Die Organisation »Gegen jeden Antisemitismus« hat die Berliner Senatsverwaltung für Kultur aufgefordert, geplante Veranstaltungen mit der UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, im Babylon-Kino im Stadtteil Mitte abzusagen. In einem Schreiben kritisiert die Initiative zwei für Ende März angekündigte Diskussionsevents zur UN und dem Nahen Osten mit ihr.
Das Kino wird aus Mitteln der Senatsverwaltung gefördert. In dem Brief von »Gegen jeden Antisemitismus« heißt es: »Es kann nicht sein, dass die SenKultGZ (Senatsverwaltung für Kultur, Anm. d. Red.) durch die Förderung des Babylon Kinos ermöglicht, dass antisemitische Veranstaltungen durch Steuergelder finanziert werden.«
Die Intervention erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Kritik an Albanese. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte die italienische UNO-Diplomatin jüngst als »in ihrer Position unhaltbar« bezeichnet und ihre Aussagen über Israel scharf verurteilt. Auch Frankreich forderte ihren Rücktritt. Beide Außenminister werfen ihr vor, rote Linien überschritten und sich nicht an die Grundsätze der Neutralität und Objektivität gehalten zu haben, die für UN-Sonderberichterstatter gelten.
»Gemeinsamer Feind«
Albanese steht bereits seit Jahren in der Kritik, weil sie Israel unter anderem mit dem Nationalsozialismus verglichen und den Terrorismus der Hamas relativiert haben soll. Zuletzt hatte sie von einem angeblichen »anhaltenden Genozid« Israels an den Palästinensern gesprochen und in Zusammenhang mit dem einzigen jüdischen Staat erklärt, die Menschheit habe »einen gemeinsamen Feind«.
Auch aus anderen Organisationen kommt erhebliche Kritik. »Jetzt, wo auch die Politik zunehmend erkennt, dass Francesca Albanese absolut untragbar ist, inszeniert diese Veranstaltung in Berlin sie als das Opfer eines angeblichen ›globalen Sturms‹«, erklärte Elio Adler, der Vorsitzende des Vereins WerteInitiative. »Dabei hat sich Albanese durch die wiederholte Verbreitung antisemitischer Weltbilder und Verschwörungsmythen sowie durch die Verharmlosung des 7. Oktober selbst disqualifiziert.«
»Dass ihr selbst nach ihrer jüngsten Entgleisung, in der sie Israel zum ›Feind der Menschheit‹ erklärt hatte, allen Ernstes noch eine Bühne geboten wird, ist ein weiterer Beweis für das tief sitzende Antisemitismusproblem im Kulturbetrieb«, so Adler gegenüber der Jüdischen Allgemeinen.
»Eingeschliffene Paradigmen«
Samuel Salzborn, der Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus, äußerte sich ebenfalls zu den am 30. und 31. März vorgesehenen Auftritten Albaneses: »Was ist daran kreativ, abgedroschene Phrasen und Ressentiments fortlaufend zu wiederholen? Was ist daran innovativ, im israelfeindlichen Mainstream mitzuschwimmen? Es wäre eine erfreuliche Wende, wenn weltoffener Pluralismus bedeuten würde, allzu eingeschliffene Paradigmen zu hinterfragen - und, in der Geschichte des deutschen Kulturbetriebs durchaus, immer noch oder schon wieder, eine Innovation: sich klar und deutlich gegen Antisemitismus zu positionieren«, so Salzborn. »Mit einer solchen Innovation ist bei diesem Event wohl eher nicht zu rechnen.«
Kino-Betreiber beruft sich auf Umfragen
Auf eine Anfrage der Jüdischen Allgemeinen, warum das Babylon-Kino eine Diskussionsrunde mit Francesca Albanese abhält, antwortet Betreiber Timothy Grossman nicht. Stattdessen teilt er mit: »Die Meinungsforschung in Deutschland zum Gazakrieg (ab Oktober 2023) zeigt ein komplexes Bild, das durch tiefe Besorgnis, eine differenzierte Bewertung der Kriegsparteien und wachsenden Druck auf die Bundesregierung gekennzeichnet ist, humanitäre Aspekte stärker zu berücksichtigen.«
»Während die Solidarität mit den Opfern des Hamas-Terrors hoch bleibt, fordert die deutsche Bevölkerung zunehmend eine kritischere Haltung der Bundesregierung gegenüber der israelischen Militärstrategie und ein stärkeres Engagement für die Zivilbevölkerung in Gaza«, so Grossman weiter. In welchem Zusammenhang diese Umfragen mit der Kritik an Albaneses antisemitischen Aussagen stehen, erklärt er nicht.