Ermittlungen

Hamas-Mitglieder bleiben in Untersuchungshaft

Die Bundesanwaltschaft ermittelt Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie

Drei im vergangenen Dezember in Deutschland festgenommene mutmaßliche Hamas-Mitglieder sollen versucht haben, ein von der Hamas in Polen angelegtes Waffendepot ausfindig zu machen. Das geht aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor, in dem die Verlängerung der Untersuchungshaft für die seinerzeit in Berlin festgesetzten Männer begründet wird. 

Die drei im Libanon geborenen Beschuldigten sollten demnach Waffen aus dem Versteck nach Deutschland bringen, um es der Hamas zu ermöglichen, dort Anschläge auf jüdische Einrichtungen zu verüben.

Konkrete Anschlagspläne hatte es nicht geben, wie die Bundesanwaltschaft als oberste Anklagebehörde bereits früher mitgeteilt hatte. Einer der Männer soll aber geholfen haben, mögliche Ziele auszukundschaften - darunter die israelische Botschaft in Berlin. In seinem Rucksack war laut dem BGH-Beschluss ein USB-Stick entdeckt worden, auf dem sich detaillierte Satellitenaufnahmen der Botschaft sowie der US-Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein befunden hatten.

Rund 100 Bände Ermittlungsakten

Für das Waffenlager seien zwei der Beschuldigten nach Polen gefahren, um das Erddepot zu finden. Bis heute ist es nach BGH-Angaben nicht klar, wo das Lager ist. Ein weiteres Waffenlager war von der Hamas in Bulgarien angelegt worden. Fotos hiervon hatten die Ermittler bei einem der drei Männer entdeckt. Das Depot in Bulgarien sei von den dortigen Ermittlungsbehörden inzwischen ausgehoben worden.

Alle drei Männer seien weiterhin dringend verdächtig, Mitglieder von Hamas gewesen zu sein, so der BGH in seinem Beschluss. Außerdem bestehe Fluchtgefahr. Die Ermittlungen seien sehr umfangreich; die Akten umfassten inzwischen rund 100 Bände. Nach der Verhaftung der drei hatte es mehrere Durchsuchungen gegeben, zuletzt im Mai dieses Jahres. Dabei seien unter anderem elf Terabyte Daten auf mobilen Datenträgern sichergestellt worden - darunter riesige Mengen an Fotos, Chatverläufen und Videos. »Die besondere Schwierigkeit und der besondere Umfang der Ermittlungen haben ein Urteil noch nicht zugelassen und rechtfertigen den weiteren Vollzug der Untersuchungshaft«, heißt es im BGH-Beschluss.

Das Trio war am 14. Dezember 2023 in Berlin festgenommen worden, zeitgleich mit einem vierten Verdächtigen in Rotterdam und drei weiteren in Dänemark. dpa

Meinung

Reformprogramm der Bundesregierung: Auf schmalem Grat

Ein Sozialstaat, der Sicherheit verspricht und Misstrauen praktiziert, ist ein Signal für jene Kräfte, die von Angst und Spaltung leben

von Günter Jek  12.07.2026

Erfurt

Voigt: Gespräch über Simson-Sonderstatus mit der EU

Die auf eine jüdische Familie zurückgehenden Simson-Mopeds sind mehr als DDR-Nostalgie: Sie können mit Tempo 60 fahren und verheißen jungen Leuten Mobilität. Doch Reimporte müssen langsamer fahren. Worin das Problem liegt

 12.07.2026

München

Anne Applebaum: Darum sollten CDU und AfD nicht kooperieren

Die jüdische US-Historikerin befasst sich mit den Gefahren für demokratische Gesellschaften. Im Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« legt sie ihre Position zu Deutschland und Europa dar

 12.07.2026

Teheran

Gespräche über Straße von Hormus enden ohne Durchbruch

Der Streit um die Straße von Hormus war diese Woche mehrfach militärisch eskaliert. Gespräche im Oman darüber enden zunächst ohne große Fortschritte

 12.07.2026

Washington

US-Militär: Angriffswelle im Iran beendet

In der Nacht haben die US-Streitkräfte laut eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele im Iran angegriffen. Dabei habe es sich um einen Vergeltungsschlag gehandelt

 12.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  12.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026