Ethik

Gebote für die Krise

Ratlose Manager: Die Zehn Gebote können helfen, den moralischen und strategischen Kompass wiederzufinden. Foto: Thinkstock

Wir erleben eine Führungskrise, das Führen selbst ist in der Krise. Das betrifft nicht nur die Politik, sondern alle Bereiche. Nicht zuletzt die Privatwirtschaft wird von Krisen geschüttelt. Erfolgsdruck, eine Gier, die viele korrumpiert hat, schlecht beratene Fusionen, ein Arbeitsmarkt, der sich seit dem Platzen der Internetblase nicht erholt hat, kulturelle Differenzen zu den immer stärker werdenden Konkurrenten China und Indien, fehlende strategische Ausrichtungen, verlorener Kampfgeist, intellektueller Aderlass: Was ist diesen Problemen gemein? Sie verlangen eine neue Führungskultur. Dies ist der gemeinsame Nenner für die beispiellosen Herausforderungen unserer Zeit.

Führung ist wie Feuer – nützlich, aber auch zerstörerisch. Die Welt hat großen Schaden genommen, weil manche ihre führenden Positionen missbraucht und für selbstsüchtige oder unlautere Ziele verwendet haben. Aus Gier, Intoleranz oder Rachsucht wurden Kriege entfacht, Hungersnöte provoziert, Unternehmen in den Konkurs getrieben, die Umwelt geschädigt und ganze Nationen in den Untergang geschickt. Große Leitfiguren hingegen haben Völkern geholfen, schier unlösbare Aufgaben zu bewältigen, Tyrannen abzuschütteln, Unterdrückung zu beenden, Armut zu überwinden, Hunger, Unwissenheit und Krankheit zu besiegen.

bilanzen Nun die Krise. Moralische Begründungen für Entscheidungen scheinen in einen längeren Zwangsurlaub geschickt worden zu sein. Da wird geschönt, was die Bilanzen hergeben. Um treulose, wankelmütige Aktionäre an sie zu binden, ist manchen offenbar jedes Mittel recht.

Zudem sind die Führungsaufgaben selbst für integre Manager heute durchaus nicht leichter geworden: Der scharfe globale Wettbewerb, die Forderungen der Aktionäre nach Gewinnsteigerungen und kampfesmutige Beamte in den Aufsichtsbehörden schüren erhebliche Ängste. Globalisierung und Demokratisierung, flachere Hierarchien und virtuelle Teams, Internet und allgegenwärtige Medien verkomplizieren den Job in der Chefetage.

Viele Führungskräfte haben in den aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen die Orientierung verloren. Immer neue Management-Tools können nicht mehr als Kompass für diejenigen dienen, die ihr Vertrauen in gängige Management-Gurus und deren Allgemeinplätze weitgehend verloren haben. Woran sollen sie sich halten? Die Quellen des Judentums können diese Orientierung bieten. Die Zehn Gebote sind dazu geeignet, den moralischen und strategischen Kompass wiederzufinden.

Mut Einige Beispiele: Das Zweite Gebot fordert dazu auf, sich keine Götzen zu schaffen, sondern den Mut aufzubringen, eine authentische Vision zu schaffen. Das Dritte Gebot mahnt dazu, nicht vergeblich zu reden, sondern durch bewusst und wirksam eingesetzte Sprache zu führen.

Im Vierten Gebot heißt es: Erinnere dich des Ruhetages, um ihn zu heiligen. E-Mails, Meetings, Entscheidungen, Verträge halten uns täglich auf Trab. Aber wenn wir nicht durchdrehen oder untergehen wollen, müssen wir regelmäßig innehalten und pausieren. Stille gehört zu den Markenzeichen großer Führungspersönlichkeiten von Winston Churchill über Nelson Mandela bis hin zu Bill Gates, der sich regelmäßig sogenannte »Think Weeks« gönnt, wohlgemerkt ohne Zugang zum Computer oder Internet: Wer sich Zeiten der Stille in seinem Leben zugesteht, kann fundierte Entscheidungen treffen, die historischen Bestand haben.

Es geht darum, Stress zu reduzieren, kürzer zu treten, die Batterien aufzuladen, den Kompass neu auszurichten und die Prioritäten zu ordnen. In einer rund um die Uhr aktiven Welt ist der Schabbat eine geniale Institution, um sinnlose Aktivitäten abzusagen, gleichgültig, wie dringlich sie daherkommen. Wer nicht Nein sagen kann, kann auch nicht führen.

Das Achte Gebot: Du sollst nicht stehlen. Es geht dabei auch um den Mythos des »Man kann nie genug haben«. Sobald man nicht mehr ständig an das denkt, was man noch alles will und was nur belastet, kann man mit dem arbeiten und wirken, was man schon hat. Die Fähigkeit des Gebens steht im Zentrum aller Führungsaufgaben und vereint alle Gebote.

besitztum Zuletzt das Zehnte Gebot: Du sollst nicht begehren ... Es gilt, andere nicht zu beneiden, sondern sich in sie hineinzuversetzen. Wir sollen nicht eifersüchtig die Besitztümer und Erfolge unserer Mitmenschen beäugen. Viel effektiver ist es, wenn wir uns in sie einfühlen und die Welt aus ihrem Blickwinkel betrachten. Es geht darum, Einstellungen von Menschen mit anderen Wertvorstellungen zu entschlüsseln und als Weltbürger in jeder Kultur arbeiten zu können.

Auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angewendet, bietet die Tora erstaunlich hilfreiche Lektionen und sogar konkrete Methoden für gesellschaftlich, politisch oder wirtschaftlich tätige Manager des 21. Jahrhunderts. Die Zehn Gebote sind der Stoff, aus dem Führungspersönlichkeiten gemacht werden.

Der Autor ist Unternehmensberater, Universitätsdozent sowie Mitverfasser des Buches »Der Rabbi und der CEO. Was Führungskräfte von den Zehn Geboten lernen können«.

Beirut

Israel: Haben hochrangigen Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Laut Medienberichten hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« widerspricht in einer Analyse dieser Darstellung nun

 01.04.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Filmtage: Kino kündigt Kooperation, Organisatoren üben scharfe Kritik

Die Jüdische Gemeinde sieht »faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck«, während die Astor Film Lounge ihre Entscheidung verteidigt

von Imanuel Marcus  01.04.2026

Dresden/Leipzig

Hitlergruß: Urteil gegen Melanie Müller ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die Schlagersängerin wegen des Zeigens des Nazigrußes ist rechtskräftig. Warum sie die Revision zurückzieht und was das für sie bedeutet

 01.04.2026

Pessach

Preis der Freiheit

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entstehen nicht von allein. Sie müssen erstritten, manchmal sogar erkämpft werden

von Josef Schuster  01.04.2026

Berlin

»Arrogante Belehrungen«: Israelische Botschaft kritisiert Castellucci scharf

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung übt Kritik an der Jerusalemer Regierung für die Ausweitung der Todesstrafe. Die israelische Botschaft spricht von Doppelmoral

 01.04.2026 Aktualisiert

Buenos Aires

Argentinien stuft Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation ein

Präsident Javier Milei begründete den Schritt unter anderem mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 01.04.2026

Ottawa

PFLP-Ableger: Kanada löst Samidoun auf

Der Schritt erfolgt wegen »Nichteinhaltung« gesetzlicher Vorgaben. In Kanada war die Gruppe zuvor als Terrororganisation eingestuft worden

 01.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt baldiges Kriegsende in Aussicht

»Ob wir ein Abkommen haben oder nicht, ist jetzt irrelevant«, sagt der amerikanische Präsident

 01.04.2026