Magdeburg

Ron Prosor wirbt für Deutsch-Israelisches Jugendwerk

Ron Prosor, Israels Botschafter in Deutschland Foto: picture alliance/dpa

Bei einem Schüler-Projekttag »Israel - anders kennen lernen« hat der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, die Bedeutung der Jugend für gute deutsch-israelische Beziehungen betont. »Unsere Länder haben eine Vergangenheit, aber Sie sind die Brücke in die Zukunft«, sagte Prosor am Mittwoch vor mehreren hundert Schülern in Magdeburg.

Bei dem Projekttag, der von der israelischen Botschaft in Berlin und dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt organisiert wurde, war auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Vormittag zu Gast. »Bildung und Aufklärung sind wirksame Mittel gegen den Antisemitismus«, sagte der Regierungschef.

Geschichte und Kultur Der Israel-Projekttag biete den Schülern und Lehrkräften eine gute Gelegenheit, sich intensiv mit der Geschichte und Kultur Israels auseinanderzusetzen, sagte Bildungsministerin Eva Feußner (CDU): »Ich empfinde es als ausgesprochen wichtig, durch Bildung und Begegnung Vorurteilen und Antisemitismus aktiv entgegenzuwirken.«

Bei einer abschließenden Diskussion mit Schülern, an der auch Botschafter Prosor teilnahm, betonte Feußner die Wichtigkeit des Schüleraustauschs zwischen Deutschland und Israel. »Es ist wichtig, dass wir uns kennenlernen. Das erzeugt gegenseitigen Respekt.« Bei dem Projekttag mit dabei waren auch Schüler des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums in Schönebeck (Salzlandkreis), die sich derzeit auf eine Israel-Reise vorbereiten.

Auf die Frage eines Schülers, warum Israel nicht Mitglied der Nato werde, antwortete Botschafter Prosor, dies sei zunächst eine gute Idee. Aber im Land gebe es eine zweijährige Wehrpflicht für Frauen und eine dreijährige für Männer. Die ganze Gesellschaft nehme daran teil, das Land zu verteidigen. »Wir haben die besten Köpfe des Landes, die in der Armee sind«, so Prosor.

Standort In der Frage des Standortes eines künftigen Deutsch-Israelischen Jugendwerks wollte Prosor auf Nachfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) keinen Ort favorisieren. Dies müssten die beteiligten Länder und die Bundesregierung unter sich ausmachen. Im Gespräch sind Wittenberg und Weimar, auch München wurde kürzlich als möglicher Standort ins Spiel gebracht.

Prosor verurteilte zudem Angriffe auf die christliche Minderheit in Israel. »Jeder Angriff muss bestraft werden«, sagte der Botschafter dem epd. Dies habe auch Israels Präsident Jitzchak Herzog betont.

Bei dem Israel-Projekttag konnten sich Schüler und Lehrer über die israelische Gesellschaft und das Alltagsleben informieren. In Workshops ging es beispielsweise um das Israelbild in Schulbüchern, die arabisch-israelische Zusammenarbeit oder die Prävention von Antisemitismus.

Ziel des Projekttages sei, dass nicht nur politische Nachrichten den gesellschaftlichen Diskurs über Israel prägten, sondern auch der Facettenreichtum des Landes sichtbar gemacht werde, teilte die israelische Botschaft mit. Daher stellte die Veranstaltung das Alltagsleben, insbesondere junger Israelis in den Mittelpunkt. Auch ein Workshop zur landestypischen Küche wurde angeboten. Gleichzeitig könne der Projekttag auch ein gutes Instrument sein, um dem besorgniserregenden Anstieg von Antisemitismus entgegenzuwirken, hieß es. epd

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026

Justiz

Richterbund warnt vor Einfluss der AfD auf Justiz

Das Risiko gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die Strafverfolgung müsse minimiert werden

von Lukas Philippi  07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  07.06.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026

Hamburg

Ex-Antisemitismusbeauftragter berät CDU

Stefan Hensel hatte sein Amt aus Protest gegen die Arbeit des rot-grünen Senats niedergelegt. Jetzt berät er die Opposition bei der Ausarbeitung eines Aktionsplans gegen Antisemitismus

 05.06.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter legt Bericht vor

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner hat eine erste offizielle Bilanz seiner Arbeit angekündigt

 05.06.2026