Meinung

Geistliche Grauzonen

Natürlich haben seine Gefolgsleute Zeter und Mordio geschrien, als der rechtsextreme Rabbi Dov Lior in Israel wegen des Vorwurfs der Aufwiegelung verhaftet wurde. Monatelang hatte Lior schmutzige Tricks benutzt, um sich der Vorladung der Behörden zu entziehen. Seine Getreuen benutzte Lior dabei als Schutzschild. Dass der Rabbiner – wie auch Kollege Yaakov Yosef – schon nach einer halben Stunde Befragung wieder auf freiem Fuß war, hielt seine Anhänger nicht davon ab, tagelang Randale zu veranstalten.

Demokratie Lior und Yosef stehen unter dem Verdacht, durch ihre Anerkennung des kontroversen Buches Tora des Königs Hass gegen Nichtjuden zu schüren. Da in Israel ein Antirassismusgesetz existiert, müssen sich die beiden verantworten. Aber sie verstecken sich hinter Ausreden und schießen scharfzüngig gegen den Staat. Mitstreiter fordern sogar Immunität für Rabbiner. In einem demokratischen Rechtsstaat aber darf niemand über dem Gesetz stehen – auch kein religiöser Anführer. Grauzonen kann es dabei nicht geben, und Widerspenstigen muss gezeigt werden, dass die Verteidigung der Demokratie nicht nur eine, sondern oberste Wahrheit ist.

Wie Lior selbst betonte, haben Rabbiner die Aufgabe, die Öffentlichkeit zu leiten und zu unterweisen. Sie sind Vorbilder, deren Worte und Verhalten in ihrer Gemeinschaft viel Gewicht haben. Statt jedoch schlicht der Vorladung zu folgen und ihre – gern auch kontroverse – Meinung vor den Beamten kundzutun, wanden sich die rebellischen Rabbis wie gewöhnliche Kriminelle. Dann sollten sie sich nicht wundern, wie solche behandelt zu werden.

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