Interview

»Israel ist auch Sprachrohr für uns«

»Dani Karavans Denkmalentwurf hat mich überzeugt«: Romani Rose Foto: Romani Rose

Interview

»Israel ist auch Sprachrohr für uns«

Romani Rose über Sinti, Roma und Juden

von Igal Avidan  23.10.2012 08:15 Uhr

Herr Rose, 20 Jahre nach dem Beschluss der Bundesregierung, ein Denkmal für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma zu errichten, ist dieses Mahnmal am Mittwoch eingeweiht worden. Was bedeutet das für Sie?
Dadurch bekennt sich Deutschland auch zum Holocaust an 500.000 Sinti und Roma. Daraus resultiert die Verantwortung, den Antisemitismus zu ächten, aber auch den Antiziganismus. Darüber hinaus hege ich die Hoffnung, dass die historische Wissenschaft sich mit diesem Holocaust stärker beschäftigt und ihn nicht nur als eine Fußnote des Holocaust an den sechs Millionen Juden betrachtet. Der Holocaust an den Juden und der an den Sinti und Roma ist deswegen einmalig, weil er industriell, bürokratisch und auf der Grundlage der bloßen biologischen Existenz durchgeführt worden ist. Die Schoa wurde 1949 anerkannt, denn das war für die Bundesrepublik politisch notwendig. Unsere Anerkennung hat 40 Jahre länger gedauert.

War auch Ihre Familie vom Genozid direkt betroffen?
Von meiner Familie sind insgesamt 13 Personen in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet worden, darunter meine Großeltern. Mein Großvater ist in Auschwitz ermordet worden und meine Großmutter in Ravensbrück.

Ursprünglich hatten Sie ein gemeinsames Mahnmal gefordert, was Ignatz Bubis, damals Präsident des Zentralrats der Juden, jedoch ablehnte. Haben Sie das als »Opferkonkurrenz« von jüdischer Seite erlebt?
Diese Konkurrenz hat es in Bezug auf die Einmaligkeit der Schoa schon gegeben. Die Einmaligkeit wird im Fall unserer Minderheit dadurch relativiert, dass wir das gleiche Schicksal hatten. Denn nicht die Zahl der Opfer ist das Entscheidende, sondern das Motiv: Sie wurden ermordet, nur weil sie Angehörige dieser Minderheit waren.

Laut einer Umfrage lehnen drei von vier Antisemiten auch Sinti und Roma ab. Sehen Sie beide Minderheiten sozusagen in einem Boot?
Sinti, Roma und Juden bilden eine europäische Schicksalsgemeinschaft. Uns verbindet das Bewusstsein für den Holocaust. Ich habe eine gute Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Ignatz Bubis hat sich für unser Denkmal eingesetzt. Auch mit Dieter Graumann bin ich befreundet.

Das Denkmal hat mit Dani Karavan ein jüdischer Israeli gestaltet. Wie kam es, dass Sie gerade ihn beauftragt haben?
Ich schätze Dani Karavan. Erstens, weil er künstlerisch weltweit anerkannt ist. Zweitens: Vor seinem Hintergrund als Mensch, dessen Angehörige auch im Nationalsozialismus betroffen waren, brachte er die entsprechende Sensibilität mit, die notwendig ist, um so ein Denkmal zu schaffen. Sein Entwurf, der den Menschen die Möglichkeit gibt, in sich zu kehren und über den Holocaust nachzudenken, hat mich überzeugt.

Sie waren in diesem Jahr zum zweiten Mal in Israel. Was haben diese Reisen für Sie bedeutet?
Ich würde gern die Beziehungen mit Israel verstärken, zum Beispiel, dadurch, dass wir unsere Ausstellung über die Verfolgung unserer Minderheit auch in Jerusalem oder Tel Aviv zeigen und gemeinsame Diskussionen über Rassismus und Diskriminierung organisieren. Bei solchen Veranstaltungen kann man auch bewusst machen, wie bedeutsam die Existenz des Staates Israel auch für Sinti und Roma ist. Wenn es den Staat Israel nicht mehr gäbe, würde der Antisemitismus viel schlimmer werden, aber ebenso der Antiziganismus. Israel ist ein wichtiges Sprachrohr, auch für unsere Minderheit.

Mit dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma sprach Igal Avidan.

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Interview

»Ich bezweifle, dass Claudia Roth es ernst meint mit dem Kampf gegen Antisemitismus«

JSUD-Präsident Ron Dekel geht mit der Grünen-Politikerin hart ins Gericht und wirft ihr vor, antisemitische Narrative salonfähig zu machen

von Michael Thaidigsmann  06.11.2026

Israelfeindliche Politikerin

Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf

Nach Wochen der Diskussion über den Umgang mit der direkt gewählten Abgeordneten, scheint die Parteispitze nun durchgreifen zu wollen

 06.11.2026

Vorwurf der Kampagne

Eklat um Claudia Roth: Nun reagiert der Zentralrat

Die Grünen-Politikerin bereut es, israelfeindliche Regisseure auf der Berlinale kritisiert zu haben und sieht die Schuld dafür beim Zentralrat der Juden

 06.11.2026

Berlin

Gregor Gysi für Rauswurf von Vanessa Emde

»Ich hoffe, dass wir sie ausschließen«, sagt Gysi über die wegen israelfeindlicher Aussagen umstrittene Abgeordnete

 06.11.2026

Bayern

Charlotte Knobloch wünscht sich Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Die bayerische Landtagspräsidentin »lebt mit den Menschen, nicht über ihnen«, so Knobloch

 06.11.2026

USA

Trump will bald Entscheidung zum Iran-Krieg verkünden

Nach der Wahlniederlage seiner Republikaner beschäftigt sich US-Präsident Trump mit der Frage, ob er den Krieg mit dem Iran wiederaufnehmen soll. Die Bemühungen der Vermittler laufen auf Hochtouren

 06.11.2026

Berlin

Emde erschien mit radikaler Anti-Israel-Aktivistin zur Fraktionssitzung

Während die Linke weiter um den Umgang mit der Neuköllner Abgeordneten ringt, provozierte diese erneut

 05.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  05.11.2026