Berlin

Insolvenz: Masorti-Grundschule muss schließen

Die Eltern schätzten vor allem den Hebräisch-Unterricht an der Masorti-Grundschule Foto: Uwe Steinert

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Insolvenz: Masorti-Grundschule muss schließen

Die Hintergründe

von Mascha Malburg  05.08.2026 10:16 Uhr

Die jüdische Masorti-Grundschule in Berlin wird geschlossen. Der Trägerverein Masorti e. V. hat Ende Juli Insolvenz angemeldet. Bereits zum kommenden Schuljahr stellt die erst 2018 gegründete Schule ihren Betrieb ein. Für die betroffenen Familien beginnt nun kurzfristig die Suche nach neuen Schulplätzen – eine Lösung zeichnet sich aber schon ab.

Rabbinerin Gesa Ederberg, Vorstandsmitglied von Masorti e. V., erklärte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, ausschlaggebend für die Insolvenz sei vor allem der starke Rückgang der Anmeldungen gewesen. »Die Schule hatte eigentlich nie genügend Kinder«, sagte Ederberg. Die Finanzierung freier Schulen durch den Senat richte sich nach der Zahl der angemeldeten Schülerinnen und Schüler. Bereits in den vergangenen Jahren habe es deshalb ein strukturelles Defizit gegeben.

Im vergangenen Schuljahr besuchten nach Angaben von Masorti noch 66 Kinder die Grundschule. Für das kommende Schuljahr seien nur noch 43 Kinder angemeldet gewesen. Diese Zahl habe nicht mehr ausgereicht, um den Schulbetrieb wirtschaftlich aufrechtzuerhalten.

Belastung für Eltern

Den Insolvenzantrag stellte Masorti e. V. Ende Juli. Erst danach seien die Eltern informiert worden. Dass dies so kurzfristig geschah, sei leider den Umständen geschuldet, erklärte Ederberg. Für die Eltern sei das natürlich eine Belastung. Doch erst nach Abschluss der Anmeldungen im Frühsommer habe festgestanden, dass die Schülerzahlen nicht ausreichen würden. Bis zuletzt hatte Masorti versucht, neue Finanzierungsquellen und sogar einen neuen Träger zu finden. »Wir haben alle Möglichkeiten durchprobiert«, sagte Gesa Ederberg. Letztlich sei jedoch eine Absage nach der anderen eingegangen.

Für einen Großteil der Schülerinnen und Schüler zeichnet sich inzwischen eine Lösung ab. Die Heinz-Galinski-Schule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltete kurzfristig einen Informationsabend und erklärte sich bereit, Kinder der Masorti-Grundschule aufzunehmen. Bislang haben sich bereits 25 Schüler dort angemeldet. Wie die Masorti-Grundschule legt die Heinz-Galinski-Schule besonderen Wert auf Hebräischunterricht. Das sei insbesondere für viele israelische Familien von großer Bedeutung, weiß Ederberg.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erklärte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, dass die Kinder ihren Bildungsweg in einem sicheren, wertschätzenden und jüdisch geprägten Umfeld fortsetzen könnten, stehe im Mittelpunkt. Es sei der Gemeinde ein zentrales Anliegen, ihnen Stabilität, Geborgenheit und die Möglichkeit zu geben, ihre jüdische Bildung auch in dieser herausfordernden Situation kontinuierlich fortzuführen.

Gründungsimpuls verlor an Schwung

Ederberg sieht das Aus der Schule auch als Folge außergewöhnlicher Umstände. Die Masorti-Grundschule wurde 2018 gegründet. Schon kurz darauf erschwerte die Corona-Pandemie den Aufbau der neuen Schule erheblich. Tage der offenen Tür und andere Werbemöglichkeiten fielen aus, der Gründungsimpuls verlor an Schwung. Später eröffnete die Schule zwei Willkommensklassen für geflüchtete Kinder aus der Ukraine. Dieses Engagement habe viele Ressourcen gebunden. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei außerdem das Fundraising schwieriger geworden. Viele internationale Spenden seien nach Israel geflossen, gleichzeitig seien zahlreiche Eltern durch die Ereignisse stark belastet gewesen.

Hinzu kamen wechselnde Schulleitungen sowie der allgemeine Lehrkräftemangel. Quereinsteiger hätten umfangreich fortgebildet werden müssen, was zusätzliche Kosten verursacht habe. Zudem verweist Ederberg auf die hohe Fluktuation innerhalb der überwiegend internationalen und israelischen Elternschaft. Viele Familien blieben nur wenige Jahre in Berlin oder zögen wieder weg. Dadurch sei es schwierig gewesen, dauerhaft stabile Schülerzahlen aufzubauen.

Von der Insolvenz betroffen ist der Trägerverein Masorti e. V.. Nach Angaben Ederbergs sollen jedoch andere Angebote möglichst erhalten bleiben. Insbesondere die Kindertagesstätte arbeite wirtschaftlich stabil und werde unter einem neuen Träger weitergeführt. Auch weitere Projekte des Vereins könnten künftig in neuen Vereinsstrukturen fortbestehen.

Für Ederberg bleibt trotz des Endes die Überzeugung, dass sich der Versuch gelohnt habe. Zugleich zeigte sie sich tief betroffen: »Ich bin super traurig, aber wir hatten acht tolle Jahre, an die sich viele Schülerinnen und Schüler gerne erinnern.« Die Masorti-Grundschule sei ein Herzensprojekt gewesen. »Man muss Dinge, von denen man überzeugt ist, auch probieren – auch wenn sie manchmal scheitern.«

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