Nordwesten

Jüdisches Museum für Hamburg?

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) spricht sich für die Gründung eines jüdischen Museums aus Foto: picture alliance/dpa

Die Liste der Baustellen in der Hamburger Museumslandschaft ist lang - und soll jetzt noch länger werden. Kultursenator Carsten Brosda befürwortet die Gründung eines jüdischen Museums. »Dass die zweitgrößte deutsche Stadt kein jüdisches Museum hat, halte ich für einen auf Sicht nicht guten Zustand«, sagt der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Diese Lücke in der Geschichtsschreibung hätte man nach seiner Ansicht schon vor Jahrzehnten schließen müssen.

Über das Projekt wird seit dem vergangenen Jahr diskutiert. Ausgangspunkt war die mehrjährige Schließung und Sanierung des Museums für Hamburgische Geschichte, das eine eigene Abteilung »Juden in Hamburg« hatte. Die wird es nach der geplanten Wiedereröffnung Ende 2028 nicht mehr geben. Stattdessen werde das jüdische Leben ein Themenstrang in der Ausstellung werden, sagt Brosda.

Wo das jüdische Museum entstehen könnte, ist offen. Anders als das Naturkundemuseum dürfte es kaum im Elbtower seinen Platz finden. Das sei in der Gesprächsrunde zur Örtlichkeit am vergangenen Donnerstag nicht vorgeschlagen worden, sagt Brosda und fügt hinzu: »Ich hielte das jetzt auch nicht für die glücklichste Idee, wenn ich das mal so sagen darf.« Zunächst müssten inhaltliche Fragen geklärt werden. »Dann findet man den dazu passenden Ort.«

Lesen Sie auch

Doch was soll das jüdische Museum eigentlich zeigen? Die vorhandenen Objekte aus ehemaligen Sammlungen jüdischer Kunstgegenstände und Schriften seien überschaubar, räumt der Senator ein. »Mir fallen jetzt spontan weniger Magneten im Sinne einzelner Objekte ein als beispielsweise einzelner Biografien, über die wir in Hamburg viel zu wenig wissen.«

Brosda nennt etwa den Reeder Albert Ballin, den Kaufmann Salomon Heine, Onkel des Dichters Heinrich Heine, den Kunsthistoriker Aby Warburg und den Philosophen Ernst Cassirer. »Es wird ein modernes Museum sein, das nicht in erster Linie davon lebt, dass man Vitrinen und Schaukästen vollstellt, sondern dass man sehr gezielt entlang von Exponaten Geschichten erzählen kann.«

Das sichtbarste Zeichen des Judentums in Hamburg, die Bornplatzsynagoge, wurde von den Nationalsozialisten im November 1938 in Brand gesteckt und im folgenden Jahr abgerissen. Das Gebäude soll wiederaufgebaut werden, der Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs ist zurzeit im Rathaus zu sehen.

»Wegmarken Jüdischer Geschichte«

Wann es in Hamburg ein jüdisches Museum geben wird, ist ungewiss. Angesichts der zahlreichen Museumsprojekte versichert Brosda aber: »Das jüdische Museum hat eine hohe Priorität.«

Geplant ist zunächst eine Machbarkeitsstudie. Die Initiatoren wollen aber nicht jahrelang warten. Im Museum Altona soll im Herbst nächsten Jahres eine Sonderausstellung zur jüdischen Geschichte Hamburgs eröffnet werden. Ein Projektraum unter dem Motto »Wegmarken Jüdischer Geschichte« wird nach Angaben der Stiftung Historische Museen Hamburg bereits ab 3. Februar zu sehen sein. dpa

Wien

Jüdische Hochschüler können ESC nicht öffentlich übertragen

Die Studentenorganisation JöH warnt vor einer angespannten Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden und plant eine Protest- und Solidaritätsveranstaltung

 13.05.2026

Washington D.C.

Trump droht Iran mit vollständiger Niederlage

Die Vereinigten Staaten würden den Konflikt »friedlich oder eben auf andere Weise« gewinnen, sagt der amerikanische Präsident vor seiner Abreise nach China

 13.05.2026

Barcelona

Flick distanziert sich von Yamals Palästina-Flaggen-Aktion

Jungstar Yamal sorgt meistens auf dem Platz für Aufsehen. Bei der Meisterparty des FC Barcelona setzt er nun auch abseits des Rasens ein Zeichen - ein politisches, das aber nicht allen gefällt

 13.05.2026

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026