Lahav Shapira

»Ich wurde angegriffen, weil ich für Israel einstehe«

Lahav Shapira (r.) im Krankenhaus Foto: screenshot Antonia Yamin

Am 2. Februar wurde Lahav Shapira von einem Kommilitonen vor einer Bar in Berlin-Mitte zusammengeschlagen. Shapira musste auf einer Intensivstation behandelt werden. Nun hat er erstmals einer deutschen Zeitung ein Interview gegeben und über die Tat und die Kampagne gegen ihn gesprochen.

»In den ersten eineinhalb Wochen habe ich nur schwer Luft bekommen, da ich im Mund, unter dem Auge und in der Nase Nähte hatte. Mein Gesicht ist immer noch angeschwollen, die Nase ist immer noch taub«, erzählt Shapira im Interview mit der »Welt«. Der Täter, Mustafa A., hatte ihm mehrere Knochen im Gesicht gebrochen. »Ich war vier Nächte im Krankenhaus und bin immer noch zu Hause, da ich mich noch erholen muss und so verbeult nicht rausgehen möchte.«

Während seines Aufenthalts in der Berliner Charité gab er auch dem israelischen Fernsehsender Kanal 12 ein Interview. Damals wollte Shapira sein Gesicht nicht zeigen. Der »Welt« stellt er jedoch ein Foto aus dem Krankenhaus zur Verfügung. Mit Bandagen und Pflastern im Gesicht und lila angeschwollenen Augen reckt er einen Mittelfinger in die Kamera.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Meine Nase war komplett durchgebrochen, auch ein Knochen in der Augenhöhle und in der Wange waren gebrochen. Ich habe im Gesicht zwei Metalleinsätze. Es gab eine geringe Hirnblutung, die sich zum Glück nicht ausgeweitet hat«, schildert Shapira der »Welt«.

Der Zeitung zufolge studiert Mustafa A. im dritten Semester Geschichte und Philosophie auf Lehramt an der Freien Universität (FU). Täter und Opfer kannten sich über WhatsApp-Gruppen. »Die Gruppen sind eigentlich für die Vernetzung von Lehramtsstudenten. In einer Gruppe bin ich Administrator und musste nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 mehrere Mitglieder entfernen, da diese zu antisemitischen Demonstrationen aufgerufen haben. Beispielsweise die Gruppierung ‚Klasse gegen Klasse‘ hat mehrfach vor der Uni zur Intifada aufgerufen«, so Shapira.

Die rausgeschmissenen Studenten hätten dann eine parallele Gruppe gegründet, Shapira hinzugefügt und ihm dort Gewalt angedroht. Auch auf Instagram wurde der 30-Jährige immer wieder an den Pranger gestellt. In Beiträgen wurde Shapira unterstellt, dass er ein gewalttätiger Provokateur sei. Auf X wurde er als »Rechtsradikaler« gebrandmarkt.

Lahav Shapira teilt die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass er gezielt und aus antisemitischen Motiven niedergeschlagen wurde: »Ich wurde deshalb angegriffen, weil ich für das Existenzrecht Israels einstehe und nicht möchte, dass Israel ausgelöscht wird. Deshalb werde ich von bestimmten Gruppierungen als Zionist bezeichnet, was diese Gruppen als Beleidigung meinen.«

Die Universitätsleitung um FU-Präsident Günter Ziegler hat Mustafa A. ein dreimonatiges Hausverbot erteilt. Bei Lahav Shapira habe sich die Universität nur einmal gemeldet. »Ich musste die Uni aus dem Krankenhaus kontaktieren, um meine Biologie-Klausur zu verschieben, damit diese nicht als Fehlversuch gewertet wird – während ich gerade nicht richtig sprechen konnte. Da hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht.«

Er machte der Freien Universität außerdem Vorwürfe, zu wenig gegen Antisemitismus getan zu haben: »Die Unileitung hat den israelfeindlichen Gruppen viel zu viel Spielraum gewährt. Jüdische Kommilitonen und ich hatten das FU-Präsidium lange vor dem Angriff auf mich aufgefordert, diese Gruppen zumindest zu beobachten« Darüber hinaus soll sie die Arbeit gegen Antisemitismus den Studenten überlassen haben.

In einer Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, hat die FU die in dem Interview erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Die Universität habe israelfeindlichen Gruppen weder Spielräume eingeräumt, noch Lösungsansätze ignoriert, hieß es darin. ja/dpa

Debatte

Berliner CDU bietet Sondierungen an: Grüne und SPD lehnen ab

Die Hintergründe

 03.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Nahost

Trump will Milliardenhilfen an Israel einstellen

Seit Jahren unterstützen die USA Israel mit Milliarden an Dollar Militärhilfe. Das soll sich nach Worten von US-Präsident Trump ändern. Die Idee soll dabei nicht von ihm gekommen sein

 03.11.2026

Sachsen

Chemnitz und Zwickau gedenken der Opfer des NSU

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Die Terrorzelle lebte in Chemnitz und Zwickau im Untergrund. 2011 flog sie auf

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Meinung

Junge Jüdinnen und Juden stehen vor einem Dilemma

Wir sind genauso von den steigenden Preisen, der Wehrplichtdebatte und der Klimakrise betroffen, wie die Demonstranten vom Wochenende. Aber wir können und werden uns nicht mit Leuten gemein machen, die den Hass auf uns und auf Israel schüren

von Tim Kurockin  03.11.2026

Serbien

Botschafts-Attentäter plante auch Anschlag auf Jüdisches Museum in München

Dario N. wurde Ende Oktober bei einem Angriff auf die israelische Botschaft in Belgrad erschossen. Nur drei Monate zuvor war er aus Deutschland abgeschoben worden

 03.11.2026

Iran

Mullah-Regime richtet zwei Demonstranten hin

Die Männer hatten Anfang des Jahres an den blutig niedergeschlagenen Protesten teilgenommen

 03.11.2026

Midterm-Wahlen

Wird US-Präsident Trump zur lahmen Ente?

Für Donald Trump wird es eine Schicksalswahl: Heute wählt Amerika einen neuen Kongress. Sollten die Demokraten gewinnen, könnte Trump nur noch per Dekret regieren

 03.11.2026