Berlin/Washington

Gegen Antisemitismus und Rassismus

Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: imago images / Emmanuele Contini

Kanzlerin Angela Merkel hat die Entschlossenheit der Bundesregierung im Kampf gegen Extremismus bekräftigt. »Unser Staatswesen und unser friedliches Zusammenleben bauen auf grundlegenden Werten auf«, sagte die CDU-Politikerin am Sonntagabend in einem Grußwort bei einer virtuellen Konferenz des American Jewish Committee. An der Global Conference der Organsisation, die wegen der Corona-Pandemie im Internet stattfindet, nehmen etwa 6500 Menschen teil.

Weiter sagte Merkel: »Und mit diesen Werten sind Antisemitismus und Rassismus, Hass und Hetze, ob in sozialen Medien oder auf offener Straße, unvereinbar. Solchen Auswüchsen müssen wir, Regierung und Gesellschaft, mit aller Macht und Kraft entgegenwirken.«

HALLE Leider gebe es immer wieder »bittere Rückschläge«, beklagte die Kanzlerin. »Besonders das Attentat auf die Synagoge in Halle hat uns tief erschüttert. Solche widerwärtigen Angriffe zielen auf das Herz unserer Demokratie.«

Am 9. Oktober vorigen Jahres hatte ein schwer bewaffneter Deutscher versucht, in die gut besuchte jüdische Synagoge in Halle einzudringen. Als das misslang, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf seiner Flucht weitere schwer, ehe er festgenommen wurde.

»Jüdinnen und Juden sollen sich in Deutschland frei und sicher fühlen; sie sollen ihren Glauben und ihre Kultur offen leben können«, unterstrich Merkel.

ISRAEL »Zu unserer Verantwortung zählt auch, für die Sicherheit Israels einzutreten«, sagte die Kanzlerin. Diese sei nicht verhandelbar. Sie merkte aber auch an: »Dauerhafter Frieden in Nahost lässt sich nur durch Verständigung zwischen den Völkern und eine verhandelte Zwei-Staatenlösung erreichen.«

Auch US-Außenminister Mike Pompeo versicherte Israel der Unterstützung seiner Regierung. »Die Vereinigten Staaten werden immer Israels Recht, sich selbst zu verteidigen, unterstützen«, sagte er in seinem Grußwort.

MAAS Außenminister Heiko Maas (SPD), der am Montag zu den 6500 Teilnehmern sprach, sagte, es sei ihm eine Ehre, 75 Jahre nach dem Ende der Schoa dieses Forum des American Jewish Comittee zu Gast zu haben. Mehr als je brauche man »Stimmen wie Ihre, Organisationen wie das AJC, um den Stimmen von Hass, Rassismus und Intoleranz etwas entgegenzusetzen.«

Leider sei auch die Corona-Krise »ein Nährboden für Hass, Gewalt, Rassismus und Antisemitismus«, sagte Maas. Das Virus habe einige der schlimmsten Stereotypen über Juden wiederbelebt, »die uns an die dunkelsten Zeiten in unserer Geschichte erinnern«. Dem American Jewish Comittee sei er dankbar dafür, laut und deutlich auf dieses Problem hinzuweisen.

EU-RATSPRÄSIDENTSCHAFT Deutschland übernimmt am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft. Maas sagte, der EU-Rat setze sich für das Recht der Europäer auf friedliche Proteste und Meinungsfreiheit ein. Dies bedeute jedoch nicht, dass  Desinformationskampagnen sowie Hetze, Antisemitismus und Schoa-Leugnung im Internet akzeptabel seien.

Maas erklärte, er sei froh darüber, dass Deutschland in der Corona-Krise auch Israel habe helfen können. Israelische Bürger, die in Deutschland gestrandet seien, habe man aufgenommen und sie mit deutschen Flugzeugen nach Hause gebracht. 55 Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen sei dies ein Beispiel für das Vertrauen zwischen beiden Ländern.

Das Verbot von Hisbollah-Aktivitäten in Deutschland habe ein Zeichen gesetzt, betonte der Außenminister. »Eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Israel auszulöschen, hat für ihre Aktivitäten innerhalb unserer Grenzen keinen Platz.« Deutschland werde andere europäische Staaten ermutigen, diesem Beispiel zu folgen.

GANTZ Zu den Gästen des Forums gehörte auch der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz. Das erste virtuelle Global Forum des American Jewish Committee geht an diesem Donnerstag zu Ende.

Das American Jewish Committee ist eine amerikanische jüdische Nichtregierungsorganisation, die sich unter anderem für die Belange Israels einsetzt. Die Organisation wurde 1906 in New York von amerikanischen Juden vorwiegend deutscher Herkunft mit dem Ziel gegründet, jüdische Sicherheit zu gewähren und Demokratie, Menschenrechte und Völkerverständigung weltweit zu fördern. dpa/ja

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt rot-grün-rote Koalition ab

Linke, SPD und Grüne verhandeln derzeit über eine gemeinsame Landesregierung. Eine solche Koalition stößt auf Skepsis - auch unter Anhängern von SPD und Grünen

 23.10.2026

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

München

Aigners Befund zu Judenhass: »Das ›Nie wieder!‹ ist tot«

Die bayerische Landtagspräsidentin gibt eine schonungslose Analyse zum Antisemitismus in Deutschland. Doch sie sieht auch hoffnungsvolle Ansätze, um gegenzusteuern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026 Aktualisiert