Justiz

Halle-Prozess: »Der Notruf glaubte uns zuerst nicht«

Aus Platzgründen wird der Halle-Prozess – unter hohen Sicherheitsvorkehrungen – in einem Saal des Magdeburger Landgerichts verhandelt. Foto: imago

Am Tag des Terroranschlags in Halle hat die Polizei laut einem Paar zunächst nicht geglaubt, dass es angeschossen worden war. Sie habe beim Notruf gesagt, dass ihr Mann verblute, sagte eine 51 Jahre alte Frau am Mittwoch als Zeugin vor dem Oberlandesgericht in Magdeburg aus.

»Das hat der gar nicht richtig wahrgenommen, er hat gesagt, ich sollte rausgehen und Ausschau halten, wo der Schütze ist.« Erst als ihr Nachbar gekommen sei und das Gespräch übernommen habe, sei ein Beamter gekommen.

Der Attentäter hatte auf seiner Flucht versucht, an ein neues Auto zu kommen, weil er an seinem Wagen zwei Reifen zerschossen hatte. Dabei hielt er an einem Hof im Landsberger Ortsteil Wiedersdorf im Saalekreis, auf dem der 52-Jährige im Garten arbeitete. Es habe am Hoftor geklopft und er habe in eine Pistole geblickt, sagte der Mann am Mittwoch mit stockender Stimme. Der Täter habe den Schlüssel für das Auto gefordert.

Der 52-Jährige berichtete, dass der Attentäter auf ihn geschossen habe, als er weggelaufen sei. Die Kugel traf den Zeugen im Nacken und blieb hinter dem rechten Ohr stecken. Kurz darauf habe der Täter auch von hinten auf die 51 Jahre alte Frau geschossen, die auf den Hof geeilt sei. Beide Zeugen sind seit den Schüssen arbeitsunfähig und leiden an Spätfolgen.

Seit Juli arbeitet der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts den Terroranschlag vom 9. Oktober 2019 auf. Aus Platzgründen wird in einem Saal des Magdeburger Landgerichts verhandelt. Angeklagt ist ein 28 Jahre alter Deutscher. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, »aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus einen Mordanschlag auf Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens« geplant zu haben. Der Angeklagte hat die Taten gestanden.

Als ihm misslang, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge einzudringen, erschoss der Attentäter eine 40 Jahre alte Passantin. Im Anschluss attackierte er in einem nahen Döner-Imbiss und tötete einen 20 Jahre alten Mann. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Der Angeklagte Stephan Balliet kommt aus Mansfeld-Südharz. epd

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