Teheran/Washington

Kann die US-Seeblockade den Iran in die Knie zwingen?

Der amerikanische Zerstörer USS Michael Murphy ist an der Durchsetzung der Blockade gegen den Iran beteiligt. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Mit einem dritten Flugzeugträger im Nahen Osten verstärken die USA ihre Seestreitkräfte vor dem Iran. Damit erhöht US-Präsident Donald Trump in der verlängerten Waffenruhe die Feuerkraft seines Militärs für einen potenziellen Schlag gegen den Iran. Auch die US-Seeblockade stärkt er auf diese Weise. Denn die soll den Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen. Aber geht das? Was soll die Seeblockade bewirken?

Offiziell heißt es, dass die USA mit der Seeblockade Schiffe stoppen wollen, die einen iranischen Hafen ansteuern oder von einem solchen ablegen. Damit sollen Teheran wichtige Einnahmen aus dem Ölexport genommen werden. Trump hat die Streitkräfte auch angewiesen, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an Iran gezahlt haben.

In der Praxis bedeutet das, dass Soldaten der US-Marine diese Schiffe beobachten, eskortieren oder abfangen und wenn nötig auch an Bord gehen – so wie zuletzt auf der »Majestic X«. Brisant dabei war, dass sich der Vorfall vor der südlichen Küste Sri Lankas ereignete, also weit weg von der Straße von Hormus, um die es im Wesentlichen geht.

Wie steht der Iran wirtschaftlich da?

Trump dürfte es auch um die Hoheit über die wichtige Meerenge gehen. Aus seiner Sicht ist es inakzeptabel, dass Teheran dort den Ton vorgibt und entscheidet, welche Schiffe durchfahren dürfen. Zudem will er damit den Druck auf Teheran erhöhen und die iranische Führung an den Verhandlungstisch bewegen.

Schon vor Beginn des Kriegs befanden sich Iranerinnen und Iraner in einer schweren Wirtschaftskrise. Der ökonomische Druck löste Ende Dezember neue Massenproteste aus, die Irans Sicherheitsapparat brutal niederschlug. Der Krieg wurde für die Gesellschaft zur zusätzlichen Belastungsprobe. In den Metropolen berichten Einwohner von explodierenden Preisen und wachsender Hoffnungslosigkeit.

Der Iran zählt als großer Öl- und Gasproduzent mit China als Hauptabnehmer. Das US-Sanktionsregime gegen das Land macht Verkäufe zu Marktpreisen allerdings schwer. Während der aktiven Kampfhandlungen hatte das israelische Militär das wichtige »South Pars«-Gasfeld im Persischen Golf, petrochemische Anlagen und Stahlwerke angegriffen. 

Drohende wirtschaftliche Katastrophe

»Insider im Iran warnen vor einer drohenden wirtschaftlichen Katastrophe, sollte Washington keine Sanktionserleichterungen gewähren, die Perspektiven für eine wirtschaftliche Erholung eröffnen würden«, sagte Burcu Ozcelik vom Londoner Thinktank Royal United Services Institute der Zeitung »Wall Street Journal«. 

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Offizielle Daten aus dem Iran zum Einfluss der US-Blockade gibt es kaum. Zentral ist jedoch Teherans Verlust von Einnahmen aus dem Ölgeschäft. »Im Vergleich zur Zahl der Schiffe, die vor der Blockade die Meerenge passierten – etwa sechs oder sieben Schiffe pro Tag –, ist das Volumen deutlich zurückgegangen«, sagte Rosemary Kelanic, Leiterin des Nahost-Programms der Washingtoner Denkfabrik »Defense Priorities« im Gespräch mit dem Sender Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL).

Doch die Anzahl der Schiffe ist nur ein Teil der Rechnung: Wenn der Iran sein Öl nicht mehr verkaufen kann, drohen Speicher vollzulaufen. Wenn deswegen Erdölbohrlöcher geschlossen werden müssten, können diese langfristig beschädigt werden. Darauf spielte auch US-Finanzminister Scott Bessent in einem Beitrag auf X an: Die Blockade werde zu einem sogenannten »shut in« der iranischen Ölanlagen führen und die Seeblockade die Einnahmen Teherans ins Visier nehmen.

Ökonomischer Druck

Eine aktuelle Analyse des Datenanbieters Kpler schätzt, dass noch etwa zehn Tage Zeit bleiben, bis iranische Ölspeicher voll sind. Auf den Hauptabnehmer iranischen Öls, China, habe die US-Seeblockade mittelfristig kaum Auswirkungen, schreibt der Datenanbieter Vortexa: Ein Großteil der Liefermengen sei bereits außerhalb der Seeblockade zu Kunden unterwegs.

Irans Erdölindustrie könnte durch die Seeblockade in Bedrängnis geraten. Auch die mächtigen Revolutionsgarden des Landes ziehen Einnahmen aus dem Sektor. Jedoch führten die massiven Einnahmeausfälle in den vergangenen Jahren, beispielsweise nachdem US-Präsident Trump während seiner ersten Amtszeit Sanktionen gegen den Iran verschärft hatte, zu keinem Umdenken in Teheran.

»Wirtschaftlicher Druck allein wird den Iran nicht zu Zugeständnissen bewegen, die er nicht bereits unter militärischem Druck gemacht hat«, sagte Hamidreza Azizi, derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit, dem Sender RFE/RL.

Für Alan Eyre vom Middle East Institute in Washington ist die iranische Sperrung der Meeresenge von Hormus daher ein gegenläufiges Spiel zur US-Blockade iranischer Häfen. »Das Problem ist: Es gibt zwei Zeitachsen. Und die Zeitachse, auf der Irans Blockade der Straße von Hormus Schmerzen verursacht, verläuft viel schneller als die der US-Seeblockade. Außerdem kann der Iran mehr Druck aushalten. Der Iran steht nicht vor einem Wahljahr«, sagte er dem US-Sender PBS.

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