Berlin

Kerzen, Gebete und Warnungen - und Gedenken an Terroropfer

Zeichen der Solidarität: Am Abend wurde die Flagge Israels auf das Brandenburger Tor projiziert Foto: picture alliance/dpa

Kerzen werden entzündet, Menschen nehmen sich in die Arme, es fließen Tränen: Zum dritten Jahrestag des Terrorangriffs der islamistischen Hamas auf Israel haben vielerorts in Berlin Menschen der Opfer gedacht. Zum zentralen Gedenken auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte versammelten sich Hunderte Menschen, darunter Politikerinnen und Politiker und Prominente wie die Schauspielerinnen Iris Berben und Andrea Sawatzki. Auch der Bundeskanzler und die Bundestagspräsidentin riefen zum Kampf gegen Antisemitismus auf.

Rund 1700 kamen zur zentralen Gedenkveranstaltung auf dem BebelplatzFoto: picture alliance / Chris Emil Janßen

Neben dem israelischen Botschafter Ron Prosor sprach Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Der CSU-Politiker rief zu einem entschlossenen Vorgehen gegen Antisemitismus auf: »Jeder einzelne antisemitische Angriff, meine Damen und Herren, ist für mich ein zusätzlicher Auftrag, weiter offensiv Partei zu ergreifen: für Jüdinnen und Juden in Deutschland, für den Staat Israel«, sagte Dobrindt auf dem Bebelplatz.

Auch die pro-israelische Aktivistin Melody Sucharewitz, die auf dem Bebelplatz mehrere Demonstrationen für die Freilassung der Geiseln organisiert hatte, sprach bei der Gedenkveranstaltung. »Wenn ich heute auf diesen Platz schaue, kommen viele Bilder zurück. Schmerzhafte Bilder. Aber auch Bilder, die Hoffnung geben«, so Sucharewitz.

Die Aktivistin zog Parallelen zwischen dem modernen Antisemitismus auf den Straßen Berlins, der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten und den Massakern vom 7. Oktober. »Noch während die Terroristen ihr Massaker in Israel verübten, wurde auf der Berliner Sonnenallee Baklava verteilt, um den Blutrausch der Hamas zu feiern. Hier am Geiselplatz wurden Angehörige beschimpft. Bilder entführter Babys wurden abgerissen und mit Hamas-Symbolen beschmiert. Mitten in Berlin. Und genau deshalb war es mir so wichtig, diesen Geiselplatz ausgerechnet hier zu errichten. Auf diesem Platz verbrannten die Nationalsozialisten 1933 Bücher jüdischer Autoren. Und hier stellten wir die verbrannten Bücher von Carmel Gat auf, geborgen aus dem zerstörten Haus ihrer Familie im Kibbuz Be’eri.«

Nach Angaben eines Polizeisprechers versammelten sich rund 1700 Menschen auf dem Platz an der Humboldt-Universität, dem Ort der Bücherverbrennung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Stadtweit gab es am dritten Jahrestag des Terrorangriffs zahlreiche weitere kleinere Gedenkveranstaltungen.

Auf das Brandenburger Tor wurde am Abend die Fahne Israels projiziert - für einige Stunden.

Klöckner: Antisemitismus darf keinen Platz haben

Bundestagspräsidentin Klöckner rief zu Beginn einer Sitzung des Parlaments zum Kampf gegen Antisemitismus auf. »Jüdinnen und Juden müssen in unserem Land frei und sicher leben können«, sagte die CDU-Politikerin. »Das ist selbstverständlich, sollte selbstverständlich sein.« Antisemitismus dürfe keinen Platz haben auf den Straßen, ebenso wenig wie in politischen Debatten. »Aber leider, sind wir ehrlich, ist doch die Realität anders, erschreckend anders«, sagte Klöckner. Ob rechtsextrem, linksextrem oder islamistisch begründet, Extremisten wollten, dass wir uns an die Stigmatisierung von Juden gewöhnten. Der Bundestag befasste sich in einer Debatte mit dem 7. Oktober und dem Schutz jüdischen Lebens in Deutschland.

Kanzler Friedrich Merz betonte zum Jahrestag Deutschlands Unterstützung für Israel. »Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt«, sagte der CDU-Vorsitzende. »Wir stehen für die Sicherheit und Existenz Israels ein - das ist Lehre aus der Schoah und Teil deutscher Identität.«

Es müsse nun darum gehen, ein Fundament für eine neue Ordnung zu legen, in der Israelis, Palästinenser und ihre Nachbarn in Frieden und Sicherheit leben können. »Unserer Überzeugung nach ist dieses Ziel am besten durch die Gründung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels zu erreichen«, sagte Merz.

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Leere Stühle erinnern an Opfer

Auch die Spitzen der Landesverbände von Linke, Grünen und SPD gedachten am Brandenburger Tor der Opfer des Terrorangriffs. Sie besuchten gemeinsam eine Gedenk-Installation der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD): 500 leere Stühle stehen an Tischen, auf denen Fotos der Opfer des 7. Oktobers 2023 zu sehen sind.

Ein riesiges Plakat mit der Aufschrift »Kein Vegeben, kein Vergessen« sowie leere Stühle und Tische mit Fotos der Opfer des Terrorangriffs der Hamas auf Israel stehen vor dem Brandenburger TorFoto: picture alliance/dpa

Am Abend wurde in einem religionsübergreifenden Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz nahe dem Ku’damm der Opfer gedacht. Der evangelische Bischof Christian Stäblein sprach vom »hasserfüllten Foltern und Morden der Hamas« und sagte: »Lasst uns miteinander dieses Eine heute hier versprechen: Dass wir in dieser Stadt und in diesem Land gegen Antisemitismus kämpfen, zusammen.«

Greta Thunberg bei israelfeindlicher Demonstration

Angekündigt waren auch zwei antiisraelische und propalästinensische Veranstaltungen, die sich gegen den Krieg Israels in Gaza mit Tausenden Toten richten. Am Nachmittag versammelten sich nach Polizeiangaben rund 70 Menschen nahe dem Checkpoint Charlie zu einer Demonstration. Die Polizei war mit zahlreichen Kräften bei der Kundgebung.

Am Abend demonstrierten einige hundert Menschen in Berlin-Kreuzberg für Palästina und gegen den Krieg im Gazastreifen. Die überwiegend jungen Frauen und Männer versammelten sich auf dem Oranienplatz und zeigten palästinensische Fahnen und Transparente. Es gab laut Polizei mehrere Festnahmen wegen des Verwendens verbotener Kennzeichen wie etwa von Symbolen der Terrororganisation Hamas.

Greta Thunberg am Mittwochabend bei einer israelfeindlichen Demo in BerlinFoto: picture alliance/dpa

In Sprechchören riefen sie: »Viva, viva Palästina« oder »There ist only one solution. Intifada Revolution« (Deutsch: Es gibt nur eine Lösung. Intifada Revolution.). Auf einem großen Plakat stand »One genocide does not justify another« (Deutsch: Ein Genozid rechtfertigt nicht den anderen). Die Polizei begleitete den Zug an allen Seiten. Polizeisprecher Florian Nath sprach zunächst von 700 Teilnehmern. Unter den Demonstrierenden war auch die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg.

Insgesamt begleiten rund 1.100 Beamtinnen und Beamte die verschiedenen Veranstaltungen in der Stadt, wie der Polizeisprecher sagte. dpa/ja

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