Hochschule

»Kritik an Israel ist möglich«

Michael Fürst Foto: dpa

Hochschule

»Kritik an Israel ist möglich«

Michael Fürst über Antisemitismusvorwürfe und die HAWK in Hildesheim

von Martin Krauss  15.08.2016 17:55 Uhr

Herr Fürst, in der Auseinandersetzung über ein Seminar der Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) wurden Sie jüngst um Problemlösung gebeten. Wie kam der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen zu dieser Aufgabe?
Ich bin seit 36 Jahren Vorsitzender des Landesverbandes. Da bleibt es nicht aus, dass mein Name bekannt ist und meine Stimme Gewicht hat. Von dem Vorgang an der HAWK hatte ich erst relativ spät erfahren. Als ich davon hörte, fragte ich sofort die Hochschule und das Wissenschaftsministerium, was da wirklich passiert war. Mein Eindruck war nämlich, dass man den Konflikt hätte eleganter lösen können.

Wie haben HAWK und Ministerium auf Ihre Anfrage reagiert?
Die Ministerin, Gabriele Heinen-Kljajic, hat mich sofort zu einem Gespräch eingeladen, an dem auch die HAWK-Präsidentin Christiane Dienel teilnahm. Mit mir kam Yazid Shammout, der Vorsitzende der palästinensischen Gemeinde in Hannover. Wir kennen uns schon sehr lange und sind befreundet. Die jüdische und die palästinensische Gemeinde kooperieren auch gut miteinander.

Mit welchem Ziel sind Sie und Herr Shammout zu dem Gespräch gegangen?
Salopp gesagt: Wir wollten die heiße Luft rauslassen. Inwieweit der Vorwurf des Antisemitismus berechtigt ist, können wir nicht sagen, weil wir beide nicht in dem Seminar waren. Herr Shammout hat mit der umstrittenen Dozentin, Frau Köhler, gesprochen. Er berichtete mir, sie sei in hohem Maße bestürzt, dass man ihr Antisemitismus vorwirft. Zugleich sei aber das Seminar, das sie angeboten hat, höchst einseitig gewesen – hart an der Grenze dessen, was man noch als legitime Kritik an Israel bezeichnen kann.

Die Seminarinhalte werden nun auch vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin geprüft.
Ja, und wenn das Gutachten da ist, werden wir uns wieder bei der Ministerin treffen und gemeinsam überlegen, wie es weitergeht. Unsere Überlegungen gehen in Richtung einer Ringvorlesung zum Nahostkonflikt. Da wird es völlig okay sein, wenn jemand einseitige Ansichten verbreitet.

Seitens der Hochschule wurde ja auch der Vorwurf erhoben, dass die Freiheit der Lehre infrage gestellt worden sei.
Dieser Vorwurf kam von der Fakultät, nicht von der Präsidentin der HAWK. Aber dass das Seminar, das da »Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina« angeboten wurde, in hohem Maße unwissenschaftlich war, daran besteht kein Zweifel.

Die Unwissenschaftlichkeit ist das Problem, nicht die Ausrichtung?
Meine Haltung ist: Kritik an Israel ist möglich und muss möglich sein, Antisemitismus darf es nicht geben. Nicht jede Kritik an Israel ist antisemitisch.

Mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen sprach Martin Krauß.

Iran-Krieg

Länder starten Evakuierungsflüge

Zehntausende Ausländer halten sich im Nahen Osten auf. Der Konflikt spitzt sich dort zu. Spanien, Großbritannien und Polen reagieren auf die angespannte Sicherheitslage mit Rückholaktionen

 03.03.2026

Bundestag

AfD-Fraktion wirft Jan Wenzel Schmidt raus

Die Debatte über Vetternwirtschaft in der AfD hat erste ernste personelle Konsequenzen: Die Bundestagsfraktion hat den Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt ausgeschlossen

 03.03.2026

Skopje

NATO-Chef Rutte befürwortet Angriffe auf Iran

Mark Rutte ist deutlich: Der Iran als »Exporteur von Chaos« bedroht laut ihm nicht nur Israel. Auch zur Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hat er eine klare Meinung

 03.03.2026

Nahost

Mehrere Verletzte bei neuen Raketenangriffen auf Israel

Wegen iranischer Raketen müssen zahlreiche Menschen in Israel erneut Schutz suchen. Durch herabgefallene Raketen- und Trümmerteile gibt es Schäden - und Verletzte

 03.03.2026

Berlin

CSU-Landesgruppenchef: »Alles besser als dieses Regime«

Gegen den israelisch-amerikanischen Iran-Krieg werden auch viele Einwände wegen einer fehlenden völkerrechtlichen Grundlage laut. Von der CSU kommt Widerspruch

 03.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Israel greift Gremium zur Wahl von Chamenei-Nachfolger an

In dem angegriffenen Gebäude in der Stadt Qom sollen sich ranghohe Geistliche zur Beratung versammelt haben. Unklar ist bisher, wer genau vor Ort war

 03.03.2026

Ehrung

Bundesfamilienministerin Prien erhält Israel-Jacobson-Preis

Der Israel-Jacobson-Preis zeichnet alle zwei Jahre Menschen aus, die sich besonders um die Stärkung jüdischen Lebens in Deutschland verdient machen. Jetzt wird Bundesfamilienministerin Karin Prien damit ausgezeichnet

 03.03.2026

Nahost

Iran-Krieg: Wer greift wo an und warum?

Raketenalarm, Explosionen, Brände, abgestürzte Militärjets: Seit Beginn des Krieges gegen den Iran überschlagen sich in vielen Ländern im Nahen Osten die Ereignisse. Ein Überblick

von Johannes Sadek, Arne Bänsch, Cindy Riechau  03.03.2026

Washington D.C.

Trump greift erneut früheres Iran-Atomabkommen scharf an

Der US-Präsident bezeichnet die Vereinbarung als »gefährlich« und verteidigt seinen Ausstieg. Das Abkommen habe Teheran einen »legitimen Weg« zur Bombe eröffnet, sagt er

 03.03.2026