Bayern

Kommunen müssen Antisemitismus-Verdacht alleine prüfen

Foto: picture alliance / dpa

Bei Verdacht auf Antisemitismus müssen Bayerns Kommunen ohne die erbetene Hilfe des Innenministeriums darüber entscheiden, welche Veranstaltungen sie in ihren Räumen verbieten und welche nicht. Es seien keine Leitlinien in Bearbeitung, teilte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Anwendung des Gesetzes erfordere wie bei anderen Gesetzen auch eine Prüfung des Einzelfalls durch die zuständige Kommune.

Hinweise zur Auslegung des Gesetzes ergäben sich etwa aus der Gesetzesbegründung, ergänzte die Sprecherin. Bei ihren Einschätzungen könnten sich die Kommunen zudem auf Vorfälle bei früheren Veranstaltungen stützen. »Daneben können sich konkrete Anhaltspunkte für die Bewertung aber auch aus weiteren Umständen des Einzelfalls ergeben, etwa abhängig vom Kontext der Veranstaltung und den örtlichen Gegebenheiten.«

Seit dem 23. Dezember können Gemeinden, Landkreise und Bezirke Veranstaltungen in öffentlichen Einrichtungen untersagen, wenn antisemitische Inhalte zu erwarten sind. Das Gleiche gilt für Inhalte, die die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigen, verherrlichen oder rechtfertigen.

Lesen Sie auch

Bisher hatten nach den bestehenden allgemeinen Vorschriften der Gemeindeordnung grundsätzlich alle Gemeindeangehörige einen Anspruch darauf, die öffentlichen Einrichtungen einer Gemeinde zu nutzen, sofern es nicht Beschränkungen per Satzungsbeschluss gab.
Die Gesetzesänderung soll den Kommunen den Kampf gegen den zunehmenden Antisemitismus erleichtern.

Dennoch stellten sich in der Praxis Vollzugsfragen, schilderte die Kommunalrechtsreferentin des Bayerischen Gemeindetags, Jennifer Hölzlwimmer. Die kommunale Familie würde es daher weiterhin sehr begrüßen, klare Hinweise des Innenministeriums zu erhalten, wann tatsächlich eine Veranstaltung untersagt werden kann.

Auch Tristan Barczak, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Passau, hatte gewarnt, dass der neue Gesetzespassus Gerichtsverfahren nach sich ziehen dürfte. So sei Antisemitismus in der deutschen Rechtsordnung nirgendwo definiert.

Vielfältige Anhaltspunkte

Hinweise zur Auslegung des Gesetzes ergäben sich jedoch aus der Gesetzesbegründung, betonte das Innenministerium. Dort werde beispielsweise umschrieben, was unter »billigen«, »verherrlichen«, »rechtfertigen« oder auch unter »Antisemitismus« im Sinn des Gesetzes zu verstehen sei.

Grundsätzlich gelte, dass die jeweils denkbaren Fallgestaltungen und möglichen Anhaltspunkte sehr vielfältig seien. »Sie können in Form von Leitlinien nur sehr begrenzt vorhergesehen und abstrakt abgebildet werden«, unterstrich die Sprecherin. Im Rahmen der Entbürokratisierung sollten zudem gerade solche Leitlinien oder Ausführungshinweise auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. dpa

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Thüringens Innenminister fordert AfD-Verbotsverfahren

In einem Gutachten begründen Juristen ihre Einschätzung besonders mit Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026