Meinung

Käßmanns Geschichte

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Muss man Bischöfin Käßmann und andere Würden- oder Amtsträger an diesen neutestamentlichen Satz (Lukas 23,34) erinnern? Dass es für das Christentum keinen «gerechten Krieg» gibt, ist eher eine Erfindung der EKD-Ratsvorsitzenden als eine auf Kenntnissen fußende Erkenntnis. Auch das ist neu: Eine absolut integre deutsche Top-Persönlichkeit spricht den von Hitler angegriffenen und der Vernichtung ausgesetzten Völkern die Berechtigung ab, sich dem Angriffskrieg Hitlers widersetzt, den Frieden, das Ende des Holocausts durchgesetzt zu haben. Versteht Frau Käßmann nicht, dass sie damit Hitlers Vorgehen rechtfertigt? Versteht sie nicht, dass sie die bisher am Rand der Gesellschaft operierenden «Revisionisten» in die Mitte der Gesellschaft führt? Versteht Frau Käßmann nicht, dass sie den Gründungskonsens der Welt- und Wertordnung nach 1945 verwirft? Weiß sie nicht, dass die Westmächte bis zur Selbstgefährdung und Selbstaufgabe Hitler entgegenkamen und durch dieses «Appeasement» seine Fähigkeit zu Krieg und Vernichtung verstärkten? «Umkehr» kennen Christentum und Judentum. Kehren Sie um, Bischöfin Käßmann!

Der Autor lehrt Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München.

Entscheidung

Bundesverfassungsgericht stoppt Reiche-Video über Kritik an Linken

Die Linke hat mit einer Klage gegen die Bundeswirtschaftsministerin zumindest vorläufig Erfolg gehabt: Katherina Reiche muss bis zu einer endgültigen Entscheidung einen Instagram-Post löschen, in dem sie der Partei Antisemitismus vorwirft

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

Berlin

Trotz vieler Hürden: Berliner Parteien sondieren weiter

»Kommunikationsdesaster« oder heilsamer Weckruf? Nach dem Streit um das Vorgehen gegen Antisemitismus sprechen Linke, Grüne und SPD weiter über eine Regierung. Aber es bleibt schwierig

von Andreas Heimann, Torsten Holtz  15.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Nach Eklat von Halle

Polizei ermittelt gegen jüdische Studenten

Aktivisten der Jüdischen Studierenden Union hatten sich dem rechtsextremen AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt, als dieser an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Anschlags teilnehmen wollte. Das hat ein juristisches Nachspiel

 15.10.2026

Rechtsterrorismus

Zwickau gedenkt NSU-Opfern

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Zuletzt lebte die Terrorzelle in Zwickau. Die Stadt gedenkt der Terroropfer

 15.10.2026

Hamburg

Attentate auf Josef Schuster und Volker Beck geplant: Iranische Spione müssen ins Gefängnis

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und proisraelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Das Oberlandesgericht hat sie deshalb nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

von Nils Kottmann  15.10.2026 Aktualisiert

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026