Libanon

Hisbollah ernennt Vize-Chef Naim Kassim zum neuen Anführer

Hisbollah-Chef Naim Kassim Foto: picture alliance / ROPI

Rund vier Wochen nach der Tötung ihres Anführers Hassan Nasrallah hat die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon einen Nachfolger ernannt. Neuer Generalsekretär werde der bisherige Vize-Chef Naim Kassim, teilte die Terrororganisation mit. Kassim hatte seit Nasrallahs Tod mehrfach Reden gehalten, die im Fernsehen übertragen wurden. Wo er sich aktuell aufhält, ist unklar. 

Der Schura-Rat habe sich auf die Wahl Kassims für den Posten entsprechend dem »anerkannten Verfahren für die Wahl des Generalsekretärs« geeinigt, teilte die Schiiten-Miliz mit. Kassim führe nun die Hisbollah und den Islamischen Widerstand in »edler Mission« an. Die Miliz kündigte an, die bisherigen Ziele unter dem neuen Anführer weiterzuverfolgen »bis zum Sieg«. 

Israels Armee hatte den früheren Anführer Nasrallah Ende September bei einem Luftangriff in einem südlichen Vorort von Beirut getötet. Als möglicher Nachfolger galt seitdem vor allem Haschim Safi al-Din, Chef des Hisbollah-Exekutivrats. Vergangene Woche hatte die Miliz aber bestätigt, dass dieser - wie von Israels Militär dargestellt - schon Wochen zuvor bei einem Angriff auf das Hauptquartier des Hisbollah-Geheimdienstes nahe Beirut getötet worden war. 

Seit Jahrzehnten eine einflussreiche Figur innerhalb der Hisbollah

Kassim wurde in einem Dorf nahe Nabatija im südlichen Libanon geboren und ist um die 70 Jahre alt. Er gehört zu denjenigen Mitgliedern, die die Hisbollah Anfang der 1980er Jahre für den Kampf gegen die israelische Besatzung im Libanon gründeten. Seit 1992 war er Vize-Chef und damit eine der einflussreichsten Figuren innerhalb der Organisation neben Nasrallah.

Kassim ist wie der getötete Nasrallah ein Kleriker des schiitischen Islams, studierte im Libanon aber auch Chemie und lernte Französisch. 2004 veröffentlichte er ein Buch über die Geschichte der Organisation, das auch autobiografische Teile enthält. Kassim ist verheiratet und hat sechs Kinder.

Israel hat seine Luftangriffe im Libanon seit September massiv ausgeweitet - und dabei auch die Führungsriege der Hisbollah mehrfach gezielt angegriffen. Zudem marschierten israelische Truppen im vergangenen Monat im Südlibanon ein. 

Die Hisbollah beschießt den Norden Israels seit gut einem Jahr weiter fast täglich, unter anderem mit Raketen. Die proiranische Miliz handelt dabei nach eigenen Angaben aus Solidarität mit der islamistischen Hamas, gegen die Israel im Gazastreifen Krieg führt. Der Gaza-Krieg war vom Hamas-Terrorangriff auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023 mit rund 1.200 Toten ausgelöst worden. dpa

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026

Ernennung

Zentralrat und Grüne loben neue Antisemitismusbeauftragte

Katharina von Schnurbein soll neue Antisemitismusbeauftragte des Bundes werden. Der Zentralrat der Juden reagiert sehr positiv

von Christoph Arens  14.10.2026