Palästinenser

Fatah Morgana

Das palästinensische Narrativ am Rednerpult: der Präsident der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas Foto: Flash 90

Die »Tragödie des Mahmud Abbas«, so bezeichnete der amerikanische Journalist Grant Rumley am 21. Januar den denkwürdigen Auftritt des noch amtierenden Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde. Mahmud Abbas, mittlerweile 82-jährig und im 14. Jahr seiner Amtszeit, sprach geschlagene zwei Stunden lang vor Delegierten der PLO in Ramallah.

Seine Rede war eine Art Geschichtskurs. Den amerikanischen Präsidenten Donald Trump belegte Abbas mit dem Fluch »Möge dein Haus zerstört werden«, die Israelis beschimpfte er als Kolonialisten, und ansonsten machte er von Oliver Cromwell über Napoleon bis Winston Churchill alle verantwortlich für das »Unglück« der Palästinenser.

nachfolge
Wie seinerzeit Jassir Arafat hat Abbas keine Nachfolge geregelt, und bei dem Kongress in Ramallah fehlten alle, die zu Abbas in Opposition stehen. Seine potenziellen Nachfolger sitzen entweder in israelischen Gefängnissen, wie Marwan Barghouti, oder mussten ins Exil fliehen, wie Mohammed Dahlan. Allein wegen seines Alters ist jedoch allen Beteiligten klar, dass Abbas auf lange Sicht nicht auf seinem Posten bleiben kann – auch wenn er selbst damit kokettierte, »nicht viel älter als Trump« zu sein.

In der Bevölkerung ist Abbas verhasst. Die Wirtschaft liegt am Boden, und die Korruption kann man in Ramallah oder Bethlehem mit Händen greifen: Glaspaläste, protzige Autos, riesige Villen mit Schwimmbad für die Oberschicht. Auch Abbas’ Söhne sind Multimillionäre. Die Europäische Union finanziert den Prunk unbesehen weiter mit jährlichen Millionenbeträgen.
2006 gab es in den Autonomiegebieten die bislang einzigen demokratischen Wahlen.

Wählerstimmen Bei dem System zur Wahl des Parlaments erhielt stets jener Delegierte den Zuschlag für den ganzen Wahlkreis, der die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigt hatte. Das ist vergleichbar mit der amerikanischen Methode der Wahlmänner. Wenn sich also 16 Kandidaten der zerstrittenen Fatah-Partei aufgestellt hatten, war klar, dass jeweils der eine Abgeordnete der disziplinierteren Hamas mehr Stimmen bekommt als jeder einzelne Fatah-Mann.

So erreichte 2006 die Hamas eine absolute Mehrheit im Parlament. Für Mahmud Abbas war das ein unerträglicher Zustand. Kurzerhand löste der seit 2005 amtierende Präsident das Parlament auf und weigerte sich, der Hamas die Kontrolle über Polizei, Geheimdienste und Waffen zu übergeben. Seither verwaltet Abbas die Gebiete der PA mit Dekreten, fernab jeder demokratischen Legitima­tion. Mit Sicherheit gäbe es ohne die Sicherheitskooperation mit den Israelis einen Präsidenten Mahmud Abbas nicht mehr, weder physisch noch politisch.

Im Gazastreifen regiert seit 2007 die Hamas. Weil Abbas sie nicht anerkennt, spricht die Hamas sogar Todesurteile aus und führt sie durch, ohne eine Zustimmung durch den Präsidenten einzuholen. Meist ist die Rede davon, dass die Hamas-Partei sich im Jahr 2007 an die Macht geputscht habe, doch im Grunde hat sie sich in dem von ihr kontrollierten Gebiet lediglich genommen, was ihr ohnehin zustand.

Seitdem versucht die Hamas mit Terror und Gewalt, Abbas auch im Westjordanland zu stürzen. Die schon ausgehandelte »Versöhnung« kommt nicht voran. Derweil lässt Abbas im Gazastreifen israelische Stromlieferungen drosseln und erlegt der Hamas ständig neue Steuern auf. Längst ist Abbas nicht mehr jener »gemäßigte Friedenspartner«, als den ihn die EU gerne sieht, sondern mutierte zu einem verhassten bürokratischen Tyrannen.

frieden Unter Abbas wurden auch Friedensverhandlungen mit Israel ausgesetzt. Doch er behauptet, dass die Israelis an allem schuld seien – durch Siedlungsbau, durch eine »Judaisierung« Jerusalems und durch das Wegsperren der Palästinenser hinter der »Mauer«.

Sehr weitgehende politische Angebote israelischerseits, etwa vom damaligen Premier Ehud Olmert, der 2008 beinahe das gesamte Westjordanland übertragen wollte, wurden von Abbas – wie zuvor von Jassir Arafat – ausgeschlagen.

Da Israel nicht wieder als Besatzer in Ramallah, Hebron oder Jenin die Schulen, Krankenhäuser und die Polizei regeln will, wird Jerusalem durch Abbas’ häufige Drohung, die Autonomiebehörde aufzulösen, jedes Mal in Panik versetzt. Doch solche Ankündigungen scheinen reine Rhetorik zu sein. Aktuell hat Abbas sogar die USA als Vermittler ausgeschaltet und war vor zwei Wochen demonstrativ nach Brüssel geflogen, um nicht Trumps Vizepräsident Mike Pence treffen zu müssen.
Ohnehin hätte Abbas heute keinerlei Vollmacht mehr, einen für alle Palästinenser bindenden Vertrag zu unterzeichnen.

Auch sein Versuch, mit der EU einen Ersatz für die USA als wichtigen Akteur im Nahen Osten aufzubauen, scheiterte bislang – weil er den Europäern die Bedingung stellte, den real nicht existierenden Staat Palästina anzuerkennen.

Niemand kann vorhersagen, wie lange sich Mahmud Abbas noch halten kann und wer ihm gegebenenfalls nachfolgen könnte.

Berlin

DIG warnt vor Regierungsbeteiligung der Linken

»Verhindern Sie es«, fordert Cerstin Richter-Kotowski von den Grünen und der SPD

 22.09.2026

Linken-Bundestagsabgeordneter Ferat Koçak

Berlin

Chat mit Clan: Linke-Politiker zieht sich vorerst zurück

Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hatte Chatkontakt mit einem Mitglied der Familie Remmo. Das bezeichnet er selbst als Fehler. Damit ist die Sache aber noch nicht ausgestanden

 22.09.2026

Berlin/Schwerin

Presseschau: Politische Ränder gewinnen Landtagswahlen

Medienreaktionen auf die Abstimmungen in der Bundeshauptstadt und in Mecklenburg-Vorpommern

 22.09.2026

Berlin

Michel Friedman warnt SPD und Grüne vor Koalition mit der Berliner Linken

»Wenn die SPD und die Grünen mit dieser Linken koalieren, die antisemitische Linksextremisten und Islamisten toleriert, dann ist ihre Glaubwürdigkeit zutiefst erschüttert«, sagt der Publizist

 22.09.2026

Linken-Bundestagsabgeordneter Ferat Koçak

Berlin

Grünen-Fraktionschefin empfiehlt der Linkspartei Ausschluss von Ferat Koçak

Dröge: Koçak hat wiederholt an Veranstaltungen teilgenommen, bei denen antisemitische, Terror verherrlichende Menschen aufgetreten sind

 22.09.2026

Berlin-Wahl

Klöckners Gretchenfrage: »Wie haltet ihr es mit dem Antisemitismus?«

Die CDU-Politikerin und Bundestagspräsidentin hat SPD und Grüne auf Instagram aufgefordert, in Berlin keine Koalition mit der Linkspartei einzugehen. Ansonsten werde das »Nie wieder« zur Farce

 22.09.2026

Glosse

Ein Clan-Chef als Antisemitismusbeauftragter!

Warum Issa Remmo der »Linken« offiziell Persilscheine ausstellen und Arafat Abou-Chaker neuer Polizeipräsident in Berlin werden sollte

von Ayala Goldmann  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Berlin

Gericht erlaubt Extremismus-Einstufung von »Jüdischer Stimme« wieder

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte eine Extremismus-Einstufung des Vereins »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« zunächst gestoppt. Das Oberverwaltungsgericht sieht es aber anders

 22.09.2026