Schulbücher

»Judenfeindlich, frauenverachtend und antiwestlich«

Der Journalist Constantin Schreiber Foto: picture alliance / dpa

Schulbücher

»Judenfeindlich, frauenverachtend und antiwestlich«

Der Journalist Constantin Schreiber hat untersucht, was Kinder in muslimischen Ländern im Unterricht lernen

von Michael Althaus  06.05.2019 21:05 Uhr

»Schulbücher spiegeln den Stand einer Gesellschaft, auf dem sie sich aktuell befindet«, sagt die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. Der Journalist Constantin Schreiber hat sich dieses Zitat zu Herzen genommen und für sein neues Buch Kinder des Koran untersucht, was Schüler in muslimischen Ländern im Unterricht lernen. Dafür hat der Grimme-Preisträger mehr als 100 Schulbücher aus acht arabischen Ländern unter die Lupe genommen.

Diese Bücher vermitteln laut Schreiber judenfeindliche, frauenfeindliche und antiwestliche Einstellungen, lehnen zum Teil religiöse Toleranz ab und sprechen von einer Überlegenheit des Islam. »Ich bin auf kein Buch gestoßen, das mir positiv aufgefallen wäre«, schreibt der 39-jährige »Tagesschau«-Moderator, der fließend Arabisch spricht und lange in Beirut und Dubai lebte. Damit sich die Leser selbst ein Urteil bilden können, veröffentlicht Schreiber längere übersetzte Passagen aus je einem Lehrwerk aus Afghanistan, dem Iran, Ägypten, Palästina und der Türkei.

»Ich bin auf kein Buch gestoßen, das mir positiv aufgefallen wäre«, bilanziert Schreiber.

»UNGLÄUBIGE« Ein afghanisches Religionsbuch für Zehntklässler leitet etwa dazu an, zwischen einer guten Welt der Muslime und einer schlechten Welt der Ungläubigen zu unterscheiden. »Die Aufrufer zu Gott (Muslime) sind das beste Volk«, heißt es. Kritische Reflexionen von Glaubenssätzen sucht man vergeblich, stattdessen wird das Bild eines zornigen Allah gezeichnet, der absoluten Gehorsam fordert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Zum Tragen des Hidschab, des traditionellen islamischen Kopftuchs, ruft ein Ethik-Buch für Schüler der neunten Klasse im Iran auf. Eine angemessene Kleidung der Frau »schützt ihre Schönheit vor den Blicken der lüsternen Männer und ihrer Gier«, lautet die Begründung. Weiter zeigt das Buch eine Fotomontage, auf der vier Soldaten eine US-Flagge auf einem Berg aus Leichen und Skeletten hissen. Eine Abbildung, die offensichtlich einen Triumph der USA über die arabische Welt darstellen soll.

Ein palästinensisches Arabisch-Lehrwerk für die zehnte Klasse ist voll von politischen Texten, die gegen Israel hetzen. Von »zionistischen Banden« ist dort die Rede. Als besonders subtil entlarvt Schreiber ein türkisches Sozialkunde-Buch für Sechstklässler. Es erläutert korrekt die Charakteristika einer Demokratie wie Gewaltenteilung, freie Wahlen und Meinungsfreiheit. Allerdings wird unterschwellig der Eindruck erweckt, dass all dies in der Türkei vorbildlich umgesetzt ist. Damit diskreditiere sich das Buch als ideologisch, bilanziert Schreiber.

Schreiber warnt vor Folgen für die deutsche Gesellschaft, wenn Einwanderer aus muslimisch geprägten Ländern die vermittelten Werte mitbringen.

GEHIRNWÄSCHE Der Journalist kommt zu dem Schluss, »dass die jeweiligen Schulbücher auf unheilvolle Art die jeweils problematischen gesellschaftlichen Tendenzen verstärken, die es in den einzelnen Ländern bereits gibt«. Eine der Expertinnen, die er interviewt, spricht gar von »Gehirnwäsche«. Darüber hinaus warnt Schreiber vor Folgen auch für die deutsche Gesellschaft, wenn Einwanderer aus muslimisch geprägten Ländern die vermittelten Werte mitbrächten. Er schreibt zudem, dass das afghanische Religionsbuch vom deutschen Bildungsministerium mitfinanziert wurde.

Der Autor weist selbst darauf hin, dass seine Analyse keinesfalls wissenschaftlich-repräsentativ ist. Sie sei vielmehr als journalistische Auseinandersetzung zu verstehen. Aber, so betont er, seine Auswahl von insgesamt gut hundert Bücher zeige: »Es sind keine Einzelfälle.«

Für seine Aussagen wurde Schreiber von verschiedenen Seiten Islamfeindlichkeit vorgeworfen.

Kinder des Koran ist nicht Schreibers erste islamkritische Veröffentlichung. 2017 erschienen sein Buch Inside Islam und die TV-Reihe »Moscheereport«, für die er in deutschen Moscheen gehaltene Predigten übersetzte und analysierte. Damals zeigte er sich schockiert von permanenten Warnungen durch Imame vor dem Leben in Deutschland - aus seiner Sicht ein Hindernis für gelingende Integration.

Für seine Aussagen wurde dem Experten von verschiedenen Seiten Islamfeindlichkeit vorgeworfen. »Ich wurde bedroht, beschimpft, beleidigt«, schreibt er im aktuellen Buch. In einem Interview des »Spiegel« betonte er kürzlich, keine antimuslimische Agenda oder gar rassistische Absichten zu verfolgen. Dennoch steht zu erwarten, dass auch seine neueste Veröffentlichung nicht nur positive Reaktionen hervorrufen wird.

Constantin Schreiber: »Kinder des Koran. Was muslimische Schüler lernen«. Econ, Berlin 2019, 304 Seiten. 18 Euro

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026