Meinung

Im Zweifel für den Download

Benjamin Stein Foto: Chris Janik

Meinung

Im Zweifel für den Download

Bei der Verteidigung des Urheberrechts darf die Freiheit nicht eingeschränkt werden

von Benjamin Stein  14.05.2012 08:38 Uhr

»Wir sind die Urheber!«, rufen derzeit viele namhafte Autoren in den Raum. Damit haben sie zweifellos recht. Nur bringen uns Resolutionen heute in der Sache nicht weiter. Die Debatte scheint mir vor allem durch gegenseitiges mangelndes Verständnis der Positionen geprägt. Die Resolution legt nahe, es gäbe ernsthafte Bestrebungen, das Urheberrecht als »historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit« gänzlich abzuschaffen.

piraten Doch nicht einmal das Parteiprogramm der Piraten, die als Speerspitze der Urheberrechtsgegner betrachtet werden, gibt eine solche Lesart her. Was gefordert wird, ist eine Anpassung der Gesetze an die durch das Internet gesetzten neuen Gegebenheiten. Davor wird sich der Gesetzgeber nicht drücken können. Bevor jedoch gesetzgeberisch zur Tat geschritten wird, sollte erst einmal gewusst und verstanden (nicht nur gemutmaßt) werden, was das Benutzerverhalten der Online-Community bestimmt und welche Folgen ein reines Beharren auf dem derzeitigen Status quo nach sich ziehen würde.

Die Online-Community ist schon heute nahezu ein Querschnitt der Gesellschaft. Ihr per se weniger moralisches Verhalten zu unterstellen, also etwa ein gestörtes Verhältnis zum Eigentum anderer, ist fragwürdig. Das erfolgreiche Geschäft großer Vermarkter wie Amazon oder Apple mit ihren digitalen Musikangeboten belegt, dass letztlich die Qualität des Angebots darüber entscheidet, ob ein Interessent zum Kunden wird oder zum Dieb. Schnell und komfortabel verfügbar und auf der Höhe der technischen Entwicklung müssen die Angebote sein, und sie dürfen den Käufer nicht für seine Entscheidung zum legalen Erwerb bestrafen.

telefon Sind die Verwerter zu bequem, sich dieser Entwicklung anzupassen, und betreiben stattdessen lediglich Maßnahmen zur Besitzstandswahrung, ist dieses Beharren nur durch massive Eingriffe in die Freiheit der Netzkommunikation durchsetzbar. Als Teenager habe ich gern einer Freundin am Telefon Gedichte vorgelesen. Zu verhindern gewesen wäre das nur durch einen Lauschangriff. Dafür braucht es triftige Verdachtsmomente und einen richterlichen Beschluss. Diverse heute angeprangerte Urheberrechtsverstöße im Internet lassen sich nur wirksam durch einen flächendeckenden, wahllosen Lauschangriff verhindern, durch erweiterte Vorratsdatenspeicherung personenbezogener Daten und durch Netzsperren.

Wenn ich mich als Künstler entscheiden muss zwischen Aufgabe des GEMA-Cents und chinesischen Netzverhältnissen, ist meine Entscheidung klar.

Der Autor ist Schriftsteller in München, soeben erschien sein Roman »Replay«.

USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme sammeln Tausende Dollar für Cornell-Studenten

Der 19-jährige Austin Franco wird für ein Praktikum von einem Softwareunternehmen der Brüder Gabe und Aiden Einhorn angenommen. Doch dann schreibt er, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«

 18.06.2026

G7-Gipfel

Trump verteidigt Iran-Abkommen und kritisiert Israels Vorgehen

Zwar habe der jüdische Staat das Recht, sich zu verteidigen. Gleichzeitig gehe das Land nach seiner Auffassung mitunter unverhältnismäßig vor, so der amerikanische Präsident

 18.06.2026

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026

Berlin

Linksjugend spricht von »israelischen Konzentrationslagern« und »israelischem Genozid im Namen des Judentum«

Mitglieder des Jugendverbands der Linkspartei stießen schon mehrfach mit Positionen zu Israel auf Kritik. Wenige Tage vor dem Bundesparteitag gibt es neue antisemitische Ausfälle

 18.06.2026

Berlin

Neuer Vorstoß zur Änderung von AfD-Unvereinbarkeitsliste

Wer in bestimmten Organisationen ist, darf nicht AfD-Mitglied sein. Einige in der Partei sind gegen diese Unvereinbarkeitsliste in ihrer jetzigen Form und starten einen neuen Vorstoß, sie zu ändern.

 18.06.2026

Nahost

Was steht im Iran-Rahmenabkommen?

Nach langer Ungewissheit verbreitet ein hochrangiger US-Beamter den Text, auf den sich der Iran und die US-Regierung geeinigt haben sollen. Doch wer ihn wann unterzeichnet, bleibt unklar

 17.06.2026

Terror

Juden für Iran ausgespäht: Spionageprozess beginnt

Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt der Prozess gegen zwei Männer, die im Auftrag des Irans gezielt Juden und Israel-Freunde für Anschläge ausgespäht haben sollen

 17.06.2026

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

Baden-Württemberg

Nutzte AfD-Politikerin ein Goebbels-Zitat als Klingelton?

Ein Goebbels-Zitat als Handyton? Nach einem Vorfall während einer Gremiensitzung in Böblingen fordern Politiker Aufklärung – und die Stadt schaltet die Staatsanwaltschaft ein

 17.06.2026