Covid-19

»Israel ist uns weit voraus«

Niclas Herbst Foto: pr

Covid-19

»Israel ist uns weit voraus«

Niclas Herbst über die Impfkampagne und den Austausch zwischen Brüssel und Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  04.03.2021 08:32 Uhr

Herr Herbst, die Impfkampagne kommt in der EU nur schleppend voran, in Israel ist sie viel weiter. Was sind die Gründe?
Der Vergleich hinkt etwas. In Sachen Digitalisierung, Zivilschutz und Datennutzung ist uns Israel weit voraus. Aber wir haben in der EU bewusst keine Notfallzulassungen gemacht. Das halte ich auch im Nachhinein für richtig, ebenso wie den Ansatz, als EU gemeinschaftlich zu agieren. Hinzu kamen dann aber zu lange Verhandlungen über Haftungsfragen. Auch, dass die EU anfangs keine Exportkontrolle für den hier entwickelten und produzierten Impfstoff durchführte, war ein Fehler.

Oft wird der Datenschutz als ein Faktor ins Feld geführt. Wäre es nicht an der Zeit, in Europa die Regeln zu lockern?
Ich denke, ja. Jedenfalls profitieren wir gerade enorm von den Daten, die wir aus Israel bekommen. Deshalb ist es auch kein Problem, dass Israel uns voraus ist – im Gegenteil.

Halten Sie die Kritik für berechtigt, die EU-Kommission habe zu lange gebraucht, zu schlecht verhandelt und zu wenig Geld für Forschung in die Hand genommen?
Nur zum Teil. Sicherlich haben die Verhandlungen mit den Pharmafirmen über die Haftung zu lange gedauert. Und bei der Kommunikation ist wirklich etwas schiefgelaufen. Anstatt falsche Erwartungen zu wecken und so Frust auszulösen, hätte man den Menschen von vornherein erklären müssen, wie die Abläufe sein werden.

In der EU soll es bald einen einheitlichen Impfpass geben. Welche Erwartungen haben Sie daran?
Er muss schnell kommen, digital verwendbar sein und seinen Inhabern zunächst einmal das Reisen wieder ermöglichen.

Sollen wie in Israel vorübergehend nur Personen mit Impfausweis in Restaurants oder Konzerte gehen dürfen?
Ich habe Verständnis dafür, dass die Bundesregierung diese Debatte im Moment nur sehr zögerlich führt. Es gibt einfach noch nicht genügend Impfstoff. Das wird sich in einigen Wochen aber ändern. Und dann ist der israelische Weg ein gutes Vorbild für uns.

Gerade beim Reisen wurden jüngst wieder Beschränkungen eingeführt, auch von deutscher Seite. Ist die EU gescheitert?
Von einem Scheitern würde ich nicht sprechen. Die Pandemie ist eine besondere Herausforderung. Natürlich will ich als Europäer offene Grenzen. Aber wenn es notwendig ist, um die Ausbreitung von Virusmutationen zu bekämpfen, sind Reisebeschränkungen unausweichlich.

Wie gut läuft in der Pandemie der Austausch zwischen Brüssel und Jerusalem?
Die Kommunikation zwischen der EU und Israel muss dringend verbessert werden – nicht nur in Bezug auf die Pandemie. Dass Länder wie Dänemark und Österreich sich nun direkt an Israel wenden, ist leider kein gutes Zeichen.

Mit dem CDU-Europaabgeordneten sprach Michael Thaidigsmann.

Bremerhaven

Synagoge im Visier: Jahrelange Haft und Psychiatrie für Anschlagspläne

Ein perfider Plan, gefährliche Stoffe und eine Sprengstoffweste: Wie Ermittler zufällig auf brisante Chats stießen - und welche Konsequenzen die Vorbereitung eines Anschlags für die Angeklagten hat

 08.06.2026

Nahost

EU verschärft Sanktionen gegen Iran

Wegen Behinderungen des Schiffsverkehrs verschärft die EU ihre Maßnahmen gegen den Iran. Betroffen sind auch Verantwortliche, denen Drohungen vorgeworfen werden

 08.06.2026

Moringen

AfD-Kreisverband will Parteitag neben KZ-Gedenkstätte abhalten

In der Kleinstadt Moringen richteten die Nationalsozialisten drei Konzentrationslager ein. Eine Gedenkstätte erinnert an die damaligen Gräuel. In unmittelbarer Nähe davon plant ein AfD-Kreisverband seinen Parteitag. Ein Bündnis kündigt Proteste an

 08.06.2026

Interessenvertretung

Jüdische Lehrkräfte gründen eigenen Verband

Jüdische Perspektiven im Bildungswesen sichtbarer machen: Ein neuer Bundesverband vernetzt Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte und unterstützt sie im Umgang mit Antisemitismus

von Christoph Schmidt  08.06.2026

Handelsbeziehungen

Auch Großbritannien erwägt Importverbot für Siedlerwaren

140 Abgeordnete der regierenden Labour Party haben Außenministerin Yvette Cooper aufgefordert, die Einfuhr von Produkten aus israelischen Siedlungen im Westjordanland nach Großbritannien zu verbieten

von Michael Thaidigsmann  08.06.2026

Washington D.C.

Global Forum des AJC: Das Paradox der jüdischen Geschichte

2000 Juden aus 70 Ländern kamen in die US-Hauptstadt, um bei der jährlichen Tagung des American Jewish Comittee dabei zu sein

von Sebastian Engelbrecht  08.06.2026

Aue-Bad Schlema (Sachsen)

CDU-Kandidat gewinnt OB-Wahl in Aue gegen Rechtsextremen

Mit dem Wahlsieg von Marcus Hoffmann bleibt Aue-Bad Schlema in CDU-Hand. Der Kandidat der rechtsextremen »Freien Sachsen« scheitert an der Wahlurne

 08.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Großbritannien

Antisemitische Straftaten in London stark gestiegen

Der größte monatliche Zuwachs von durch Judenhass motivierten Übergriffen seit ende 2023 wird registriert

 08.06.2026