedeutendsten Bankiers der Weimarer Republik. Den Beweis dafür liefert ein Foto aus seiner Stadtvilla im exklusiven Berliner Tiergartenviertel, in der Nähe des heutigen Kulturforums. In einem üppig-eleganten Salon hängen die beiden Reliefs über einer Anrichte.

Goldschmidt sei persönlich haftender Gesellschafter der Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank) gewesen, sagte Matthias Weniger, Kunsthistoriker am Nationalmuseum. Nach dem Zusammenbruch der Bank 1931 im Zuge der Weltwirtschaftskrise hätten sich antisemitische Ressentiments und Angriffe deutlich verschärft. Zudem hatte Goldschmidt durch den Bankencrash viele Millionen Reichsmark Schulden, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im Internet schreibt.

Flucht nach Überfall

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurde es immer schwieriger – und gefährlich. Nach einem Überfall von Anhängern Adolf Hitlers auf seinen Bruder Louis sei er sofort nach Erhalt der Nachricht geflohen, erst in die Schweiz, 1936 dann weiter nach New York, so die SPK.

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Seinen gesamten Besitz ließ er in Deutschland zurück, darunter seine Sammlung mit Werken berühmter Künstler wie Paul Cézanne, Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir oder Jan Davidsz. de Heem. Zudem sei eine »Reichsfluchtsteuer« in Höhe von 1,8 Millionen Reichsmark festgesetzt worden, schreibt die SPK. 1941 zogen die Nationalsozialisten sein verbliebenes Vermögen ein.

Fünf Jahre zuvor (1936) ließ Goldschmidt allerdings noch einen Großteil seiner Kunstsammlung beim Auktionshaus Helbing in Frankfurt am Main versteigern. Dort habe der Berliner Justizrat Gerhart Bollert (1870-1947) die beiden Reliefs erworben, sagte Weniger. Bollert wurde dem Kunsthistoriker zufolge später selbst von den Nazis unter Druck gesetzt, auch weil er mit einer jüdischen Frau verheiratet war.

»Ungeachtet dessen wäre der Erwerb der Reliefs ohne die nationalsozialistische Verfolgung Jakob Goldschmidts nicht zustande gekommen«, befand das Nationalmuseum. »Der Verlust der Werke ist daher als NS-verfolgungsbedingt im Sinne der Washingtoner Prinzipien zu bewerten.«

Schon einige Rückgaben

Goldschmidts Erben haben mittlerweile einige geraubte Werke zurückerhalten, darunter zwei Skulpturen des Bayerischen Nationalmuseums und ein Gemälde aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Die Staatlichen Museen zu Berlin restituierten nach Angaben der SPK eine Holzfigur, die Albrecht Dürer zugeschrieben wird und welche die Skulpturensammlung 1938 erworben hatte. dpa

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