Berlin

Hinter der Fassade

Blick hinter die Fassade. Besucher in der Ausstellung »Die Wilhelmstraße 1933–1945 – Aufstieg und Untergang des NS-Regierungsviertels« Foto: Mike Minehan

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und der Direktor der Topographie des Terrors, Andreas Nachama, haben am Montagabend die Ausstellung »Wilhelmstraße 1933–1945 – Aufstieg und Untergang des NS-Regierungsviertels« in Berlin eröffnet. Bis zum 25. November können sich Besucher über die wechselhafte Geschichte der Straße, die heute von Unter den Linden bis zum Mehringdamm verläuft, informieren.

200 Fotos und Dokumente beschreiben den Wandel der Wilhelmstraße vom wichtigsten Regierungsviertel der Weimarer Republik hin zum Machtzentrum der Nationalsozialisten. Die Kuratorin der Ausstellung, Claudia Steur, hat diese schleichende Verwandlung zusammen mit Helga Lieser, der Gestalterin der Schau, umgesetzt.

Synonym Hieß es früher, was macht Bonn, so wie man heute fragt, was macht Berlin, hörte man in den 30er-Jahren, was macht die Wilhelmstraße, sagte Andreas Nachama in seiner Begrüßung. »Sie war ein Synonym für die politische Wirkung.« Und ein Ort, »von dem aus der Zweite Weltkrieg entfesselt wurde«, wie Guido Westerwelle betonte. »Die Nationalsozialisten benutzten die alte traditionsreiche Fassade der Wilhelmstraße, um über die Politik, die hinter ihren Mauern betrieben wurde, hinwegzutäuschen.«

Das beschrieb auch die Historikerin Claudia Steur in ihrem Vortrag. »Bis 1934 hatten die Nationalsozialisten in der Wilhelmstraße noch keine signifikanten Spuren hinterlassen«, sagte Steur. Aber hinter den Fassaden deutete sich mit der »Entlassung unliebsamer Mitarbeiter« und der Schaffung neuer Ministerien ein Wandel an. »Es entstand eine Terrorzentrale, die im Laufe der Jahre Schrecken über das Land und Europa verbreitete.«

Und genau das zeigt die Ausstellung, die den Besucher durch eine nachgebaute Wilhelmstraße führt. Auf 2,40 Meter hohen Stellwänden sind 19 Ministerien zu sehen. Jeder kann für sich entscheiden, hinter welche Fassade er schauen möchte, denn wie bei einem Schrank kann eine Tür geöffnet werden, hinter der sich mehr Infornationen über die jeweilige Einrichtung verbergen.

Ergänzt werden die Bilder durch Litfaßsäulen und einen Bericht zum sogenannten Wilhelmstraßenprozess, einem der zwölf Nachfolgeprozesse, bei dem unter anderem Mitarbeiter des Auswärtigen Amts angeklagt wurden.

»Die Wilhelmstraße 1933–1945 – Aufstieg und Untergang des NS-Regierungsviertels«. Bis zum 25. November, täglich von 10 bis 20 Uhr, zu sehen in der Stiftung Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8 , 10963 Berlin. Der Eintritt ist frei.

www.topographie.de

Kommentar

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ja, die Äußerungen von Israels Polizeiminister Ben Gvir sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen die Zukunft Israels am Herzen liegt. Zugleich muss betont werden, dass diese Aussagen zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels widerspiegeln

von Volker Beck  19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

In der Chat-Konversation finden sich zudem Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Eine Organisation, die sich gegen Judenhass einsetzt, prüft rechtliche Schritte

 19.08.2026

Nahost

Iran droht bei neuem Krieg mit Angriffen auf US-Ziele in Europa

Das Mullah-Regime könnte Angriffe auf US-Militärstützpunkte und andere amerikanische Einrichtungen sowie die kritische Infrastruktur befehlen

 19.08.2026

Washington D.C.

USA sanktionieren Präsidentin des Strafgerichtshofs

Die US-Regierung erhöht mit Sanktionen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof - diesmal auch gegen die Präsidentin

 19.08.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon prüft nach Iran-Krieg kleinere US-Militärpräsenz am Golf

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte

 19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert