Wuligers Woche

Hosen runter!

Selbst wenn Freudianer aus Hütters Interesse an Penissen womöglich Schlüsse auf verdrängte libidinöse Wünsche ziehen könnten: Das wäre seine Privatsache. Foto: Thinkstock

Wuligers Woche

Hosen runter!

Warum Sachsens AfD nach Beschneidungen fragt

von Michael Wuliger  03.07.2018 09:44 Uhr

Man soll nicht unterhalb der Gürtellinie argumentieren. Aber Carsten Hütter lässt mir keine Wahl. Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete interessiert sich nämlich auffallend für männliche Geschlechtsteile, vor allem die von Angehörigen religiöser Minderheiten. »Wie viele Fälle von medizinisch indizierten oder religiös motivierten Beschneidungen gab es seit 2010 im Freistaat Sachsen?«, wollte der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker in einer Kleinen Anfrage im Parlament wissen.

»Wie viele Beschneidungen wurden von den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften seit 2010 ausgeführt? (Bitte aufschlüsseln nach Religion, Konfession, Anzahl und Jahr)«, bohrte er weiter nach. Und: »Wie viele der religiösen Beschneidungen wurden von einem approbierten Arzt ausgeführt?«

Psychoanalyse Ich will dem kirchenpolitischen Sprecher seiner Partei nichts unterstellen. Psychoanalytische Ferndiagnosen sind immer heikel. Selbst wenn Freudianer aus Hütters intensivem Interesse an Penissen womöglich Schlüsse auf verdrängte libidinöse Wünsche ziehen könnten: Das wäre seine Privatsache. Wir leben in einer toleranten Gesellschaft. Außerdem ist der verheiratete Vater von fünf Kindern gläubiger Katholik. Die römische Kirche sieht allzu ausgeprägte männliche Beschäftigung mit Gliedern von Geschlechtsgenossen nicht gern, offiziell zumindest. Die AfD übrigens auch nicht.

Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit fallen als Motive ebenfalls bestimmt aus. Carsten Hütter hat mit Sicherheit nichts gegen Juden oder Muslime. Einige seiner besten Freunde sind wahrscheinlich beschnitten. Womöglich hat er sich selbst davon überzeugt. Vielleicht ist Hütter einfach nur, trotz seiner 54 Jahre, im Herzen oder sonst wo jung geblieben. Vergleiche der Gliedmaßen gehören zum Standardrepertoire pubertierender Knaben. Bei den meisten wächst sich das zum Glück rasch aus.

In jedem Fall wird der Rechtsaußenpolitiker momentan wahrscheinlich etwas frustriert sein. Das für Sachsens Schniedel offenbar zuständige Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz in Dresden hat seine penibel erarbeitete Anfrage nur mit einem lapidaren Satz beantwortet: »Der Staatsregierung liegen zu den Sachverhalten, die den Fragen zugrunde liegen, keine Erkenntnisse vor«, ließ es den Landtagsabgeordneten wissen. Die fehlenden Vorhäute in sächsischen Herrenhosen sind statistisch nicht erfasst. Ein klarer Fall von Staatsversagen.

dicke Hose Seine Neugier wird der AfD-Mann nun mindestens bis nächsten Sommer zügeln müssen. Dann sind in Sachsen Landtagswahlen. Die AfD macht jetzt bereits einen auf dicke Hose: Sie will besonders gut abschneiden, stärkste Partei werden und die Regierung übernehmen.

Falls ihr das gelingen sollte, wären Hütters Forschungsdrang keine Grenzen mehr gesetzt. Als möglicher Landesbeschneidungsbeauftragter des Freistaats könnte er dann hochoffiziell anderen Männern in den Latz gucken.

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Iran-Krieg

Katarische Unterhändler in Teheran zu Gesprächen

Inmitten von Spannungen und Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus mehren sich diese Woche diplomatische Besuche im Iran. Jetzt sind Vertreter aus Katar eingetroffen

 30.10.2026

Wahl in Israel

Josef Schuster: Regierungswechsel in Israel könnte förderlich sein

Äußerungen rechtsradikaler Minister in Israel sind nicht akzeptabel, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Was ein möglicher Regierungswechsel im Land für die deutsch-israelischen Beziehungen bedeuten könnte

von Leticia Witte  30.10.2026

SPIEGEL-Affäre

Eralp zu Angst-Eingeständnis: Nehme Rat von Behörden ernst

Mit schriftlichen Anmerkungen zu einem Interview sorgt die Berliner Linken-Frontfrau für Aufsehen. Nun bezieht sie selbst Stellung - und führt ihr Handeln auf den Rat der Sicherheitsbehörden zurück

 30.10.2026

Berlin

Thorsten Frei fordert Abbruch der Koalitionsverhandlungen mit Linken

»Wer in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Hamas-Sympathisanten duldet, kann nicht glaubwürdig Verantwortung für die Sicherheit von Millionen Berlinern übernehmen«, so der Fraktionschef der Bundestagsunion

 30.10.2026

Debatte

Nach Eralp-Veröffentlichung: Jetzt meldet sich der »Spiegel« zu Wort

 30.10.2026

Rheinland-Pfalz

CDU, SPD und Grüne fordern Schulterschluss gegen Antisemitismus

Nachdem in einem Brief an die Jüdische Gemeinde Speyer gedroht wurde, die Synagoge in die Luft zu sprengen, wollten die Fraktionen ein Zeichen setzen

 30.10.2026