Berlin

Kabinettsausschuss tagt gegen Rassismus

Nach dem Anschlag in Hanau: Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin (25. Februar 2020) Foto: imago images/Jürgen Heinrich

Der Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus kommt am Mittwoch erstmals zusammen. Es sei das erste Mal, dass sich ein Ausschuss explizit mit diesem Thema beschäftige, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU), in einem Interview der »Süddeutschen Zeitung« (Dienstag).

Die Koalition hatte sich Anfang März unter anderem nach den Anschlägen in Halle und Hanau auf die Einsetzung eines solchen Ausschusses verständigt. Den Vorsitz übernahm Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Weitere Mitglieder sind unter anderem Außenminister Heiko Maas, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (alle SPD) sowie die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Widmann-Mauz (beide CDU).

Widmann-Mauz kritisierte, dass die Politik zum Thema Rassismus zu lange geschwiegen habe. Es reiche nicht, rechtsextremistische Ausschreitungen und Gewaltexzesse anzusprechen. »Wir müssen den ideologischen Nährboden für diese Straftaten austrocknen.« Sie sagte, dass es Rassismus auch in Bereichen des Staates gebe. Das betreffe nicht nur Sicherheitsbehörden, sondern alle Behörden, Schulen, die Bundeswehr und die Politik.

BEDROHUNGSLAGE Maximilian Kall, Sprecher des Bundesjustizministeriums, verwies auf ein Gesetzespaket zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität, das derzeit im Bundestag beraten werde. Insgesamt gebe es eine »unverändert hohe Bedrohungslage durch Rechtsterrorismus«. In der Corona-Krise hätten sich durchmischte Szenen gebildet, in denen Verschwörungstheorien kursierten. Sie zeichneten sich vielfach durch eine massive Israelfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Hass gegenüber Asiaten aus. Kall äußerte sich bei einer Videokonferenz, die vom Mediendienst Integration veranstaltet wurde.

Der Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, forderte mehr Engagement zur Bekämpfung von Rechtsextremismus. Die Ideologie vieler Rechtsextremisten richte sich inzwischen nicht mehr nur gegen Muslime und Juden, sondern gegen die liberale Demokratie schlechthin. Er plädierte dafür, die Konzepte mit konkreten Zielen zu versehen. Eine Selbstverpflichtung könne lauten, die rechtsextreme Gewalt in den nächsten fünf Jahren um die Hälfte zu reduzieren.

»FEINDESLISTEN« Reinfrank forderte auch Strafbarkeit für das Veröffentlichen sogenannter Feindeslisten. Rechtsextremisten hatten mit solchen Listen, auf denen politische Gegner genannt würden, für Angst gesorgt. Reinfrank gehört zu den Autoren, die für den Mediendienst Integration Forderungen zusammengetragen haben, die an den Kabinettsausschuss gerichtet sind.

Ähnlich äußerte sich Co-Autorin Nadiye Ünsal vom Migrationsrat. Die rechtsextreme Szene wachse seit Jahrzehnten. Sie vermisse eine »ganzheitliche Herangehensweise« zur Bekämpfung. Dazu gehöre auch, die Opferseite stärker einzubeziehen. Täter würden oft als verwirrte Einzeltäter bezeichnet, sie seien aber in der Regel in Nazistrukturen vernetzt. kna

Kommentar

Berlin liebt dich nicht.

Niemand will Berlins alljährlichen Böllerkrieg. Außer die, die durchknallen, und die, die daran verdienen

von Sophie Albers Ben Chamo  01.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  01.01.2026

Terror

Warum?

Die nichtjüdische Deutsche Carolin Bohl wurde am 7. Oktober 2023 von der Hamas brutal ermordet. Hier nimmt ihre Mutter Abschied von der geliebten Tochter

von Sonja Bohl-Dencker  31.12.2025

Deutschland

Bildungszentrum von Yad Vashem soll Leerstelle füllen

Das in Deutschland geplante Bildungszentrum der Gedenkstätte Yad Vashem soll ein größeres Bild in den Dialog der Erinnerungskultur bringen

 31.12.2025

Rohstoffe

Wandel durch Handel

Der Erdgasdeal zwischen Israel und Ägypten hat auch eine sicherheitspolitische Dimension

von Sabine Brandes  31.12.2025

Arlington (Virginia)

USA genehmigen Milliardenauftrag: Neue F-15-Kampfjets für Israel

Der Vertrag umfasst die Entwicklung, Integration, Erprobung, Produktion und Lieferung von zunächst 25 neuen Maschinen

 30.12.2025

Meinung

Solidarität mit Somaliland

Sabine Brandes findet Israels Anerkennung der Demokratie am Horn von Afrika nicht nur verblüffend, sondern erfrischend

von Sabine Brandes  30.12.2025

Meinung

Für mich heißt Neujahr Nowy God

Das Neujahrsfest hat mit dem Judentum eigentlich nichts zu tun. Trotzdem habe ich warme Erinnerungen an diesen Feiertag

von Jan Feldmann  30.12.2025

London

Vorwurf gegen Facebook: Beiträge feiern Mord an Juden und bleiben online

»Die Beiträge, die den Anschlag von Bondi feiern, sind schlicht widerwärtig«, sagt Dave Rich von der jüdischen Organisation CST in England

 30.12.2025