Erinnerung

Gedenken an ermordete Sinti und Roma

»Unerschütterliche Kämpferin gegen Hass, Ausgrenzung und Rechtsextremismus«: Zilli Schmidt Foto: imago images / Mike Schmidt

Erinnerung

Gedenken an ermordete Sinti und Roma

Ehrengast wird die 97-jährige Schoa-Überlebende Zilli Schmidt sein

 02.08.2021 11:48 Uhr

Mit einer Gedenkfeier wird heute im Berliner Regierungsviertel an die Ermordung der letzten Sinti und Roma im NS Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 1944 erinnert. Ehrengast am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas neben dem Reichstagsgebäude ist die 97-jährige Überlebende Zilli Schmidt, wie die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas nun ankündigte. Für ihr Engagement als Zeitzeugin erhielt Schmidt im April von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz.

Heute jährt sich die »Liquidation des Zigeunerfamilienlagers« in Auschwitz-Birkenau zum 77. Mal. SS-Angehörige ermordeten in der Nacht auf den 3. August 1944 die fast 4000 verbliebenen Sinti und Roma in Gaskammern - die meisten von ihnen waren als arbeitsunfähig eingestufte Frauen, Kinder und ältere Menschen. Vor sechs Jahren wurde der 2. August vom Europäischen Parlament als Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
anerkannt.

Unterdessen sind die Planungen für einen Neubau des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg vergangene Woche einen wichtigen Etappenschritt voran gekommen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und die Internationale Bauausstellung Heidelberg (IBA) stellten jüngst den Sieger des Architekturwettbewerbs vor. Eine Expertenjury hatte sich unter 21 deutschen und internationalen Bewerbern für den Entwurf der Stuttgarter Architekten »bez und kock« entschieden.

Die Pläne sehen einen Teilabriss der bestehenden Gebäude vor. Denkmalgeschützte Teile bleiben erhalten. Ein kubusförmiger Sandsteinneubau soll das Gebäude hin zur Altstadt öffnen. Geplant ist neben Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen auch eine Café-Terrasse.

Der Wettbewerbsentscheid sei ein »großer Schritt zur inhaltlichen Erweiterung des Hauses und seiner Einrichtungen«, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Romani Rose. Er dankte Stadt, Land und Bund für Unterstützung und zeigte sich optimistisch, dass nun auch die Mittel für die weiteren Detailplanungen und Realisierung gefunden werden könnten. Einen Termin für den Baubeginn gibt es noch nicht. Die Planungen sehen vor, dass 2022 erste Sanierungs- und Abrissarbeiten beginnen könnten.

Das Dokumentations- und Kulturzentrum wurde 1997 eröffnet. Das Haus am Rande der Altstadt ist zugleich Museum, Gedenkort, Archiv, wissenschaftliche Forschungseinrichtung und Raum für Konzerte und kulturelle Aufführungen. Es will auch die Kultur der Sinti und Roma in Literatur und Musik aufzeigen.

Wichtiger Aufgabenbereich ist die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Minderheit durch die Nationalsozialisten. Zu sehen ist eine aufwendig gestaltete historische Ausstellung. Sinti und Roma wurden in ganz Europa verfolgt und ab 1940 in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert; rund 500.000 starben. Die Verfolgungsgeschichte gehört bis heute zu den wenig bekannten Kapiteln der NS-Zeit. epd/kna/ja

Johann Wadephul

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