Teheran

Iran setzt Demonstranten Ultimatum, Justiz droht mit Hinrichtungen

Teheran am Montag: Das iranische Regime droht, Organisatoren der Proteste zu exekutieren. Foto: picture alliance / Anadolu

Die iranische Führung verschärft ihren Kurs gegen die Protestbewegung im Land. Während der Polizeichef Demonstranten aufforderte, sich zu stellen, ihnen eine dreitägige Frist einräumte und mildernde Behandlung in Aussicht stellte, drohten Regierung, Parlament und Justiz zugleich mit harten Maßnahmen bis hin zur Todesstrafe. Parallel dazu hält der nahezu vollständige Internet-Blackout weiter an, könnte jedoch nach Angaben aus Teheran in den kommenden Tagen gelockert werden. Medien in Israel und anderen Ländern berichteten.

Irans Polizeichef Ahmad-Reza Radan erklärte, Teilnehmer der Proteste müssten sich den Behörden stellen. Wer dieser Aufforderung nachkomme, könne mit »erheblicher Nachsicht« rechnen. Radan bezeichnete die Demonstranten zwar als »Randalierer«, versuchte jedoch zugleich, einen versöhnlichen Ton gegenüber jüngeren Teilnehmern anzuschlagen.

In einer über staatliche Medien verbreiteten Erklärung sagte er, viele junge Menschen seien »irregeführt« worden und dürften nicht als »feindliche Soldaten« betrachtet werden. Sie sollten sich innerhalb der gesetzten Frist melden, um von einem milderen Umgang zu profitieren.

»Verbrechen gegen Gott«: Regime droht mit Todesstrafe

Deutlich bedrohlicher fiel nahezu zeitgleich eine gemeinsame Stellungnahme der iranischen Exekutive, Legislative und Judikative aus. Darin kündigten die drei Staatsgewalten an, Personen, denen die Anstiftung zu Unruhen vorgeworfen wird, »schwer zu bestrafen«. Das Regime stuft die Proteste weiterhin als terroristische Handlungen ein.

Justizsprecher Asghar Jahangir erklärte, die Verfahren würden beschleunigt geführt. Bestimmte Delikte könnten als »Verbrechen gegen Gott« gewertet werden – ein Straftatbestand, auf den im Iran die Todesstrafe steht, üblicherweise durch den Strang vollzogen.

Die widersprüchlichen Signale aus Teheran nähren international die Sorge, dass der Iran eine neue Welle von Hinrichtungen gegen Regimegegner vorbereiten könnte.

Lesen Sie auch

Trump warnt Teheran

Die Warnungen aus Teheran fielen mit erneuten Drohungen aus Washington zusammen. US-Präsident Donald Trump bekräftigte, die Vereinigten Staaten würden einen hohen Preis verlangen, sollte der Iran mit der Hinrichtung von Demonstranten beginnen.

Am Wochenende hatte Trump erklärt, er habe auf einen Angriff gegen den Iran verzichtet, nachdem Teheran angeblich Pläne für rund 800 Hinrichtungen fallengelassen habe. Unabhängig bestätigt wurde diese Darstellung bislang nicht, iranische Stellen äußerten sich dazu nicht.

Unterdessen dauert der massive Internet-Blackout im Land an. Am Montag ging die Abschaltung in den elften Tag. Der stellvertretende Präsident für Wissenschaft und Technologie, Hossein Afshin, erklärte, der Zugang zum weltweiten Internet solle im Laufe dieser Woche schrittweise wiederhergestellt werden.

Kein konkreter Zeitpunkt

Der Iran hatte die Verbindung am 8. Januar gekappt – genau an dem Tag, an dem die Proteste ihren bisherigen Höhepunkt erreichten und Berichten zufolge besonders viele Todesopfer forderten. Afshin nannte keinen konkreten Zeitpunkt für eine vollständige Wiederfreigabe. Ähnlich hatte sich bereits Präsident Masoud Pezeshkian geäußert, der nach eigenen Angaben den Nationalen Sicherheitsrat zu einer raschen Wiederherstellung gedrängt habe, um wirtschaftlichen Schaden und Kommunikationsprobleme zu begrenzen.

Die Internet-Beobachtungsorganisation NetBlocks registrierte am Montag kurzzeitig eine leichte Zunahme des Datenverkehrs, unter anderem mit begrenztem Zugang zu Diensten wie Google und WhatsApp. Wenig später brach der Datenverkehr jedoch erneut ein. In den vergangenen Tagen lag die Internetnutzung im Iran bei etwa einem Prozent des Normalniveaus.

Trotz massiver Repressionen gibt es laut der »Times of Israel« weiterhin Proteste. Das Schicksal vieler festgenommener Demonstranten ist nicht bekannt. im

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Diplomatie

Berichte: USA schicken weiteren Flugzeugträger nach Nahost

Der Schritt ist eine Drohung an das Regime im Iran, mit dem US-Präsident Donald Trump gerne ein Atom-Abkommen abschließen möchte

 13.02.2026

Berlin

Internationales Auschwitz Komitee fordert AfD-Verbotsverfahren

Eva Umlauf, die Präsidentin des Komitees sagt, die Partei müsse »endlich vor die Schranken des Bundesverfassungsgerichts« gebracht werden

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Ramallah

Scharia und Unterstützung für »Märtyrer«: PA veröffentlicht Verfassungsentwurf

In dem Entwurf, den Palästinenserpräsident Mahmud Abbas publizieren ließ, wird Jerusalem als »Hauptstadt des Staates Palästina« bezeichnet. Jüdische Bezüge werden im gesamten Text nicht erwähnt

 13.02.2026

München

Lauder fordert Abberufung von Francesca Albanese

Die UNO-Sonderberichterstatterin stehe für eine ideologische Agenda, die Verschwörungstheorien und spaltende, antisemitische Botschaften transportiere, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

von Imanuel Marcus  13.02.2026