Wien

Jüdische Hochschüler können ESC nicht öffentlich übertragen

Lia Guttmann und Milli Li Rabinovici von den Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) Foto: picture alliance / GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

Die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) in Wien haben im Zusammenhang mit dem Finale des Eurovision Song Contest (ESC) auf eine aus ihrer Sicht zunehmend angespannte Sicherheitslage für jüdische Studierende hingewiesen. Eine ursprünglich geplante öffentliche Übertragung des ESC sei in klassischer Form nicht möglich gewesen, weshalb nun eine alternative Kundgebungsform organisiert werde.

Nach Angaben der Organisation fand in den Vorjahren stets ein Public Viewing im Bereich des Alten AKH statt, eines früheren Krankenhauses. Dieses Vorhaben sei jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht genehmigt worden. Stattdessen wurde nun ein Protest- und Solidaritätsformat am Universitätscampus angekündigt, das von einem größeren Polizeiaufgebot begleitet werden soll.

Die JöH sieht ein grundsätzliches Problem für jüdisches Leben im öffentlichen Raum: In den vergangenen Wochen habe es immer wieder geheißen, eine offene Veranstaltung für jüdische Studenten könne im aktuellen Umfeld nicht ausreichend abgesichert werden. Dadurch sei das ursprünglich geplante Event faktisch unmöglich geworden.

Lesen Sie auch

Die Hochschüler betonen, dass sie die Situation als Zeichen einer zunehmenden Einschränkung wahrnehmen. Öffentliche jüdische Veranstaltungen seien seit einiger Zeit nur noch unter erheblichen Sicherheitsauflagen oder gar nicht mehr durchführbar. Dies betreffe nicht nur einzelne Events, sondern das gesamte öffentliche Auftreten jüdischer Gemeinschaften im städtischen Raum.

Unter Druck

Die Organisation will jedoch an dem geplanten Format festhalten und bewusst ein öffentlich sichtbares Zeichen setzen. Die Kundgebung solle auch als Statement gegen Antisemitismus und für ein offenes gesellschaftliches Miteinander verstanden werden.

In einer Stellungnahme von JöH-Co-Präsidentin Milli Li Rabinovici heißt es, es sei nicht hinnehmbar, dass jüdische Studenten für eine gemeinsame Veranstaltung auf einen stark gesicherten Rahmen angewiesen seien. Die Entwicklung zeige, dass alltägliche Sichtbarkeit jüdischen Lebens zunehmend unter Druck gerate. Gleichzeitig betonte sie, dass man sich nicht aus der Öffentlichkeit verdrängen lassen werde.

Auch Lia Guttmann, die andere Co-Präsidentin der JöH, äußerte sich. Sie verwies darauf, dass sich die Sicherheitslage für jüdische Menschen in Österreich und Europa seit 2023 spürbar verschärft habe. Diese Entwicklung sei nicht akzeptabel und müsse dringend verändert werden. ja

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Für den frischgebackenen Leiter des ARD-Studios Nairobi ist die »Jüdische Allgemeine« ein Propaganda-Sprachrohr der israelischen Regierung. Eine Entgegnung

von Michael Thaidigsmann  29.06.2026

Streit

Verhandeln die USA und Iran am Dienstag?

US-Präsident Donald Trump behauptet, dass ein Treffen in Doha geplant sei. Doch die iranische Regierung äußert sich nur vage

 29.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 29.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Nahost

So versuchen die USA und Iran vor dem Deal, Fakten zu schaffen

Am Dienstag sollen sich Vertreter beider Länder zu Verhandlungen treffen. Bis dahin versuchen beide Seiten, ihre Position zu stärken

 29.06.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  28.06.2026