Meinung

Fake News und Meinungsfreiheit

Ingo Way Foto: Stephan Pramme

Meinung

Fake News und Meinungsfreiheit

Durch die Forderung, falsche Nachrichten zu verbieten, gerät auch vieles in Gefahr, das eine demokratische Öffentlichkeit ausmacht

von Ingo Way  02.01.2017 18:50 Uhr

Eine bessere Steilvorlage könnte man der AfD kaum liefern. Politiker von CDU und SPD fordern im Vorfeld der Bundestagswahl, gegen sogenannte Fake News strafrechtlich vorzugehen. Ansgar Heveling (CDU), der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags, hält »eine Strafverschärfung für sinnvoll, wenn es hierbei um einen gezielten Kampagnencharakter geht«.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann will im Kampf gegen »erfundene Nachrichten, Verschwörungstheorien, Hass und Hetze« den rechtlichen Rahmen »konsequent ausschöpfen und bei Defiziten nachschärfen«. Und der CDU-Rechtspolitiker Patrick Sensburg meint: »Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates sollte unter Strafe gestellt werden.«

wahrheitsministerium Wer könnte schon etwas gegen den Kampf gegen Hass und Hetze, gegen Verschwörungstheorien und Destabilisierung haben? Jeder, dem an einer demokratischen Öffentlichkeit und an dem hohen Gut der Meinungs- und Pressefreiheit etwas liegt. Wer die Meinungsfreiheit erhalten will, muss möglicherweise falsche oder erfundene Nachrichten aushalten. Die Alternative wäre ein staatliches Wahrheitsministerium, das festlegt, was als wahr und was als falsch zu gelten hat.

Man muss nicht erst das nationalsozialistische »Heimtückegesetz« vom 20. Dezember 1934 ins Feld führen, um bei dieser Vorstellung das Gruseln zu bekommen. Das bedrohte jeden mit Gefängnis, der »vorsätzlich eine unwahre oder gröblich entstellte Behauptung tatsächlicher Art aufstellt oder verbreitet, die geeignet ist, das Wohl des Reichs oder eines Landes oder das Ansehen der Reichsregierung oder einer Landesregierung ... schwer zu schädigen«

staat Denn ob eine Meldung, ein Bericht, eine Nachricht, eine Reportage stimmt oder nicht, hat nicht der Staat festzulegen. Das bleibt Aufgabe der Öffentlichkeit und einer freien Presse.

Meinungsfreiheit umfasst auch das Recht, Blödsinn zu behaupten, etwa, dass der Mond aus Schweizer Käse besteht. Und manch »staatsgefährdende« Nachricht von heute bringt ihrem Urheber morgen den Pulitzer-Preis ein. Die ersten Berichte der Washington Post über den Watergate-Skandal wurden von der Nixon-Regierung dementiert. Für den korrupten US-Präsidenten waren sie nichts als Fake News.

Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung streicht Studienreisen nach Israel

 04.08.2026

Berlin

Nach antisemitischer Beschimpfung: Polizeilicher Staatsschutz ermittelt

Nach Beleidigungen gegenüber Gästen und Beschäftigten des jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg auf dem Berliner Wannsee hat die Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen

 04.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Justiz

»Israel-Kritik« mit Swastika und Davidstern? Könnte durchgehen

Für das Pfälzische Oberlandesgericht ist Schmähkritik an Israel samt Verwendung von Hakenkreuzen und Holocaustvergleichen nur dann strafbar, wenn die Gegnerschaft zur NS-Ideologie nicht offensichtlich ist

von Michael Thaidigsmann  04.08.2026

Spanien

Hakenkreuz auf Maimonides-Statue in Córdoba geschmiert

Der Bürgermeister der Stadt verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem Hasssymbol mit einer besonders schwerwiegenden Botschaft

 04.08.2026

Magdeburg

Dieter Hallervorden, Sven Schulze und der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Die Christdemokraten setzen bei ihrem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung des anti-israelischen Komikers Dieter Hallervorden

 04.08.2026

Berlin

Mehr als 1000 Juristen sprechen sich für AfD-Verbotsverfahren aus

Die Experten haben einen offenen Brief an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet

 04.08.2026

Potsdam

Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ist tot

Der Journalist und Autor prägte als Gründer von »Gesicht Zeigen!« den Kampf gegen Rechtsextremismus. Nun ist seine Stimme verstummt

 04.08.2026

Dessau-Roßlau

Schulze: Ich habe eine andere Meinung zum Thema Völkermord

Auftritte des Kabarettisten Dieter Hallervorden bei CDU-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt hatten bei den Christdemokraten teils für große Irritationen gesorgt. Der Spitzenkandidat verteidigt das Format

 04.08.2026 Aktualisiert