SPD

Flirt mit der Fatah

In der Kritik: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles Foto: dpa

»Damit macht sich die SPD gemein mit einer Terror-Organisation, die zu Hass und Hetze gegen Juden aufruft«, empört sich Dieter Graumann. Eine »moralische Verirrung« sei das. Was den Präsidenten des Zentralrats der Juden so in Rage versetzt, ist eine Mitteilung der SPD auf deren Website. Veröffentlicht nach einem Treffen von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am 8. November mit Vertretern der palästinensischen Fatah, betont die Erklärung »gemeinsame Werte« und eine »strategische Partnerschaft« zwischen Fatah und SPD.

Angesprochen auf Graumanns Kritik sagte Parteichef Sigmar Gabriel am Montag: »Ich verstehe die Kritik nicht.« Die »Zusammenarbeit mit der Fatah« sei »schon sehr alt«, außerdem sei »die Fatah seit langer Zeit dafür«, das »Existenzrecht Israels zu garantieren«. Als Alternative zur Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gebe es nur die Hamas. »Die allerdings halte ich für keine geeignete Alternative«, erklärte der SPD-Vorsitzende.

frieden Gefragt nach den »gemeinsamen Werten« und »Zielen« antwortete Gabriel: »Frieden in Palästina zum Beispiel; Existenzrecht des Landes Israel genauso wie das Existenzrecht eines palästinensischen Staates; Demokratie; Ablehnung von Gewalt.« All das seien Ideen, die die SPD mit der Fatah-Führung bereits seit langer Zeit bespreche.

Graumann hält dagegen: »Wo sollen gemeinsame Werte der SPD und der Fatah sein? Die SPD steht für Freiheit, Solidarität und Gleichberechtigung.« Die Fatah aber vertrete das genaue Gegenteil. »Die Führungskräfte der SPD müssen jetzt Farbe bekennen und sich klar und unmissverständlich von der Erklärung distanzieren«, fordert der Zentralratspräsident.

Andere Sozialdemokraten pflichten Graumann bei. Der ehemalige Wehrbeauftragte und frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Reinhold Robbe sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Selbstverständlich muss es jeder Partei gestattet sein, mit allen demokratischen und gewaltfreien Organisationen im Nahen Osten zu sprechen.« Nicht akzeptabel sei hingegen »das Beschwören ›von gemeinsamen Werten zwischen SPD und Fatah‹, wie es Andrea Nahles getan hat«.

»märtyrer-brigaden« Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft betont: »Solange die Fatah keine demokratischen Strukturen in ihrer Organisation nachweisen kann und sich vor allem nicht in aller Deutlichkeit von den terroristischen ›Märtyrer-Brigaden‹ trennt, kann sie für demokratische Parteien kein Bündnispartner sein.« Deshalb sei auch »der Status einer beratenden Mitgliedschaft der Fatah in der Sozialistischen Internationale« nicht hinnehmbar.

Auch der Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokraten sieht die Fatah skeptisch: »Terroristen werden von Teilen der Fatah weiterhin glorifiziert, und in palästinensischen Schulbüchern werden nach wie vor Israels Grenzen unterschlagen.«

Kommentar

Ein Weckruf

Der AfD-Erfolg liegt vor allem im Scheitern jener Parteien, die die Bundesrepublik seit Jahrzehnten prägen. Verloren gegangenes Vertrauen muss nun schnellst möglich wieder zurückgewonnen werden

 08.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  08.09.2026

Meinung

Ein Sonntag genügt!

Was gehen uns in der Schweiz die Wahlen in Sachsen-Anhalt an? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten wird klar: Das Problem ist nicht nur die Partei selbst

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.09.2026

Magdeburg

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Meinung

London belohnt die Verweigerungshaltung der Palästinenser

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht

von Daniel Neumann  08.09.2026

Nahost

Großbritannien wirft Israel »ethnische Säuberungen« im Westjordanland vor

Aus Israel und den USA kommt scharfe Kritik. Deutschland schließt sich der Initiative Großbritanniens nicht an

 08.09.2026

Den Haag

Deutschland verteidigt Waffenexporte nach Israel

Deutschland betont vor dem Internationalen Gerichtshof, dass seine Rüstungsexporte nach Israel internationalen Vorgaben entsprechen. Die Richter müssen entscheiden, ob es zum Hauptverfahren kommt

 08.09.2026

Köln

Merkel ist schockiert über AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt

Die AfD greift in Sachsen-Anhalt nach einem deutlichen Wahlerfolg nach der Macht, die regierende CDU ist dort in der Wählergunst abgestürzt. Was die Altkanzlerin dazu sagt

 08.09.2026

Berlin

Staatsanwaltschaft ermittelt nach antisemitischem Linke-Konzert

Innensenator Iris Spranger (SPD) erklärt im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, ein Verfahren sei eingeleitet worden

 08.09.2026