Meinung

Jüdischkeit auf den ersten Blick

Manche von uns haben sich vorher nicht viel mit ihrer Religion beschäftigt, aber an der Kotel erfüllt uns ein ungewohntes und faszinierendes Gefühl. Das wird lange nachhallen.» Dieses Zitat stammt aus dem Reisetagebuch der Taglit-Gruppe, die der Landesverband Nordrhein mit Unterstützung der Jewish Agency im letzten Jahr organisiert hat. 40 junge jüdische Erwachsene sind zum ersten Mal in Israel und spüren nahezu greifbar, was es bedeutet, Teil des jüdischen Volkes zu sein. Was vormals bei einigen nur vage existierte, kommt während des Taglit-Programms ganz groß heraus: jüdische Identität.

Tausende von Juden aus Deutschland kamen in den letzten Jahren über das Taglit-Programm nach Israel, am Wochenende trafen sich rund 100 Taglit-Alumni in Düsseldorf und ließen ihre Zeit Revue passieren. Sie erinnerten sich an solche Momente: das erste Mal am heiligsten Ort des Judentums, das erste Mal Tefillin legen und dann auch noch dort.

Sightseeing Das sind Spuren, die diese Reise hinterlassen hat. Die Teilnehmer haben zwischendurch gar nicht bemerkt, was sie in ihnen bewirkt hat. Taglit ist so intensiv, dass man gar keine Zeit hat, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Besuche bei Beduinen, Drusen, eine Nacht in der Wüste, Sonnenaufgang auf Masada, Austausch mit jungen israelischen Soldaten.

Ein besonderes Ereignis war der Besuch in Yad Vaschem mit dem anschließenden Gang auf den Soldatenfriedhof auf dem Herzl-Berg. Die Teilnehmer konnten dort jeden uns begleitenden Soldaten an mehreren Gräbern stehend beobachten – weinend. Jeder Israeli hat mindestens einen geliebten Menschen zu betrauern. Das solches in der Theorie nur schwer zu vermitteln ist, dass man so etwas mit eigenen Augen sehen, mit seinen eigenen Sinnen erfahren muss, das hat Taglit bewiesen.

Auch für die gesamte jüdische Gemeinschaft Deutschlands ist Taglit eine Bereicherung ohne Vergleich: Die jungen Erwachsenen sind die Zukunft, wenn sie emotional und faktisch wissen, dass sie ein Teil des jüdischen Volkes sind, wenn sie eine Beziehung zum Staat Israel aufbauen und mit dem geweckten Interesse ihr Umfeld und sich selbst aufklären, kann nur Gutes entstehen. Wenn sie emotional so gefestigt in ihrem Judentum sind, dann bleiben sie der Gemeinschaft treu und engagieren sich für die jüdischen Gemeinden in Deutschland oder sonstwo auf der Welt.

Der Autor ist Jugendreferent im Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt muss Deutschland auch den nächsten Schritt gehen und ihre Absetzung beantragen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Diplomatie

Berichte: USA schicken weiteren Flugzeugträger nach Nahost

Der Schritt ist eine Drohung an das Regime im Iran, mit dem US-Präsident Donald Trump gerne ein Atom-Abkommen abschließen möchte

 13.02.2026

Berlin

Internationales Auschwitz Komitee fordert AfD-Verbotsverfahren

Eva Umlauf, die Präsidentin des Komitees sagt, die Partei müsse »endlich vor die Schranken des Bundesverfassungsgerichts« gebracht werden

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Ramallah

Scharia und Unterstützung für »Märtyrer«: PA veröffentlicht Verfassungsentwurf

In dem Entwurf, den Palästinenserpräsident Mahmud Abbas publizieren ließ, wird Jerusalem als »Hauptstadt des Staates Palästina« bezeichnet. Jüdische Bezüge werden im gesamten Text nicht erwähnt

 13.02.2026

München

Lauder fordert Abberufung von Francesca Albanese

Die UNO-Sonderberichterstatterin stehe für eine ideologische Agenda, die Verschwörungstheorien und spaltende, antisemitische Botschaften transportiere, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

von Imanuel Marcus  13.02.2026