Iran

Im Fokus der Mullahs

Vom iranischen Geheimdienst beschattet? Reinhold Robbe, langjähriger Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Foto: Gregor Zielke

Es klingt wie aus einem Roman von John le Carré: Ein pakistanischer Student soll im Auftrag des Iran jüdische und israelische Einrichtungen in Berlin und Paris ausgekundschaftet und einen deutschen Bundestagsabgeordneten sowie einen französischen Wissenschaftler ausspioniert haben.

Das zumindest wirft die Berliner Staatsanwaltschaft dem 31-jährigen Syed Mustafa H. vor. Seit dem 8. März muss er sich vor dem Berliner Kammergericht verantworten. Der Tatvorwurf: geheimdienstliche Agententätigkeit. Der Angeklagte soll spätestens von Juli 2015 bis zu seiner Festnahme im Juli 2016 in Bremen für den iranischen Geheimdienst in Deutschland und Frankreich spioniert und dabei mögliche »weiche Anschlagsziele« ausgekundschaftet haben, wie Oberstaatsanwalt Michael Greven zum Prozessauftakt erklärte.

DIG Ein konkretes Ziel seiner Spionagetätigkeit war laut Anklageschrift der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und langjährige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Reinhold Robbe. Zum zweiten Prozesstag am Montag war Robbe als Hauptbelastungszeuge geladen. »Ich hatte im Vorfeld keinerlei Hinweise auf ein Interesse des iranischen Regimes an meiner Person«, erklärte der 62-Jährige auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ralf Fischer, ob er seine Observation bemerkt habe. »Die Information, dass ich ausspioniert wurde, war ein Schock«, sagte Robbe.

Er habe nie einen Hehl aus seiner pro-israelischen Haltung gemacht und sich in Interviews auch immer wieder kritisch gegenüber der iranischen Theokratie geäußert. Nur so könne er sich erklären, dass er ins Fadenkreuz des iranischen Geheimdienstes geraten sei, so Robbe.

Laut Anklage kundschaftete der mutmaßliche iranische Agent H. insgesamt acht Orte aus, an denen sich Robbe regelmäßig aufgehalten hatte. Darunter Geschäftsräume der DIG, die SPD-Bundeszentrale und die Redaktion der Jüdischen Allgemeinen. Der Agent vermutete offenbar, dass Robbe ein eigenes Büro in der Redaktion besessen habe. »Ich habe der Jüdischen Allgemeinen häufig Interviews gegeben. In den Redaktionsräumen war ich allerdings noch nie«, erklärte Robbe.

Robbe wurde noch mehr angedichtet. Richter Fischer sagte: »Von einer Ehefrau, zwei Söhnen und auch von Enkelkindern ist die Rede.« Fischer führte am Montag mehrere Power-Point-Präsentationen vor, die die Ermittler auf H.s Computer gefunden hatten. Die soll der Angeklagte via Dropbox an seinen Kontaktmann im Iran übermittelt haben.

power-point Auf den Präsentationen sind in schlechtem Englisch Informationen über Robbe, seine private Lebenssituation und sein berufliches Umfeld zusammengetragen. Hinzu kommen unzählige Fotos, die Robbe auf pro-israelischen Demonstrationen oder mit Parteifreunden zeigen, aber auch private Urlaubsbilder sowie Fotos der ausgespähten Objekte samt näherer Umgebung. Zusammengefasst und trotz vieler Fehler ergeben die Präsentationen ein durchaus detailliertes Bewegungsprofil Robbes.

»Man schließt die Tür jetzt schon zweimal hinter sich ab«, sagte Robbe. Personenschutz bekomme er aber nicht. Ebenso wie der SPD-Politiker stand auch der Franzose David Rouach, ein jüdischer Wirtschaftswissenschaftler in Paris, im Fokus von H. Auch über Rouach soll H. Bewegungsprofile angelegt haben.

Per WhatsApp soll H. in Deutschland Anweisungen aus dem Iran erhalten haben. Für seine Tätigkeit soll H. insgesamt 2052 Euro bekommen haben, die ihm in drei Monatsraten ausgezahlt wurden.

al-quds-einheit Der mutmaßliche Spion H. war zum Ingenieurstudium aus Pakistan nach Deutschland gekommen. Während eines Aufenthalts im Iran soll der schiitische Muslim von einem Offizier der »Al-Quds-Einheit« angeworben worden sein. Die Elitetruppe der iranischen Revolutionsgarden wird international für besonders sensible Operationen eingesetzt. So soll sie in Syrien aufseiten der Armee von Diktator Baschar al-Assad kämpfen und pro-iranische Kräfte innerhalb der Hamas und des Islamischen Dschihad in Gaza unterstützen.

Der Angeklagte hat zu den Vorwürfen bisher geschwiegen. Aus Angst, wie seine Anwälte sagen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu dreieinhalb Jahre Haft. In der kommenden Woche soll David Rouach als Zeuge vernommen werden.

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026