Antwerpen

Festnahmen nach Aufruf zu »Judenjagd«

Im jüdischen Viertel von Antwerpen sind Bewohner in der Kälte unterwegs. Foto: picture alliance / ROBIN UTRECHT

Im jüdischen Viertel von Antwerpen (Belgien) sind fünf Personen von der Polizei festgenommen und verhört worden – darunter auch Minderjährige. Sie wurden verdächtigt, einem Aufruf zu einer »Judenjagd« gefolgt zu sein, der zuvor im Internet veröffentlicht worden war. Der Begriff wurde zuvor bereits in Online-Chats benutzt, in denen zu den antisemitischen Hetzjagden auf israelische Fußballfans in Amsterdam (Niederlande) aufgerufen wurde.

Die belgische Zeitung »De Morgen« berichtet von einer »massiven Polizeipräsenz« in dem überwiegend von Charedim bewohnten Stadtteil. Im Mittelpunkt stand die Gegend um den Harmonie-Park, die einen Teil des Viertels darstellt. Anwesende, die den Beamten verdächtig erschienen, etwa da sie Palästinenser-Fahnen trugen, wurden aufgefordert, den Stadtteil zu verlassen. Nicht alle folgten der Aufforderung freiwillig.

Der Gewaltaufruf tauchte nur zwei Tage nach den jüngsten Vorfällen in Amsterdam auf. Dort wurden israelische Fußballfans von Judenhassern gejagt und angegriffen. Israel schickte Flugzeuge, um sie zu retten. Der Nationale Sicherheitsrat des Landes gab daraufhin eine Warnung vor der Teilnahme an Sportveranstaltungen im Ausland heraus.

Ernst genommene Bedrohung

»Ist der Funke aus Amsterdam fast übergesprungen?«, fragt »De Morgen«. Offensichtlich ist dies der Fall. Die Antwerpener Polizei setzte bei ihrem Einsatz im jüdischen Viertel auch eine Drohne ein. Die fünf Festgenommenen wurden am Sonntagnacht wieder auf freien Fuß gesetzt.

Lesen Sie auch

Belgiens Justizminister Paul van Tigchelt begab sich ebenfalls vor Ort, um die Situation selbst beobachten zu können. Auch nahm er an einer Diskussion einer jüdischen Organisation teil, in deren Rahmen Bewohner informiert und beruhigt werden sollten.

Van Tigchelt stellte klar, dass die Behörden die Bedrohung ernst nähmen. Die belgische Terrorabwehr OCAD mache sich Sorgen, da Trittbrettfahrer das Benehmen der Judenhasser in Amsterdam kopieren könnten. Natürlich könne eine entsprechende Situation auch in Belgien entstehen. »Wir müssen an dieser Stelle realistisch sein«, sagte der Minister laut Medienberichten. Ob er seine Zuhörer damit tatsächlich beruhigte, ist unklar.

Schmira sorgt für Sicherheit

Alexander De Croo, Belgiens Premierminister, der die Angriffe auf Israelis in Amsterdam verurteilt hatte, erklärte, Antisemitismus habe in Europa keinen Platz.

Der konservative, jüdische Parlamentsabgeordnete Michael Freilich forderte laut »De Morgen«, nach der Gewalt in Amsterdam müsse vorsorglich die belgische Armee eingesetzt werden, um für Sicherheit zu sorgen. Auch sagte er, die Politik der »Null Toleranz« für Antisemitismus müsse mit Taten unterlegt werden.

Die Schmira im jüdischen Viertel von Antwerpen, ein privater Sicherheitsdienst, war derweil am Sonntag zum Schutz der Gemeinde mit Sicherheitsleuten auf der Straße. im

Gesellschaft

Wadephul: Anstieg des Antisemitismus »katastrophale Fehlentwicklung«

Zugleich betonte er, dass Kritik an der israelischen Regierung weiter möglich sein müsse

 06.10.2026

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026