Ein wunderschönes Haus, architektonisch beeindruckend, mit viel Tageslicht und einladenden Räumen: Die Jüdische Akademie an der Senckenberganlage in Frankfurt am Main ist ein Prachtstück geworden. Natürlich hatte das seinen Preis: 40 Millionen Euro betrug die Summe für das Projekt, die Kosten waren – wie auch bei anderen Bauvorhaben – unerwartet gestiegen. Bei der Eröffnung herrschte eine gelöste Stimmung unter den Festgästen, und doch ist erst der Anfang gemacht.
Denn immer noch fragen sich manche auch 13 Jahre, nachdem die Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden als Wegbereiterin gegründet wurde: Was ist das eigentlich, die Jüdische Akademie?
Spätestens nach dem 7. Oktober 2023 wurde allerdings klar, dass wir genau so ein Haus brauchen – eines, das ein sicherer Rückzugsraum für innerjüdische Debatten sein kann. Aber auch eines, das den Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft sucht, an einem prominenten Ort in der Stadt, ein Zeichen des Selbstbewusstseins einer jüdischen Gemeinschaft, die unter wachsendem Druck steht, auch weil die politischen Ränder der Parteienlandschaft auf der rechten und linken Seite derzeit Land gewinnen.
Spätestens nach dem 7. Oktober 2023 wurde klar, dass wir genau so ein Haus brauchen.
Machen wir uns nichts vor: Natürlich wird hinter vorgehaltener Hand darüber getuschelt, wie viel Geld »die Juden« für diesen Bau erhalten hätten. Und wiegen wir uns nicht in Sicherheit, weil die politische Elite des Landes in Reden immer noch gegen Antisemitismus Position bezieht – Frank-Walter Steinmeier wurde in Bezug auf die Koalitionsgespräche mit der Partei »Die Linke« in Berlin übrigens so deutlich, wie ein Bundespräsident nur sein kann.
Nichts bleibt, wie es ist. Auch deswegen fängt die Arbeit erst jetzt wirklich an. Die Jüdische Akademie muss ein Ort werden, an dem alle Jüdinnen und Juden sich zu Hause fühlen. Das wunderschöne Gebäudeensemble an der Senckenberganlage ist kein Selbstzweck. Dass fünf Programmleiterinnen und -leiter die Inhalte mitprägen sollen, ist ein gutes Zeichen. Shkoyach für die Jüdische Akademie – und viel Glück für die Zukunft!
goldmann@juedische-allgemeine.de