Interview

»Ich fliege nur, wenn ich muss«

Herr Rabbiner, Sie fahren im Jahr Tausende von Kilometern mit der Bahn, um Gemeinden zu betreuen. Haben Sie Verständnis für den Lokführerstreik?
In gewissem Maße schon, vor allem für die Angestellten der Privatbahnen. Warum können sie billiger sein? Weil ihr Personal weniger verdient. Das sind oft Dumpinglöhne, die die Kollegen dort bekommen. Aber bei der Deutschen Bahn verstehe ich den Streik nicht.

Waren Sie von den Arbeitsniederlegungen betroffen?
Ja, am vergangenen Freitag musste ich zum Beispiel nach Pinneberg. Ich konnte jedoch etwas später losfahren. Da herrschte zwar immer noch Chaos, aber ich kam an und habe mit der Gemeinde Schabbat gefeiert.

Nerven Sie die Verspätungen nicht?
Wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, muss man etwas Geduld mitbringen. Es gibt auch ein Gebet dazu, wahrscheinlich ist das Problem von alters her bekannt. Ich finde Verspätungen nicht so schlimm, wenn sie auf höhere Gewalt, Wetterkatastrophen oder gar auf die sogenannten Personenschäden zurückzuführen sind. Dafür kann das Zugpersonal oder Management nichts. Es ärgert mich allerdings, wenn ich den Anschlusszug um zwei Minuten verpasse, weil der nicht gewartet hat. Das ist menschliches Versagen.

Was machen Sie während der langen Bahnfahrten?
Ich habe immer meinen Laptop dabei, schreibe Gedichte, meditiere. Meine Doktorarbeit über die »Palestine Railways« habe ich zur Gänze in der Bahn geschrieben. Ich beobachte aber auch die Infrastruktur: Wo gibt es neue Strecken, welche wurden stillgelegt? In letzter Zeit stelle ich jedoch fest, dass ich ab und zu gerne mal ein Nickerchen mache. Das ärgert mich zwar, aber man wird halt älter.

Haben Sie bei den vielen Fahrten schon eine Bahncard 100?
Nein, die hätte ich gern und ich bin auch überzeugt, dass sie billiger wäre. Aber ich muss jede einzelne Karte mit der Gemeinde, die ich betreue, abrechnen, und das geht nur mit der Variante 50. Ich fahre übrigens im Unterschied zu vielen meiner Kollegen zweiter Klasse, mehr können sich meine Gemeinden nicht leisten. Aber ich bin genauso schnell am Ziel.

Nutzen Sie denn auch andere Transportmittel?
Wenn es geht, fahre ich mit der Bahn. Ich sage immer: Ich reise, wenn ich kann – ich fliege, wenn ich muss.

Haben Sie Lieblingsstrecken?
Die Fahrt von Lübeck nach Kiel durch die holsteinische Schweiz ist schön, die Rheingegend oder die Elbe zwischen Dresden und Bad Schandau. Aber ich fühle mich eigentlich überall wohl. Am liebsten allerdings ist mir der Weg nach Hause.

Mit dem Landesrabbiner von Schleswig-Holstein sprach Heide Sobotka.

Iran

Ist Modschtaba Chamenei noch am Leben?

Äußerungen aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian lassen aufhorchen

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Bayern

Erneut Ermittlungen gegen Aiwangers Ex-Lehrer

Vor drei Jahren rüttelte die Flugblattaffäre um Hubert Aiwanger die bayerische Landespolitik heftig durcheinander. Viele haben das schon wieder vergessen. Nicht so die Staatsanwaltschaft Regensburg

 10.08.2026

Meinung

Renten: Her mit der aufrichtigen Debatte!

Eine Reform, die lediglich das Bestehende in noch teurer absichert, löst das Problem nicht

von Günter Jek  10.08.2026

Magdeburg

Sachsen-Anhalt: AfD und BSW legen zu

Die Rechtsaußenpartei baut ihren Vorsprung in Sachsen-Anhalt einer neuen Umfrage zufolge weiter aus. Die Wagenknecht-Partei wiederum könnte zum entscheidenden Machtfaktor werden

 10.08.2026

Berlin

Ron Prosor unterstützt deutsche Olympia-Bewerbung

»Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland wären ein starkes Zeichen. Nicht trotz seiner Geschichte, sondern gerade wegen seiner Geschichte«, sagt der israelische Botschafter

 10.08.2026

Interview

»Aufklärung im Hier und Jetzt«

Marina Müller über antisemitismuskritische Bildungsarbeit, die Rolle von Lehrern und das neue Projekt von »Zeugen der Zeitzeugen«

von Leon Stork  10.08.2026

Berlin

Bund gibt mehr Geld für Gedenkstätten

Die deutschen Gedenkstätten erhalten von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mehr Fördermittel - für Projekte, aber auch für den Schutz der Orte und Mitarbeiter.

 10.08.2026

Washington D.C.

Trump ernennt jüdischen Juristen zum neuen Rechtsberater des Weißen Hauses

»Will ist hart, stark und klug! Er liebt auch unser Land und respektiert das Gesetz«, sagt der amerikanische Präsident

 10.08.2026