Dokumentation

»Explosion von Antisemitismus«

Dieter Graumann Foto: Das Portrait

Liebe Freunde,

in diesen Tagen erleben wir alle eine schreckliche, schockierende Explosion von Antisemitismus in diesem Land.

Auf deutschen Straßen hören wir antisemitische Slogans von übelster und primitivster Natur. Niemals im Leben hätte ich mir vorgestellt, dass wir so eine Hetze gegen Juden in Deutschland wieder hören könnten.

Über israelische Politik mag man streiten. Die allermeisten von uns stehen aber fest an der Seite unserer Brüder und Schwestern in Israel. Wir sind überzeugt: Israel muss sich wehren. Kein Land auf der Welt würde es hinnehmen, dass seine Menschen tausendfach mit Raketen beschossen werden. Und die Verantwortung für zivile Opfer, um die es uns immer von Herzen leidtut, tragen alleine die Terroristen der Hamas, die die eigenen Menschen, die eigenen Kinder skrupellos als menschliche Schutzschilde missbrauchen. Israel nutzt sein Raketensystem, um die Menschen zu beschützen. Hamas benutzt die Menschen, um seine Raketen zu schützen. Das ist der gewaltige Unterschied!

Aber die neuen Ausbrüche in Deutschland haben mit Gaza doch im Grunde gar nichts zu tun. Denn: Was hat es denn mit Gaza zu tun, wenn Synagogen hier beschmiert und angegriffen, jüdische Menschen bedroht werden und vollkommen entfesselte Menschenmengen auf den Straßen den Juden lauthals wünschen, »vergast«, »verbrannt« und »geschlachtet« zu werden? Kann man denn noch ekelhafter und bösartiger sein? Was ist das anderes als ganz gemeiner Judenhass?

Ich weiß, dass viele jüdische Menschen in dieser Zeit sich Fragen über ihr Leben in Deutschland stellen, die wir uns schon lange nicht mehr gestellt haben. Ich weiß, dass viele von uns auch besorgt sind und verunsichert und schockiert. Und auch Ängste sind keineswegs ein Grund, sich zu schämen.

Der Zentralrat der Juden tut alles, um sich dieser Welle entgegenzustemmen: publizistisch, rechtlich und politisch. Und menschlich verstehen wir die besonderen Gefühle unserer Menschen nur zu genau.

Umso wichtiger aber ist es mir, gerade in diesen Tagen unseren jüdischen Menschen zu sagen: Lassen wir uns nicht beirren und nicht entmutigen. Zusammen sind wir stark. Mehr Solidarität aus der deutschen, nicht-jüdischen Gesellschaft wäre natürlich sehr schön und mehr als angebracht. Aber wir werden uns ganz sicher nicht einschüchtern lassen.

Wir bleiben, was wir sind: bewusste und selbstbewusste Juden. Und unser Judentum tragen wir nicht als Last – sondern mit unbeugsamem Stolz!

Ihr Dieter Graumann

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

Faktencheck

Henry Kissinger wollte die »weiße Rasse« nicht beseitigen

Dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger werden immer wieder völlig frei erfundene Zitate zugeschrieben. Etwa, dass er die »weiße Rasse« durch multikulturelle Gesellschaften habe ersetzen wollen

 14.07.2026

Washington D.C.

Trump droht mit Angriff: Was über »Pickaxe Mountain« bekannt ist

Den Berg, der eine Atomanlage beherbergt, bezeichnet der US-Präsident als mögliches Ziel für einen »großen, fetten« Angriff

 14.07.2026

Osnabrück/Doha

Iron-Dome-Deal zwischen Israel und VW droht an Katar-Veto zu scheitern

Ein Verteidigungsdeal mit Israel und Hunderte Arbeitsplätze am VW-Standort Osnabrück sind in Gefahr, da der katarische Staatsfonds blockiert

 14.07.2026

Washington D.C.

USA-Iran-Rahmenabkommen: Was hat Trump überhaupt erreicht?

Groß war der Jubel des US-Präsidenten, als er mit der Führung im Iran ein vages Rahmenabkommen erzielte. Knapp einen Monat später stellt sich jedoch die Frage: Was ist davon noch übrig?

von Franziska Spiecker, Khang Mischke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Streit um Israel-Sanktionen: Kritik an Wadephul aus der SPD

In der EU wird über den Umgang mit der israelischen Siedlungspolitik gerungen. Der Bundesaußenminister tritt bei Sanktionen auf die Bremse. Das kommt beim Koalitionspartner gar nicht gut an

 14.07.2026