Meinung

Her mit den Inhalten!

Ayala Goldmann Foto: Chris Hartung

Ein wunderschönes Haus, architektonisch beeindruckend, mit viel Tageslicht und einladenden Räumen: Die Jüdische Akademie an der Senckenberganlage in Frankfurt am Main ist ein Prachtstück geworden. Natürlich hatte das seinen Preis: 40 Millionen Euro betrug die Summe für das Projekt, die Kosten waren – wie auch bei anderen Bauvorhaben – unerwartet gestiegen. Bei der Eröffnung herrschte eine gelöste Stimmung unter den Festgästen, und doch ist erst der Anfang gemacht.

Denn immer noch fragen sich manche auch 13 Jahre, nachdem die Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden als Wegbereiterin gegründet wurde: Was ist das eigentlich, die Jüdische Akademie?

Spätestens nach dem 7. Oktober 2023 wurde allerdings klar, dass wir genau so ein Haus brauchen – eines, das ein sicherer Rückzugsraum für innerjüdische Debatten sein kann. Aber auch eines, das den Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft sucht, an einem prominenten Ort in der Stadt, ein Zeichen des Selbstbewusstseins einer jüdischen Gemeinschaft, die unter wachsendem Druck steht, auch weil die politischen Ränder der Parteienlandschaft auf der rechten und linken Seite derzeit Land gewinnen.

Spätestens nach dem 7. Oktober 2023 wurde klar, dass wir genau so ein Haus brauchen.

Machen wir uns nichts vor: Natürlich wird hinter vorgehaltener Hand darüber getuschelt, wie viel Geld »die Juden« für diesen Bau erhalten hätten. Und wiegen wir uns nicht in Sicherheit, weil die politische Elite des Landes in Reden immer noch gegen Antisemitismus Position bezieht – Frank-Walter Steinmeier wurde in Bezug auf die Koalitionsgespräche mit der Partei »Die Linke« in Berlin übrigens so deutlich, wie ein Bundespräsident nur sein kann.

Lesen Sie auch

Nichts bleibt, wie es ist. Auch deswegen fängt die Arbeit erst jetzt wirklich an. Die Jüdische Akademie muss ein Ort werden, an dem alle Jüdinnen und Juden sich zu Hause fühlen. Das wunderschöne Gebäude­ensemble an der Senckenberganlage ist kein Selbstzweck. Dass fünf Programmleiterinnen und -leiter die Inhalte mitprägen sollen, ist ein gutes Zeichen. Shkoyach für die Jüdische Akademie – und viel Glück für die Zukunft!

goldmann@juedische-allgemeine.de

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

Midterm-Wahlen

Iran erfreut über Trumps Wahlniederlage

Nach der Wahlniederlage der Republikaner in den USA meldet sich die iranische Spitze. Auch vom obersten Führer Modschtaba Chamenei werden Worte veröffentlicht

 04.11.2026

Sachsen-Anhalt

Linke überlegt, Gegenkandidatin gegen Ulrich Siegmund aufstellen

Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will im Dezember Ministerpräsident werden, doch ihm fehlen drei Stimmen für eine Mehrheit. Die Linke prüft, ob sie eine eigene Kandidatin ins Rennen schickt.

 04.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Midterm-Wahlen

Israels Opposition hofft auf Neustart der Beziehungen zu Amerika

Israels oppositionelle Demokraten freuen sich über den Wahlsieg ihrer US-Parteifreunde und hoffen auf eine künftige Verbesserung der zuletzt angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern

 04.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Persischer Golf

Bericht: Vier Tanker in Straße von Hormus durch Minen zerstört

Die für den weltweiten Energiehandel wichtige Meerenge ist für Schiffe weiterhin gefährlich. Erneut trifft es dort Tanker - und die Umwelt

 04.11.2026

Meinung

Antizionisten als Königsmacher?

Die arabischen Parteien könnten Gadi Eisenkot zu Israels Regierungschef machen. Doch es gibt gewichtige Gründe, die gegen eine Koalition sprechen

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Kommentar

Amerikas Israel-Bild hat sich gedreht

Während die Demokraten immer antizionistischer werden, wenden sich auch die Republikaner von der bedingungslosen Unterstützung Israels ab. Das stellt jüdische Wähler und Politiker vor neue Herausforderungen

von Toby Axelrod  04.11.2026

Israel nach der Wahl

Wahlprüfung in Israel abgeschlossen - Streit geht weiter

Das Wahlkomitee in Israel sieht keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten mit Folgen für das Ergebnis. Dennoch spitzt sich der Streit zwischen der bisherigen Regierung und der Opposition gefährlich zu

 04.11.2026