Kunstwelt

»100 Euro für einen Picasso«

Ari Hodara Foto: privat

Herr Hodara, wie kauft man zwei Tombola-Lose – und wird Besitzer eines Picasso-Bildes?
Das war völlig spontan. Ich hatte Wochen zuvor zufällig im Fernsehen von einer Aktion gehört: »100 Euro für einen Picasso«. Das blieb irgendwo hängen, ohne dass ich es weiterverfolgt habe. In diesem TV-Beitrag wurde erklärt, dass die Tombola mit einem guten Zweck verbunden war: Alzheimer-Forschung. Die Kombination aus Kunst und Sinnhaftigkeit hat mich überzeugt. Also habe ich kurz vor dem Schlafengehen einfach zwei Lose gekauft.

Haben Sie ernsthaft damit gerechnet, zum Zug zu kommen?
Nein, überhaupt nicht. Für mich war das eher wie eine Spende. Ich habe das gemacht, um die Sache zu unterstützen – und, ehrlich gesagt, danach komplett vergessen, dass ich überhaupt teilgenommen hatte. Ich wusste nicht einmal mehr, wann die Ziehung stattfinden würde.

Wie haben Sie vom Gewinn erfahren?
Ich wurde persönlich von Péri Cochin, der Initiatorin des Projekts und Moderatorin der Auslosung, angerufen – völlig unerwartet. Zunächst habe ich gedacht, das sei ein Scherz. Erst als mir per Video alles gezeigt wurde, habe ich verstanden, dass es real ist.

Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?
Es war ein Schockmoment – im positiven Sinne. Dann kam eine sehr starke emotionale Reaktion. Interessanterweise habe ich in diesem Moment gar nicht an den finanziellen Wert gedacht, sondern an die Bedeutung des Werkes. Für jemanden, der Kunst liebt, ist es etwas Unglaubliches, plötzlich Besitzer eines Picasso zu sein.

Was bedeutet es, ein Gemälde von Pablo Picasso zu besitzen?
Aus Sicherheitsgründen bleibt das Bild zunächst in einem Tresor bei Christie’s in Paris. Aber Pablo Picasso war nicht irgendein Künstler, er ist Geschichte. Das Gemälde, das den Titel »Kopf einer Frau« trägt, ist ein Werk von 1941. Es entstand also mitten im Krieg. Die Farbgebung – vor allem Grau- und Schwarztöne, die an Picassos »Guernica« erinnern – spiegelt diese düstere Epoche wider. Picasso galt als »entarteter« Künstler. Mit einem Mal wurde mir bewusst, wie stark dieses Bild historisch aufgeladen ist. Ich hätte nie gedacht, dass ein solches Gemälde eines Tages mir gehören würde.

Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf den Gewinn reagiert?
Meine Familie war natürlich sehr überrascht und auch sehr glücklich. Besonders erstaunt war ich über die internationale Resonanz. Ich habe Nachrichten aus der ganzen Welt erhalten – aus Israel, von Kanada bis Australien, von Freunden, Bekannten, aber auch von Menschen, mit denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Die Geschichte hat sich unglaublich schnell verbreitet. Das hätte ich nie erwartet.

Mit dem Software-Ingenieur und neuen Picasso-Besitzer sprach Nicole Dreyfus.

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